Bundesbank-Studie Deutsche zahlen meistens bar

Von Barbara Schäder 

Die Deutschen haben im Schnitt 107 Euro Bargeld im Portemonnaie. Foto: dpa
Die Deutschen haben im Schnitt 107 Euro Bargeld im Portemonnaie. Foto: dpa

Scheine und Münzen dominieren weiter das Alltagsgeschäft. Bei Beträgen ab 50 Euro wird aber eher die EC-Karte gezückt. Einen weiteren Schub für elektronische Zahlungen erwartet die Finanzbranche durch die Einführung sogenannter Instant Payments. Gleichzeitig warnen Experten vor einer Abschaffung des Bargelds.

Stuttgart - Geldscheine und Münzen sind aus dem Alltag der Deutschen nicht wegzudenken – doch der bargeldlose Zahlungsverkehr ist auf dem Vormarsch. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bundesbank hervor. 74 Prozent der Zahlungen für Einkäufe, Dienstleistungen oder unter Privatpersonen werden demnach bar beglichen. Gemessen am Umsatz liegt der Anteil der Barzahlungen in Deutschland mittlerweile aber unter 50 Prozent. Und das, obwohl monatlich wiederkehrende Abbuchungen oder Daueraufträge etwa für Miete, Wohnnebenkosten oder Sparverträge in der Studie nicht erfasst sind.

An der Ladenkasse, beim Frisör oder im Restaurant haben laut der Untersuchung vor allem Kartenzahlungen zugenommen. Bei Beträgen über 50 Euro ist dies mittlerweile die meistgenutzte Bezahlmethode. Eine Abschaffung des Bargeldes, wie sie beispielsweise in Schweden diskutiert wird, lehnten aber 88 Prozent der Befragten ab. Bundesbankpräsident Jens Weidmann betonte, der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) habe sich klar zum Erhalt von Bargeld bekannt.

Ex-Verfassungsrichter warnt vor Verdrängung

Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio zeigte sich dennoch besorgt, Bargeld könnte durch den stetigen Ausbau elektronischer Zahlungssysteme aus dem Markt gedrängt werden. Zwar sind Geschäfte in der Währungsunion zur Annahme von Euro-Scheinen verpflichtet und dürfen dafür auch keine Gebühren verlangen. Di Fabio stellte aber die Frage, wie mit Rabatten für bargeldlose Zahlungen umzugehen sei. Möglicherweise müssten die Regierungen oder die Zentralbank hier „übermäßige Prämien untersagen“, regte der ehemalige Verfassungsrichter an. Das EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch erklärte indes, dies wäre ein unzulässiger Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Grundsätzlich vertrat Mersch aber wie Di Fabio die Auffassung, Bargeld müsse zum Schutz der Privatsphäre erhalten bleiben. Es sichere „Grundrechte wie die Handlungsfreiheit und die Meinungsfreiheit ab“. Dass die Anonymität bargeldloser Zahlungen auch von Kriminellen genutzt werde, sei kein Argument für die Abschaffung von Münzen und Scheinen, sagte Di Fabio: „Weil Bankräuber regelmäßig nicht Fahrräder benutzen, sondern Autos, können Sie nicht Autos verbieten.“

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