Rund 40.650 „Bufdis“ gab es im Januar 2020 bundesweit. Foto: dpa/Patrick Pleul

In Sachsen-Anhalt machen 2019 weniger Menschen einen Bundesfreiwilligendienst als im Vorjahr. Wie sieht die Entwicklung in Baden-Württemberg aus?

Stuttgart - Bei der Feuerwehr in Rottweil mithelfen, auf dem Aktivspielplatz Dürrbachtal ein Kinderprogramm anbieten oder einen Einblick in die Arbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bekommen – das sind nur drei Beispiele für „Bufdi“-Stellen in Baden-Württemberg, die derzeit auf der Website des Bundesfreiwilligendienstes ausgeschrieben sind.

Der Bundesfreiwilligendienst ist 2011 als Nachfolger des Zivildienstes entstanden, weil in diesem Jahr die Wehrpflicht abgeschafft wurde. In der Regel dauert der Einsatz als Bundesfreiwilliger ein Jahr, es sind aber auch andere Zeiträume möglich. „Bufdis“, wie die Freiwilligen umgangssprachlich oft genannt werden, erhalten ein Taschengeld von maximal 414 Euro im Monat. Die Ausschreibung der Feuerwehr Rottweil enthält einen Hinweis, was viele „Bufdis“ motivieren dürfte: „Die Wartezeit auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sinnvoll überbrücken?“, fragt die Feuerwehr in ihrer Ausschreibung. Doch ist Überbrückung überhaupt noch ein Thema? Schließlich ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland derzeit sehr gering.

Überbrückung bis zur Ausbildung – heute noch notwendig?

„Der Arbeitsmarkt hat sich verändert. Es gibt teilweise weniger Bedarf, Wartezeiten zu überbrücken, weil Jugendliche zum Beispiel schneller einen Ausbildungsplatz finden als früher“, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Ausbildung.

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der „Bufdis“ im vergangenen Jahr zurückgegangen, wie verschiedene Medien gemeldet hatten. Hatten 2018 im Jahresschnitt noch rund 2100 Menschen einen Bundesfreiwilligendienst in dem Land absolviert, waren es 2019 noch rund 1900. Einen flächendeckenden Mangel an Bufdis verzeichnet das Bundesamt aber nicht. Zuschüsse für 40.000 bis 45.000 Stellen könnten mit den 167 Millionen Euro, die jährlich für das Programm zur Verfügung stehen, finanziert werden, so die Sprecherin. Im Januar 2020 gab es bundesweit rund 40.600 Freiwillige.

So ist die Lage in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Bundesfreiwilligen ziemlich konstant. 2019 gab es im Jahresschnitt 5507 „Bufdis“ im Südwesten, im Vorjahr waren es 5657. Trotz dieses leichten Rückgangs: Im größeren zeitlichen Verlauf schwankt die Zahl um diese Marke. 2016 gab es 5339 „Bufdis“ in Baden-Württemberg, 2017 dann 5710.

Neu ist seit vergangenem Jahr, dass auch Menschen unter 27 Jahren den Bundesfreiwilligendienst in Teilzeit absolvieren können – zum Beispiel, wenn sie nebenher einen Sprachkurs machen, körperliche Einschränkungen haben oder Angehörige pflegen. Zuvor war Teilzeit nur für „Bufdis“ über 27 Jahren möglich.

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