Die Spieler des SC Paderborn feiern ihren 3:1-Heimsieg gegen Hertha. Foto: dpa

Paderborn ist weiter auf dem Vormarsch. Der Aufsteiger feiert einen hochverdienten Heimsieg gegen Hertha BSC. Nun ist der Neuling aus Ostwestfalen in der Bundesliga-Tabelle schon Siebter.

Paderborn - Applaus für den Aufsteiger: Mit bedingungsloser Offensive und tollem Kampfgeist hat der SC Paderborn den Auswärtsfluch von Hertha BSC verlängert und beim 3:1 (1:1) den vierten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga gefeiert. Matchwinner für die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter waren am Sonntagabend Marvin Bakalorz mit seinem ersten Bundesliga-Tor (28. Minute), Elias Kachunga (53.) und Kunstschütze Alban Meha (76.). Salomon Kalou hatte vor knapp 14 630 Zuschauern in der Benteler-Arena zum schmeichelhaften 1:1 (41.) für die schwachen Berliner getroffen, die schon seit fast acht Monaten auswärts nicht mehr gewonnen haben. Die Quittung bekamen sie von ihren Fans per Plakat serviert: „Versager!“

Paderborn verbesserte sich in der Tabelle auf Platz sieben - auch ein Beweis für die gute Arbeit Breitenreiters. Der SC-Coach konnte diesmal mit „voller Kapelle“ antreten, alle Stammspieler waren an Deck. Meha und Marvin Ducksch, Torschütze beim 3:1 gegen Frankfurt, durften zum ersten Mal in der Startelf ran. Der hochmotivierte Aufsteiger legte furios los, schon in der 3. Minute lag die Führung in der Luft: Moritz Stoppelkamps Fernschuss parierte BSC-Keeper Thomas Kraft, Sekunden später scheiterte Kachunga mit einer Riesen-Kopfballchance - der Pfosten stand im Weg.

„Ich wollte heute wieder alles geben für die Mannschaft. Dass ich dann das Tor gemacht habe, ist eine überragende Sache“, sagte Kachunga im TV-Sender Sky und war rundum glücklich: „Ein verdienter Sieg auf jeden Fall.“ Außenverteidiger Marcel Djeng - früher in Paderborn aktiv - musste sich bei den wütenden Hertha-Fans entschuldigen: „Wir haben eine peinliche Leistung abgeliefert. Das ist zu naiv - mir fehlen die Worte.“

Die Berliner, die auf den verletzten Stürmer Julian Schieber verzichten mussten, sahen sich im ersten Erstliga-Duell mit den zweikampfstarken Ostwestfalen über weite Strecken in die Defensive gedrängt. Das 1:1 durch Kalou kam wie aus dem Nichts: Eine perfekte Flanke des Ex-Paderborners Ndjeng köpfte der Ivorer aus fünf Metern ins Tor. Für Hertha-Coach Jos Luhukay war Paderborn 2005/06 die erste Profistation als Trainer. Weil die Paderborner nur den Vorwärtsgang kannten, stand der frühere Bayern-Torwart Kraft in seinem 75. Bundesliga-Spiel viel öfter im Mittelpunkt, als ihm lieb war. Beim 0:1 war der Keeper aber chancenlos, nach einem Blackout der Hertha-Abwehr hämmerte Bakalorz den Ball aus 15 Metern ins Netz.

Mit einer starken Parade rettete Kraft Sekunden vor der Pause gegen Paderborns Kapitän Uwe Hünemeier. Beim 2:1 durch einen reaktionsschnellen Kopfball Kachungas nach Flanke von Jens Wemmer stand er wie erstarrt auf der Linie, auch bei Mehas 18-Meter-Kracher war er chancenlos. Schon in der letzten Saison in der 2. Liga war Meha mit neun Weitschusstoren der Distanzkönig der Liga, auch sein erstes Bundesliga-Tor erzielte er nun von außerhalb des Strafraums.

Fünf Tage nach der Pokalblamage beim Drittligisten Arminia Bielefeld hatten die mitgereisten Berliner Fans eine unmissverständliche Ansage gemacht: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“, skandierten sie. Doch nach vorn ging für die Gäste, die seit fast acht Monaten (22. Februar/2:1 in Stuttgart) kein Auswärtsspiel mehr gewonnen haben, praktisch gar nichts. In der ersten halben Stunde gewann Hertha lediglich drei von zehn Zweikämpfen. Valentin Stockers technisch gekonnter Versuch aus 16 Metern war der erste Schuss der Herthaner auf das SC-Tor - in der 17. Minute.

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