Martina Musati ist seit Februar 2024 Vorsitzende der Geschäftsführung in der BA-Regionaldirektion Baden-Württemberg. Foto: Uli Regenscheit Fotografie

Die baden-württembergische Regionalchefin der Bundesagentur für Arbeit, Martin Musati, nimmt sich die Arbeitgeber vor. Über 50-Jährige würden bei Stellenbesetzungen „deutlich unterproportional berücksichtigt“, moniert sie.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) appelliert an die Arbeitgeber, die Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. „Die Wiederbeschäftigung der über 50-Jährigen ist trotz Fachkräftebedarf kein Selbstläufer“, sagte die Chefin der Regionaldirektion Baden-Württemberg, Martina Musati, unserer Zeitung. Die Einstellungsquote der 55- bis 64-Jährigen liege deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Ältere Menschen würden bei Stellenbesetzungen – gemessen an ihrem Anteil an den Arbeitslosen – klar unterproportional berücksichtigt. „Grundsätzlich darf das Alter kein Vermittlungshemmnis sein“, mahnt sie.

 

Arbeitslosigkeit der Ü55-Jährigen wächst

Die Arbeitslosigkeit der Ü-55-Jährigen ist im Südwesten massiv gestiegen: von 45 845 im Jahr 2019 auf 69 208 im vorigen Jahr – ein Plus von gut 50 Prozent. Im März waren 75 260 Menschen über 55 Jahren arbeitslos. Der Anteil dieser Gruppe an allen arbeitslosen Menschen stieg auf 25,8 Prozent.

Auch wenn es auf den ersten Blick als Widerspruch erscheinen mag: Insgesamt hat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der 55- bis 65-Jährigen deutlich zugenommen – wegen der Alterung der Belegschaften, aber auch weil die Menschen später in Rente gehen. Bei den 60- bis 64-Jährigen etwa stieg die Beschäftigungsquote von 48,1 Prozent (2019) auf 55,5 Prozent (2024), was einem weit überdurchschnittlichen Zuwachs von 7,4 Prozentpunkten entspricht.

Damit ältere Menschen vor allem angesichts des Fachkräftemangels noch stärker am Arbeitsmarkt teilhaben, rät die BA-Regionalchefin zum frühzeitigen Einbeziehen in betriebliche Weiterbildungen, zu flexiblerer Arbeitszeitgestaltung und mehr altersgemischten Arbeitsgruppen. Aufseiten der älteren Erwerbstätigen wiederum sei es hilfreich, die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen bis hin zum zweiten Berufsabschluss zu stärken. Auch sollten sie „branchenverwandte Berufsfelder nicht ausschließen“, so Musati.