In der Rutesheimer Bühlhalle haben sich drei Kandidaten für das Amt des Verwaltungschefs vorgestellt. Mit unterschiedlichen Profilen kämpfen sie um Stimmen am 8. Februar.
Die Rutesheimer Bürgerinnen und Bürger haben am 8. Februar die Wahl: Mit ihrem Kreuzchen bestimmen sie, wer die kommenden acht Jahre an der Verwaltungsspitze die Geschicke der Stadt lenken wird. Alexander Fischer, Bettina Beck und Tobias Pokrop haben ihren Hut in den Ring geworfen. Sie stellten sich am Dienstagabend in der Rutesheimer Bühlhalle bei einer ersten offiziellen städtischen Veranstaltung vor. Die zweite Runde folgt an diesem Donnerstag, 29. Januar, um 19 Uhr in der Gemeindehalle Perouse.
Der Andrang war groß. Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger sind in die Bühlhalle gekommen, um sich ein Bild von den drei Bewerbern zu machen, die die Nachfolge der scheidenden Bürgermeisterin antreten wollen. Susanne Widmaier hat sich aus gesundheitlichen Gründen gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Interessierte konnten die Veranstaltung auch per Livestream verfolgen oder können sich diese zu einem späteren Zeitpunkt über einen Link auf der städtischen Homepage anschauen.
Die Mitbewerber für das Bürgermeisteramt in Rutesheim müssen in einem Nebenraum warten
Martin Killinger, der Erste Beigeordnete der Stadt, erklärte nach den Begrüßungsworten der Bürgermeisterin Susanne Widmaier die Regeln des Abends. Demnach hatten die Bewerber jeweils 20 Minuten Redezeit, anschließend weitere 20 Minuten, um Fragen der Bürgerinnen und Bürger im Saal zu beantworten. In einem dreiminütigen Schlussplädoyer erhielten die Bewerber die Gelegenheit, ihre Positionen darzulegen und persönlich zu überzeugen. Die Mitbewerber durften die jeweiligen Vorträge nicht mitverfolgen und mussten in einem Nebenraum warten. Die Reihenfolge der Auftritte orientierte sich an der Auflistung auf den Wahlzetteln.
Alexander Fischer will manche Projekte langsamer angehen
Zunächst durfte Alexander Fischer auf das Podium, der seine Bewerbung Mitte November als Erster eingereicht hatte. Der 49-jährige Vater von drei Kindern gab sich humorvoll. Immer wieder sei er in den vergangenen Wochen, in denen er sich den Rutesheimern persönlich vorstellte, gefragt worden, ob er, der keine Verwaltungserfahrung habe, kompetent sei für das Amt des Bürgermeisters. Seine Antwort: „Ich möchte Rutesheim nicht verwalten, sondern gestalten.“
Als Diplom-Betriebswirt, der zuletzt bei der Bertrandt AG Projekte für Porsche begleitete, habe er reichlich Führungserfahrung. Er könne gut zuhören und repräsentieren. Sein Credo laute: „Anpacken, zusammenhalten, vorangehen.“ Allerdings möchte er einige Projekte wie Wohn-und Gewerbeentwicklung oder Digitalisierung langsamer angehen.
In die Lebensplanung von Bettina Beck „würde auch eine zweite Amtszeit passen“
Bettina Beck trat eher sachlich auf. Die 56-Jährige konzentrierte sich bei ihrer Vorstellung auf ihre berufliche Erfahrung. Seit sieben Jahren leitet Beck (56), die in Böblingen lebt, das Dezernat für Finanzen, Bildung und Gebäudemanagement beim Landkreis Ludwigsburg. In dieser Funktion verantwortet sie ein Dezernat mit rund 280 Mitarbeitenden. Davor hat sie die Kämmerei in Leonberg geleitet. „Eine starke Wirtschaft und solide Finanzen sind Grundvoraussetzungen dafür, dass sich die Stadt weiterhin positiv entwickeln kann.“ Sie will das Nahwärmenetz weiter ausbauen und Wohnraum schaffen, die Gewerbetreibenden und den Einzelhandel unterstützen, innovative Ideen fördern, um die Stadt zu beleben. Sie setzt sich für eine bürgernahe, verlässliche und digitale Stadtverwaltung ein. Bettina Beck will „Gutes bewahren und gemeinsam weiterentwickeln“.
Kritik aus dem Publikum, sie habe spät ihre Berufung als Bürgermeisterin erkannt, kontert sie: „Ich sehe mich noch nicht am Ende meiner beruflichen Laufbahn.“ In ihre Lebensplanung würde auch eine zweite Amtszeit bestens passen.
Tobias Pokrop reagiert auf eine kritische Nachfrage aus dem Publikum
Mit Symbolik und großen Gesten versuchte der dritte Bewerber Tobias Pokrop die Anwesenden in der Bühlhalle von sich zu überzeugen. Er lud sie ein, mit seinem „Stadtschiff“ in 20 Minuten um Rutesheim, Perouse und den Heuweg zu schippern und seine Schwerpunktthemen wie die Stärkung des Ehrenamts, Senioren und Soziales, Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die Sicherung der Nahversorgung, Verkehr oder Stadtentwicklung kennenzulernen. Den amtierenden Verwaltungschef von Riederich (Kreis Reutlingen) reize es, „das Amt des Bürgermeisters noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen“.
Der 48-Jährige präsentierte sich als Familienmensch und bezog Glücksbringer seiner drei Kinder in die Rede mit ein. Eine kritische Frage zu Pokrops Wiederwahl in Riederich 2020 als alleiniger Kandidat kam aus dem Publikum: „Wie erklären Sie sich, dass ein Gegenkandidat, der nicht auf dem Wahlzettel stand, mit 38 Prozent gesetzt wurde?“ Dies begründete Pokrop mit einer coronabedingten geringen Wahlbeteiligung und mit einem kontrovers diskutierten Thema in Riederich – ein Jugendtreff sollte verlagert werden, was zu Protesten geführt habe.