Bundesbank gegen Prüfung Ist das deutsche Gold noch da?

Von Claudia Lepping 

Deutschland verfügt über die weltweit zweitgrößten Goldreserven – etwas  mehr als ein Drittel der rund 3400 Tonnen deutscher Goldreserven lagert die Bundesbank nach eigenen Angaben in eigenen Räumen in Frankfurt. Foto: Bundesbank/Darchinger
Deutschland verfügt über die weltweit zweitgrößten Goldreserven – etwas mehr als ein Drittel der rund 3400 Tonnen deutscher Goldreserven lagert die Bundesbank nach eigenen Angaben in eigenen Räumen in Frankfurt. Foto: Bundesbank/Darchinger

Der Bundesrechnungshof fordert eine stärkere Kontrolle des deutschen Goldbesitzes. Ein großer Teil davon lagert im Ausland. Doch nun wollen es auch Politiker genauer wissen.

Berlin - Peter Gauweiler schnauft durch das Lokal. Sucht ein Hinterzimmer, in dem er verabredet ist, verläuft sich kurz, fragt die verdutzte Serviererin, wie es ihr geht, und hält sich bei all dem auch noch ein Telefon ans Ohr. Der Mann hat eine erstaunlich junge Stimme, und das liegt beileibe nicht am bayrischen Idiom. Der 63-Jährige, der vielen als letzt verbliebenes CSU-Urgestein gilt, ist aufgebracht. Es geht ums Geld. Ums Gold. „Um unsere Zukunft“, sagt er.

Als Philipp Mißfelder den Raum betritt, dauert es keine zwei Minuten, und die beiden Freunde debattieren eben darum – ums Geld, ums Gold – und darum, ob die deutsche Goldreserve noch sicher ist.

Mißfelder kommt aus Recklinghausen, ist Vorsitzender der Jungen Union und außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Vor Jahren produzierte er Schlagzeilen, als er alten Menschen zur Entlastung der Krankenkassen keine Hüftprothese mehr finanzieren wollte. Inzwischen ist er 33 Jahre alt und für Gauweiler sogar nach Amerika gefahren.

Über 50 Prozent des deutschen Golds liegen in New York – es wurde dort gekauft

Dort wollte er Goldbarren sehen. Jenes Gold der Bundesbank, welches als deutsche Währungsreserve gilt. Die Währungsreserve ist das Vermögen der Bundesbank, das nicht in Euro geführt wird – also Guthaben und Wertpapiere in fremden Währungen, Sorten oder Einlagen. Diese Reserven werden, so die Bundesbank, möglichst rentabel angelegt, um auf schwankende Wechselkurse reagieren zu können. Die Deutschen haben nach der US-Notenbank die zweitgrößten Goldreserven. Über 50 Prozent des deutschen Golds liegen in New York – es wurde dort gekauft. Weitere Bestände liegen bei der Bank of England und zu kleinen Teilen bei der Banque de France in Paris.

Und eben weil diese Währungsreserve ausdrücklich nicht am Euro-Gegenwert bemessen werden soll, um vor Ausschlägen nach oben wie nach unten sicher zu sein, zieht sie in Krisenzeiten die Aufmerksamkeit auf sich. Erst recht im Verlauf der Finanzmarktkrise ist das Gold seit 2008 immer wertvoller geworden. Heute liegt der Goldpreis bei über 42.000 Euro pro Kilogramm – zu Beginn der Krise 2008 waren es 19 399 Euro pro Kilo. Damals besaß die Bundesbank sogar noch mehr Gold: 3412,6 Tonnen; knapp zwölf Tonnen wurden seither ausgeprägt. Im September 2009 lag der Kilopreis bereits bei 22 024 Euro, ein Jahr später schon bei 31 027 Euro. Heute zählt die Bundesbank knapp 3400 Tonnen – ein Gegenwert von 136 Milliarden bis 143 Milliarden Euro.

Aber wo ist das Gold in den USA? Philipp Mißfelder wollte es sehen. Und will heute darüber reden, wie das war, als er sich bei der Federal Reserve anmeldete, das Gold aber partout nicht zu sehen bekommen durfte. Es soll um eine Barren-Liste gegangen sein, die irgendjemand nicht herausrücken wollte. Nicht herausrücken sollte. „Es gab eine Kommunikationspanne“, sagt Mißfelder. Er war ganz nah dran.

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