Edgar Schwarz, Fridhild Miller und Gerhard Häuser (von links) vor der Kandidatenvorstellung in der Gemeindehalle. Foto: Gottfried Stoppel

Auch wenn er aus dem SPD-Lager traditionell ordentlich Gegenwind bekommt, gilt Gerhard Häuser bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag als der klare Favorit. Von ursprünglich drei Gegenkandidaten sind nur noch zwei übrig geblieben.

Schwaikheim - Nach Oppenweiler, Rudersberg und Winnenden steht am kommenden Sonntag im Rems-Murr-Kreis bereits die vierte Bürgermeisterwahl im noch jungen Jahr an. Der Amtsinhaber, Gerhard Häuser (54), strebt nach 24 Jahren als Schultes der 9400-Einwohner-Gemeinde seine vierte Legislaturperiode an, doch zwei Gegenkandidaten wollen ihm das streitig machen. Die Kontoristin Friedhild Miller (48) aus Sindelfingen und der langjährige örtliche Grünen-Gemeinderat und Informatiker Edgar Schwarz (58) haben ihren Hut in den Ring geworfen. Auch die 51-jährige Hausfrau Magdalene Roscher wird auf dem Stimmzettel stehen, die vierte Kandidatin hat indes ihre Wahlaktivitäten längst eingestellt.

Im Gemeinderat kracht es bisweilen gewaltig

Eigentlich spricht alles dafür, dass der neue auch der alte Bürgermeister sein wird. Gerhard Häuser hat den Bonus des Amtsinhabers und ist als Verwaltungswirt als einziger der Kandidaten „vom Fach“. Doch der Mann, der für die Freien Wähler auch im Kreistag sitzt, ist nicht unumstritten in der Kommune. Kritiker werfen ihm fehlende Transparenz bei Entscheidungen und mangelndes Fingerspitzengefühl im persönlichen Umgang vor. Im örtlichen Gemeinderat kracht es bisweilen gewaltig, vor allem mit Vertretern der SPD. Deren Fraktionsvorsitzender Alexander Bauer hat zuletzt mehrere Beschwerden wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Gemeindeordnung bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt lanciert, unter anderem wegen mangelnder Informationen.

Vollpfosten des Rems-Murr-Kreises

Obwohl die Situation für ihn nicht etwa neu ist, atmet der Ausdauersportler Häuser die Anfeindungen offenkundig nicht einfach so weg. Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der gut besuchten Schwaikheimer Gemeindehalle hat sich Häuser vehement über das „Dauerfeuer mit nicht enden wollenden Beschwerden und Anträgen“ echauffiert. „Wenn nur die Hälfte von dem zutrifft, was mir die SPD vorwirft, müssten Sie bescheuert sein, mich zu wählen“, so Häuser an die Bürger. „Herr Bauer und die Seinen“ stellten ihn dar, als wäre er „der Vollpfosten des Rems-Murr-Kreises“, so Häuser sichtlich erregt.

Fridi für Liebe, Familie und Frieden

Friedhild Miller hingegen setzt auf Harmonie. „Fridi für Liebe, Familie und Frieden“, laute ihr Slogan, so die 48-Jährige, die sich mit ihrer Bewerbung um ein Bürgermeisteramt freilich bei weitem nicht nur auf Schwaikheim konzentriert. Dort allerdings werde sie nach ihrer Wahl einen Haushalt vorlegen, bei dem alle Bürger mitentscheiden dürften, so die Frau, die sich selbst bisweilen auch als „ein bisschen durchgeknallt“ einstuft. Sie persönlich werde auf 90 Prozent ihres Bürgermeistergehalts verzichten und daraus möglicherweise eine Foundation für Hilfsbedürftige gründen, versprach sie und auch darüber hinaus neue Wege gehen.

Mehr Aufmerksamkeit für die Kläranlage

Edgar Schwarz hingegen betonte besonders, auf mehr als 30 Jahre Gemeinderatserfahrung in Schwaikheim zurückgreifen zu können, in denen er freilich „nicht immer zufrieden“ gewesen sei „was da passiert ist“. Umsteuern wolle er deshalb vor allem bei der Informationspolitik gegenüber dem Gemeinderat sowie der Öffentlichkeit. Im Gremium und in der Verwaltung wolle er das Betriebsklima verbessern, als konkrete Projekte den Bauhof modernisieren und auch der Kläranlage „mehr Aufmerksamkeit“ widmen.

Bei der anschließenden Fragerunde konnte freilich vor allem der Amtsinhaber mit Detailwissen punkten. Die vereinzelte Kritik, dass die Ortsentwicklung in vielen Bereichen nur sehr schleppend voranginge, konterte er damit, dass zurzeit ja „viele Projekte am Laufen“ seien.

Eines davon ist die Umgestaltung der „Neuen Mitte“. Das 19 Millionen Euro schwere Projekt, das schon vor mehr als zehn Jahren in Angriff genommen werden sollte, wegen Fehlern in der Ausschreibung aber neu aufgesetzt werden musste, ist freilich nicht ganz unumstritten. Insbesondere darüber, ob die Ansiedelung eines zweiten Lebensmittelmarkts sinnvoll und möglich ist, gibt es unterschiedliche Meinungen. Während Häuser und Schwarz auf ein Gutachten verwiesen, will Friedhild Miller die Sache pragmatisch angehen: „Wir müssen an die Firmen rangehen und nachfragen – ich fahr da mal hin.“

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