Büroflächen in Stuttgart sind nach wie vor sehr gefragt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Flächenumsatz ging deutlich zurück. Auch in diesem Jahr erwartet die Branche kein großes Wachstum. Aber in einigen Jahren werden wichtige Neubauprojekte fertig. Wir sagen wo.

Stuttgart - Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit findet auf dem Büromarkt momentan ein grundlegender Wandel statt. Pro Arbeitsplatz gibt es weniger Fläche, weil die Schreibtische im papierlosen Büro kleiner sind und nicht für jeden Beschäftigten (Urlaub, Krankheit, Homeoffice) vorgehalten werden. Und: Auch in Randlagen der City wird von den Unternehmen ein urbanes Umfeld mit Läden und Gastronomie erwartet, wie Ines Aufrecht, Wirtschaftsförderin der Stadt, bei der Vorstellung des Stuttgarter Büromarktberichts am Dienstag betonte.

Neue Projekte

Was das konkret bedeutet, könne bei vielen Projekten von Mahle in Bad Cannstatt, Daimler in Vaihingen, Bosch, Porsche und Vector mit dem „Wissenscampus“ in Weil­imdorf und Zuffenhausen beobachtet werden, so Aufrecht. Und aktuell auch auf dem ehemaligen Speditionsareal der Fritz OHG in Zuffenhausen: Dort ist in diesen Tagen Baubeginn für das Projekt Urbanic, wo Siemens 20 000 Quadratmeter Fläche im Jahr 2021 beziehen wird. „Es wird ein Campus geschaffen mit zukunftsweisenden Büroflächen, Betriebsrestaurant, Café, Shop, Kiosk und Kindertagesstätte“, teilt die E & G Real Estate GmbH mit, die zusammen mit der städtischen Wirtschaftsförderung den Büromarktbericht verfasst.

Weniger Umsatz, Spitzenmiete sinkt

Danach ist wegen des geringen Flächenangebots und der überschaubaren Zahl von Neubauten der Büroflächenumsatz gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen. Er lag mit 218 000 Quadratmetern um 19 Prozent unter dem Vorjahreswert von 270 000 Quadratmetern und um 15 Prozent unter dem Zehnjahresmittelwert (255 000 Quadratmeter). Die Zahl der Vertragsabschlüsse sank von 254 auf 226, wobei es nur fünf Abschlüsse über 5000 Quadratmeter gab. Der größte war der von Bosch in Feuerbach (50 000 Quadratmeter), gefolgt von zwei Verträgen des Landes in der Innenstadt und in Leinfelden-Echterdingen (zusammen 20 000 Quadratmeter). Die geringe Neubautätigkeit macht sich auch bei der Spitzenmiete in der City bemerkbar, sie sank von 24,30 auf 23 Euro, die Durchschnittsmiete ging von 18,50 auf 18,20 Euro zurück. In der weiteren Innenstadt und in den Außenbezirken liegen die Spitzenmieten zwischen 13 und 17 Euro, die Durchschnittsmieten bei einem Plus von 1,4 Prozent zwischen 11,70 und 13 Euro. Der Leerstand erhöhte sich leicht von 2,1 auf 2,3 Prozent. Stärkster Nachfrager sind wie in den Vorjahren die Industrieunternehmen, vor allem die Automobilbranche. Dahinter folgen die Bereiche öffentliche Hand und IT/Telekommunikation.

2019 höhere Mieten erwartet

In diesem Jahr erwarten Björn Holzwarth und Ulrich Nestel von E & G Real Estate einen sinkenden Flächenumsatz und steigende Mieten. Danach werde es durch Neubauprojekte am Pragsattel, am Löwentor, im Neckarpark und auf den Fildern in Vaihingen und Leinfelden-Echterdingen sowie im Zuge von S 21 an der Jägerstraße und im Rosensteinviertel eine Entspannung geben.

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