Bulldoggfledermäuse Der Ferrarider Lüfte

Von rhkhttp://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.lebendige-krippen-in-ditzingen-und-der-region-kritik-an-tierischen-weihnachtsdarstellern.4c90bfce-1175-4069-857c-bb31bdb0074e.html http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kinderwissen-gefiedertes-sorgenkind.55a47580-792b-407d-a663-ad116a333291.html http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.unglaubliche-rekorde-im-tierreich-tierische-weltmeister.686c6afb-b170-4796-835a-471f56634b8d.html 

Auf langen schmalen Flügeln erreicht die Mexikanische Bulldoggfledermaus Geschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern. Foto: Nick Hristov
Auf langen schmalen Flügeln erreicht die Mexikanische Bulldoggfledermaus Geschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern. Foto: Nick Hristov

Bulldoggfledermäuse erreichen eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde. Um das herauszufinden, verfolgten Wissenschaftler die Tiere in einem Cessna-Flugzeug.

Radolfzell - Nicht den Hauch einer Chance hat Usain Bolt gegen eine Mexikanische Bulldoggfledermaus. Bei seinem Weltrekord am 16. August 2009 in Berlin erreichte der beste Sprinter aller Zeiten die Ziellinie des Hundert-Meter-Laufs zwar bereits nach 9,58 Sekunden. Dabei sauste der Jamaikaner eine oder zwei Sekunden lang mit einer Höchstgeschwindigkeit von beinahe 45 Kilometern in der Stunde durch das Olympiastadion. Dieses Tempo aber könnte die Fledermäuse im US-Bundesstaat Texas nicht beeindrucken.

Als Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee und von der Universität Konstanz sieben Weibchen der fliegenden Säugetiere mit dem Flugzeug folgte, war jedes von ihnen zeitweise mit einer Geschwindigkeit von über 90 Kilometern in der Stunde unterwegs, mehr als doppelt so schnell wie Bolt also – und das nicht nur für wenige Sekunden, sondern gleich für einige Minuten. Eines der Tiere schaffte sogar eine Bestmarke von 160 Kilometern in der Stunde, degradierte Usain Bolt so zu einer Schnecke auf zwei Beinen und hält derzeit den Sprint-Weltrekord in der Tierwelt – zumindest soweit es bekannt ist.

Schließlich hatte den nur zwölf Gramm schweren Fledermäusen bisher niemand eine solche Höchstleistung zugetraut. „Und auch wir sind eher zufällig auf diesen Rekordwert gestoßen“, erklärt Dina Dechmann, die in Radolfzell an der in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Royal Society Open Science“ veröffentlichten Studie mitgearbeitet hat.

„Bis alle Tiere am Abend ihre Höhle verlassen haben, kann es sechs Stunden dauern“

Schließlich gelten die Mexikanischen Bulldoggfledermäuse eher als graue Mäuse denn als Rekordjäger: Tagsüber ruhen die gerade einmal neun Zentimeter langen Tiere in großen Höhlen; manchmal leben mehr als eine Million Fledermäuse in einer solchen Wohngemeinschaft. „Bis die Tiere am Abend alle ihre Höhle verlassen haben, kann es schon einmal sechs Stunden dauern“, sagt Dechmann.

Dabei quellen in dem „Berufsverkehr“ dichte Wolken von Fledermäusen aus den oft gar nicht so engen Höhleneingängen. Unter dem freien Himmel verteilen sich die Tiere dann in alle Himmelsrichtungen und beginnen ihren Job. Der besteht vor allem im Fressen von Insekten. Als Leibspeise gelten Motten und Falter, von denen viele ihrerseits die Ernte der amerikanischen Bauern vertilgen. Sind die in riesigen Scharen aus ihren Höhlen fliegenden Fledermäuse also so etwas wie ein natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel?

Solche Fragen klären Biologen wie Tom Kunz von der Boston University in den USA, indem sie den Alltag der Tiere unter die Lupe nehmen, was bei fliegenden Tieren, die noch dazu in der Nacht unterwegs sind, gar nicht so einfach ist. 2009 bat Kunz daher Martin Wikelski um Hilfe – einen Spezialisten für das Verfolgen von Tieren, die mit kleinen Sendern und Messgeräten ausgerüstet sind. Im Juli desselben Jahres fischte Kunz vor einer Höhle im Nordwesten von Texas eine Fledermaus aus den Tieren heraus. Nicht einmal ein halbes Gramm wogen die Sender, die er seinem Fang mit einem Kleber auf dem Rücken befestigte, den normalerweise Chirurgen verwenden, um Wunden zu schließen.

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