Etwa 50 Personen sind an dem bewegten Bürgertheater als Schauspieler und Statisten beteiligt. Einige der Kostüme und Requisiten stammen aus dem 19. Jahrhundert. Foto: privat

Ein Stück, viele Bühnen: Beim Jakobsgang ist der ganze Stadtteil auf den Beinen – mindestens. Das Bürgertheater, das die Eglosheimer Vereine im alten Ortsteil aufführen, stellt die Konflikte der Eingemeindung vor 117 Jahren dar. Das Stück ist ein Geschenk an die Stadt.

Ludwigsburg - Dass der Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim des 300-Jahr-Jubläum der Stadt mitfeiert, könnte eigentlich Geschenk genug sein. Denn Eglosheim ist erst seit 117 Jahren ein Teil von Ludwigsburg. Und als die Mehrheit der Eglosheimer Bürger vor eben jenen 117 Jahren beschloss, zum Stadtteil zu werden, tobte ein wilder Streit darüber, ob die Bürger ihre Selbstständigkeit wirklich aufgeben sollten, um dafür Vorteile der Stadt wie Gas, Wasser und Elektrizität zu bekommen. Doch mit genau diesem Streit beteiligen sich die Eglosheimer nun am Ludwigsburger Jubiläum.

Thomas Seyfang vom Historischen Verein Eglosheim und seine Frau Jutta haben über diesen Teil der Ortsgeschichte ein Theaterstück geschrieben – und an der Umsetzung beteiligen sich alle Eglosheimer Vereine, die Kirchen und die Feuerwehr. „Der Jakobsgang“ lautet der Titel des Bürgertheaters, das am Samstag, 29. September aufgeführt wird, und zwar an sieben Standorten im ganzen Stadtteil. „Die Stadt hatte alle Teilorte aufgefordert, sich an den Feierlichkeiten zu beteiligen“, sagt Thomas Seyfang. „Das ist unser Beitrag.“

Pferdewagen statt Pferdestärken

Seit Mai arbeiten die Vereine unter der Leitung des Bürgervereins Eglosheim an dem Stück, seit August proben die rund 50 Darsteller ihren Part. Die erste Szene des Theaters beginnt am Rathaus in Eglosheim, das heute ein Museum ist. Von dort laufen die Zuschauer, mit dem Bürgermeister, der seine Mitbürger vom Zusammenschluss mit der Garnisonstadt überzeugen will, zu den weiteren Schauplätzen. „Unterwegs haben wir auch immer mal wieder Randszenen eingebaut“, erzählt Thomas Seyfang. „Da besohlt der Schuhmacher vor seinem Haus ein paar neue Schuhe, eine alte Frau beschwert sich aus dem Fenster über den Krach oder die Mägde waschen im Zuber die Wäsche.“

Die Katharinenstraße, die Monreposstraße und die Hahnenstraße werden für die Dauer des Stücks gesperrt. „Damit alles echt aussieht, also wie vor 117 Jahren haben wir die Anwohner gebeten, an den Spielstätten ihre Autos wegzustellen“, sagt Seyfang. Stattdessen sollen alte Pferdewagen, Zuber und Statisten die Gehwege zieren und so den Eindruck des Eglosheims von anno 1901 erwecken.

Am Ende gibt es kleines Fest

Für ihre Kostüme haben sich die Schauspieler zum Teil historische Gewänder ausgeliehen. Viele der Requisiten haben die Vereinsmitglieder selbst gebastelt oder aus ihren Kellern geholt. Thomas Seyfang etwa steuert aus seinem Hobbykeller und aus seinem inzwischen historischen Elternhaus unter anderem den alten Mistwagen seines Großvaters bei, der mindestens 100 Jahre alt ist. „Die Zuschauer sollen das Gefühl haben, auf einer Zeitreise zu sein“, sagt Seyfang. Eine bis anderthalb Stunden wird das bewegte Theaterstück dauern. Seyfang hofft auf viele Zuschauer. „Der Aufwand ist schon enorm.“

Am Ende der Vorstellung findet auf der Katharinenstraße eine Hocketse statt, mit der ein Teil der Ausgaben refinanziert werden soll. Einen finanziellen Zuschuss für das Stück haben die Vereine von der Stadt nämlich nicht bekommen – und Eintritt verlangen wollen sie nicht. „Wir hoffen auf einen netten Abend. Ohne Musik und Firlefanz“, sagt Seyfang. Die Idee sei, dass sich die Leute nach dem Stück miteinander unterhalten und über die Geschichte des Teilortes diskutieren – und dabei am besten auch noch froh sind, Teil der großen Stadt geworden zu sein.

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