Auf eigene Faust das alte Klinikgelände gestalten – auf diesen Weg macht sich die Stadt Vaihingen/Enz. Mittendrin: Anselm Laube als Macher und Kommunikator.
Die Stadt Vaihingen/Enz steht vor einer städtebaulichen Zeitenwende. Das ehemalige Krankenhausgelände soll nicht zum Spielball externer Investoren werden, sondern in kommunaler Regie eine neue Zukunft erhalten. Die Stadtverwaltung tritt am 23. April in der Stadthalle gemeinsam mit der Stadtbau GmbH erstmals umfassend an die Öffentlichkeit, um die Bürgerschaft aktiv einzubinden. Im Zentrum steht dabei Geschäftsführer Anselm Laube, der den Auftrag hat, das Projekt wirtschaftlich tragfähig zu entwickeln.
Ausgangspunkt ist der geplante Verkauf des Areals durch die Regionale Kliniken Holding (RKH) Ludwigsburg-Bietigheim. Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass sich ein Deal mit der Wohnbau Oberriexingen anbahnte, griff die Stadtverwaltung ein und stoppte die Entwicklung. Die Lehre aus diesem Eingriff: Vaihingen will künftig selbst gestalten. „Es geht um eine breite Beteiligung – wir wollen den Dialog und fragen darüber hinaus: Was wollt ihr?“, betont Laube.
Die Stadt reagiert damit auch auf frühere Kritik. Beim Verkauf eines Grundstücks an eine islamische Gemeinde hatte es Unmut gegeben, weil sich Teile der Bürgerschaft nicht ausreichend einbezogen fühlten. Dieses Mal soll es anders laufen: transparent, offen und mit echter Mitsprache.
Laube erwartet Einigung mit der RKH bis Mitte des Jahres
Ein zentrales Anliegen ist die Sicherung des Vaisana-Ärztehauses mit seinen rund 130 Beschäftigten. Die Unsicherheit war groß, nachdem die RKH gezögert hatte, die Mietverträge von Ärzten zu verlängern. Nun sendet die Stadt ein klares Signal: Es soll weitergehen – und zwar unter kommunaler Verantwortung. Voraussetzung dafür ist allerdings noch ein Beschluss des Gemeinderats über den Ankauf des Geländes. Rückendeckung hat Laube bereits: Im März erhielt er das Mandat, den Prozess voranzutreiben. Er geht davon aus, dass bis Mitte des Jahres eine Einigung mit der RKH und deren Aufsichtsräten aus dem Landkreis Ludwigsburg erzielt werden kann.
Wirtschaftlich sieht sich die Stadtbau GmbH mit dem Projekt auf solidem Kurs. Befürchtungen, ein Erhalt des Gebäudebestands sei nicht tragfähig, weist Anselm Laube zurück. Hauptgrund für die Verluste der Vergangenheit sei nicht die Immobilie selbst gewesen, sondern der Liegenschaftsbetrieb der RKH.
„Das Gutachten hat dem Gemeinderat die Sicherheit gegeben, mir das Mandat zu erteilen.“
Anselm Laube, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH
Eine externe Prüfung durch den Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmer (VbW) in Stuttgart habe bestätigt, dass sich Kauf und Weiterbetrieb rechnen können – insbesondere durch gesicherte Mieteinnahmen im Ärztehaus. „Das Gutachten hat dem Gemeinderat die Sicherheit gegeben, mir das Mandat zu erteilen“, sagt Laube. Einen „Goldesel“ erwartet er nicht, wohl aber eine schwarze Null.
Mit der neuen Stoßrichtung verabschiedet sich Vaihingen von früheren Plänen der RKH, das Krankenhaus abreißen und das Gelände hochpreisig bebauen zu lassen. Stattdessen setzt die Stadt auf eine Mischung aus medizinischer Nutzung, sozialer Infrastruktur, Wohnen und kulturellen Angeboten. Das Krankenhaus besteht aus mehreren Gebäudeteilen – und für jeden hat Laube eigene Ideen entwickelt.
Betreutes Wohnen im ehemaligen Krankenhaus möglich
Im Eingangsbereich könnten bestehende Angebote wie eine Jugendhilfeeinrichtung erhalten bleiben. Gleichzeitig wäre Platz für zusätzliche Arztpraxen. Im Altbau sieht Laube Potenzial für eine medizinische Nutzung, etwa für Zahnärzte oder Facharztpraxen.
Der nordöstliche Bereich mit dem früheren OP-Trakt und einer Intensivstation bietet durch seine eigenständige Erschließung besondere Möglichkeiten. Hier denkt der Stadtbau-Geschäftsführer unter anderem an Räume für die ambulante Pflege im Rahmen eines betreuten Wohnens oder an Unterkünfte für Auszubildende der Sozialstation. Auch ein Hospiz erscheint denkbar – nicht zuletzt wegen der attraktiven Lage und Aussicht.
Im ehemaligen Verwaltungsbereich könnten Wohnungen entstehen. Denkbar sind sowohl Umbauten als auch modulare Erweiterungen. Förderprogramme des Landes könnten dabei helfen, langfristig bezahlbaren Wohnraum mit sozialer Bindung zu schaffen.
Und dann ist da noch eine Idee, die besonders ins Auge fällt: ein ehemaliger OP-Saal als Proberaum für Kulturschaffende. „Hier haben wir Raum, Infrastruktur und Möglichkeiten“, sagt Laube. Gerade für Künstler, die sich reguläre Mieten nicht leisten können, könnte dies eine seltene Chance sein – auch im Hinblick auf die geplante Gartenschau.
Für Laube ist all das erst der Anfang. Viele Flächen versteht er bewusst als „Möglichkeitsräume“. Die konkrete Ausgestaltung soll gemeinsam mit der Bürgerschaft entwickelt werden. „Wir haben die Instrumente und das Rückgrat, es selbst zu schaffen“, sagt er – und spürt dabei deutlichen Rückenwind.
Laubes Fazit: Vaihingen will zeigen, dass kommunale Entwicklung auch anders geht: offener, eigenständiger und näher an den Bedürfnissen der Menschen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Zeitenwende gelingt.