Bürgerumfrage in der Region Stuttgart Schlechtes Urteil über den Nahverkehr

Von Josef Schunder 

Der öffentliche Nahverkehr, dessen Rückgrat die S-Bahn ist, wird von den Einwohnern der Region Stuttgart  heute negativer beurteilt als im Jahr 2013, nicht besser. Foto: dpa
Der öffentliche Nahverkehr, dessen Rückgrat die S-Bahn ist, wird von den Einwohnern der Region Stuttgart heute negativer beurteilt als im Jahr 2013, nicht besser. Foto: dpa

Die Quote der Zufriedenheit mit Bussen und Bahnen in der Region Stuttgart ist binnen fünf Jahren auf 59 Prozent gesunken. Die Bürgerumfrage des Verbandes der Region Stuttgart liefert auch noch viele andere Stimmungsbilder.

Stuttgart - In der Region Stuttgart lehnen 63 Prozent der Menschen Verkehrsbeschränkungen wie Fahrverbote für schadstoffträchtige Fahrzeuge als wenig hilfreich oder gar nicht hilfreich ab. 87 Prozent betrachten Verbesserungen des Schienen- und Busverkehrs als positiven Beitrag zu besserer Luft, 76 Prozent einen besseren Verkehrsfluss durch mehr Verkehrsleittechnik, 72 Prozent den Ausbau des Radverkehrs und 68 Prozent den Ausbau von Umgehungsstraßen. Dennoch möchten 69 von 100 Befragten keine Freiflächen für Straßen opfern.

Das sind jetzt vorgelegte Ergebnisse der telefonischen Bürgerumfrage, die der Verband Region Stuttgart im Juni in den 179 Kommunen zum zweiten Mal vornehmen ließ. Mehr als 1300 Einwohner wurden befragt. Gegenüber der Umfrage von 2013 verringerten sich die positiven Stimmen, die den öffentlichen Nahverkehr für sehr gut oder gut halten, von 67 auf 59 Prozent. Über 75 Prozent der Befragten beurteilten das Wohnungsangebot als gar nicht gut oder nicht so gut. 2013 waren das nur 53 Prozent.

Wohnungsmarkt verursacht große Sorgen

86 Prozent erklärten, es sei schwer oder sehr schwer, eine bezahlbare Wohnung am angestammten Wohnort zu finden. In Stuttgart schnellte diese Quote sogar auf 94 Prozent hoch. Dennoch wollen nur wenige zur Problemlösung Flächen versiegeln. 38 Prozent (2013: 48) befürworteten dies für den Zweck neuer Gewerbegebiete. Für den Wohnungsbau wollten diesmal etwas mehr Befragte Freiflächen versiegeln, 48 Prozent aber weiterhin nicht. Zur Lösung der Probleme plädierten die Befragten klar für überörtliche Konzepte. In Verkehrsfragen waren das 65 Prozent (2013: 56), in Fragen von Flächenplanungen 47 statt 41Prozent. 58 statt zuvor 59 Prozent fühlen sich der Region verbunden, 94 statt zuvor 96 Prozent attestierten ihr Lebensqualität. Die Bekanntheit des Verbandes Region Stuttgart als Körperschaft nahm von 43 auf 46 Prozent zu.

Regionaldirektorin Nicola Schelling bewertete das Resultat als Bestätigung für die „Zielrichtung unserer Arbeit“ seit 2013. Neben den Problemen werde auch die Herausforderung deutlich: weil der Ausbau von Mobilitäts-, Wohnungs- und Arbeitsplatzangebot mit den vorhandenen Flächenkapazitäten in Einklang gebracht werden soll.

Politik ist zur „Quadratur des Kreises“ aufgefordert

Regionalrat Andreas Koch (CDU) sprach im Wirtschaftsausschuss der Verbandsversammlung von der „Quadratur des Kreises“, die dem Verband von den Befragten auferlegt werde. Dem Interesse an einem attraktiveren und kostengünstigeren öffentlichen Nahverkehr aber komme die Tarifzonenreform im Verkehrsverbund VVS entgegen.

Jürgen Zieger (SPD) verwies auf das „Megathema“, für breite Bevölkerungsschichten Wohnraum zu schaffen. Grünen-Sprecher Cleo Becker meinte, gerade die sinkende Zustimmung für den praktizierten ÖPNV sei ein Zeichen für das große Interesse an der Verbesserung. Peter Rauscher (Die Linke) fand die Absage an Flächenversiegelungen bemerkenswert und die Haltung seiner Partei bestätigt.

Ganz ohne Flächenverbrauch geht es nicht, meinen Regionalräte

Gerd Maisch (Freie Wähler) entnahm der Umfrage, dass sich der Verband mit den richtigen Themen befasse. Allerdings müsse man auch klar machen, dass es nicht ohne Flächenverbrauch gehe. Albrecht Braun (FDP) riet, die Bekanntheit des Verbandes bei jungen Menschen über die Kanäle der sogenannten sozialen Medien zu steigern. Stephan Schwarz (AfD) meinte, zur besseren Wohnungsversorgung müsse man in der Region stärker in die Höhe bauen.

Die Haltung zu Fahrverboten spielte übrigens nicht nur in dieser Umfrage eine Rolle. Auch die Stuttgarter Zeitung und der Südwestrundfunk haben gerade dazu nachfragen lassen. Das am Mittwoch dieser Woche veröffentlichte Ergebnis: Die Stuttgarter begrüßen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in ihrer Stadt mehrheitlich. Für 43 Prozent gehen solche Verbote in die falsche Richtung. Landesweit wandten sich 50 Prozent der Befragten dagegen. 46 Prozent der Befragten im Land fanden, Fahrverbote gingen in die richtige Richtung.

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