Die Heidelbergerinnen und Heidelberger haben die Wahl. Foto: Allgöwer

Am 6. November ist Oberbürgermeisterwahl in Heidelberg. Auf allzu breites Interesse stoßen die Kandidaten (noch) nicht. Doch es gibt Favoriten im breiten Bewerberfeld.

An Plakaten fehlt es nicht, die auf die Oberbürgermeisterwahl in Heidelberg hinweisen. „Wenn dann Sören“, rät die SPD in Rot und Weiß am Bahnhof der Unistadt. „Dein Heidelberg, deine Entscheidung“, legt der amtierende Oberbürgermeister Eckart Würzner auf einer bunten stilisierten Stadtansicht nahe, und als „Klug!“ empfiehlt sich Theresia Bauer, die bisherige Landeswissenschaftsministerin.

 

Auf übergroßes Interesse stoßen die Plakate offenbar nicht. Zwei Lehrerinnen fachsimpeln auf dem Bahnhofsvorplatz, direkt unter den Plakaten. „Wir hatten noch keine Zeit, uns mit der OB-Wahl zu befassen“, sagen sie fast entschuldigend. „Der amtierende OB heißt Würzner“, weiß die eine. „Sören“ fällt der zweiten ein. Und es gibt noch eine Theresia. Den Nachnamen weiß sie nicht, „aber ich weiß, dass sie bei den Grünen ist“. Wählen werden sie am 6. November beide und bis dahin machen sie sich noch schlau.

Nur wenige Besucher bei der Kandidatenvorstellung

Aber nicht an diesem Donnerstagabend, an dem sich alle neun zur Wahl zugelassenen Bewerber bei der offiziellen Kandidatenvorstellung der Stadt präsentieren. 300 Besucher hätten den Weg in die neue Sportarena SNP Dome gefunden, schätzt eine Ordnerin. Selbst wenn sich 400 Zuhörer auf den weitläufigen Rängen verlieren, ist ihre Zahl doch weit von den erwarteten 1500 entfernt. „Bestimmt 500 haben den Livestream verfolgt“, tröstet sich Sören, der SPD-Kandidat, der mit Nachnamen Michelsburg heißt.

Drei von neun in der Spitzengruppe

In der Halle sitzen hauptsächlich die Parteigänger der Kandidaten. Im breiten Neunerfeld können sich die drei über die deutlich größte Unterstützung freuen, die nach Einschätzung der Beobachter wohl auch das Rennen unter sich ausmachen werden: Eckart Würzner (61), Theresia Bauer (57) und Sören Michelsburg (34), dem eher Außenseiterchancen eingeräumt werden.

Würzner war 2014 mit 84,4 Prozent in seine zweite Amtszeit gegangen, allerdings ohne nennenswerte Gegenkandidaten und bei einer Wahlbeteiligung von 21,8 Prozent. Theresia Bauer hat bei der Landtagswahl 2021 das Direktmandat für die Heidelberger Grünen mit 41 Prozent geholt. Würzner sieht das gelassen. „Es kann ein großer Irrtum sein, von der Landtagswahl auf die Oberbürgermeisterwahl zu schließen“, sagt er am Rande der Veranstaltung. „Warten wir einfach ab“, meint Bauer ebenso demonstrativ entspannt.

Keine Rückschlüsse von der Landtagswahl

Sie verspricht mehr Miteinander in der Stadt und hält dem Amtsinhaber vor: „In den vergangenen drei Jahren hat es vier Bürgerentscheide gegen ihre Stadt gegeben.“ Sie dagegen wolle „lieber rechtzeitig tragfähige Kompromisse suchen“ und die Stadtverwaltung stärken. Würzner unterstreicht die Standards Heidelbergs bei den Schulen, im Sportangebot oder in der Kulturförderung. Für die größte öffentliche Wasserstofftankstelle in Deutschland sei jetzt der Spatenstich erfolgt.

Mitbewerber machen Stimmung in der Stadt deutlich

Es sind die Mitbewerber, die in ihren Reden die Stimmung in der Stadt gegenüber den beiden Zugpferden anklingen lassen. Die Studentin Sofia Leser wettert „gegen einen OB, der seine Person glorifiziert“ und gegen „eine prominente Kandidatin der Grünen, die in Heidelberg nicht so beliebt ist und in ihrer Partei auch nicht“. In Studentenkreisen werden Bauer zum Beispiel die Studiengebühren für internationale Studierende angekreidet. Die selbst ernannte „Bildungs- und Kulturaktivistin“ Angeliki Papagiannaki-Sönmez findet, „der Oberbürgermeister orientiert sich an der Oberschicht“. Sie sieht „eine große Kluft zwischen OB, Gemeinderat und Bürgern“ und macht das ebenfalls an den Bürgerentscheiden fest.

Inhaltlich nahe beieinander

Inhaltlich unterscheiden sich die Kandidaten bei den großen Themen des Wahlkampfs kaum: Klimaschutz, mehr Wohnraum, Straßenverkehr in der Stadt. Alle sehen die Probleme, alle wollen sie beheben.

Sören Michelsburg bedauert: „Würde man mehr in die Tiefe gehen, würde man heraushören, wer die besten Ideen für Heidelberg hat“, sagt er im Gespräch nach der Veranstaltung. „Das wäre sicher Sören“, lobt Daniel Born, der Landtagsvizepräsident gegenüber unserer Zeitung seinen Parteifreund. Er sieht es als Erfolg, dass der SPD-Kandidat sich in das vermeintliche Zweierfeld aus Würzner und Bauer geschoben habe. „Er ist die Zukunftsoption für die Stadt“, lobt er den SPD-Stadtrat. Die Kandidatur der ehemaligen Wissenschaftsministerin um den OB-Posten mutet für ihn an, als sei sie für Bauer wie „ein Espresso nach dem Abendessen“. Kommunalpolitisch sei Bauer halt nicht in Erscheinung getreten.

Studierende als Zünglein an der Waage

Die Parteizugehörigkeit prägt die Sichtweise. Albrecht Schütte, der CDU-Landtagsabgeordnete aus Heidelbergs Nachbargemeinde Bammental, macht in der Universitätsstadt keinerlei Wechselstimmung aus. Die CDU unterstützt den parteilosen Amtsinhaber. Die Arbeitnehmer seien mit dem OB zufrieden. Schütte sieht die Studierenden als das Zünglein an der Waage. „Sie sind schwer einzuschätzen. Aber sie werden die Wahl entscheiden.“ Man weiß nicht, ob sie zur Wahl gehen. Wenn, dann zeigt die Erfahrung, „dass die Studierenden nach Partei wählen, und viele haben Grün gewählt“, sagt Schütte.

Heidelbergs Kulturbürgermeister Wolfgang Erichson, der die Mammutveranstaltung am Abend moderiert, ist vor allem die Wahlbeteiligung wichtig. Auch in der ewigen Konkurrenz mit der Unistadt Tübingen: „Wenn Tübingen 62 Prozent schafft, sollten wir 65 Prozent schaffen.“ Das gibt uneingeschränkten Applaus von allen Seiten.