Benedikt Paulowitsch und Stefan Altenberger bewerben sich um den Chefsessel im Rathaus Kernen. Foto: Hans-Dieter Wolz

Beobachtungen und Gespräche lassen auf eine hohe Wahlbeteiligung in Kernen schließen. Der Urnengang am Sonntag hat sich – wenig überraschend – auf einen Zweikampf zwischen Stefan Altenberger und Benedikt Paulowitsch zugespitzt.

Kernen - Es ist bemerkenswert: Ob nach dem Tanzkurs, ob auf der Straße, ob während der Gymnastik – es gibt in Kernen derzeit ein einziges Thema, über das gesprochen oder das in fast jedem Gespräch wenigstens gestreift wird. Das ist die am Sonntag bevorstehende Bürgermeisterwahl in Kernen. Dass sich mit Benedikt Paulowitsch ein junger Regierungsrat und studierter Politiker beworben hat und den Amtsinhaber Stefan Altenberger herausfordert, hat die Bürger ins Grübeln gebracht. Sollen das in 16 bisherigen Amtsjahren „gemeinsam Erreichte“, wie es der Amtsinhaber aufzählt, und die in einem Ausblick versprochenen Projekte den Ausschlag geben oder muss ein neues Gesicht her, ein Kandidat mit dem Motto „Zuhören, verbinden, gestalten“?

Die Bürger lassen nicht durchblicken, wen sie wählen werden

Während die beiden hauptsächlichen Protagonisten anders als zwei weitere Bewerber weiterhin im Wahlkampfmodus agieren, intensiv das Gespräch zu den Bürgern suchen, am Bahnhof, auf dem Markt, auf der Straße oder bei eigenen Veranstaltungen, sind viele Bürger auffällig zurückhaltend: Selbst im kleinen Kreis lässt selten einer durchblicken, wie er sich für den Urnengang entschieden hat.

Es überrascht nicht, dass es nach 16 Amtsjahren Bürger gibt, die einem Amtsinhaber vorwerfen, ihnen nicht genügend zugehört zu haben, ihre Interessen missachtet oder ganz allgemein in einem ihnen wichtigen Thema verkehrt gehandelt zu haben. Vermutlich nicht ohne Hinweise aus Kernen steht auch das „Zuhören“ im Slogan des Herausforderers ganz vorne. Aber auch der erfolgsverwöhnte Bürgermeister schreibt das Thema Bürgerbeteiligung verstärkt auf seine Fahnen.

Es ist unklar, ob im Ort eine Wechselstimmung zu spüren ist

Ein Zögern von manchen Bürgern ist zu spüren, sich statt dem mit vielen Bau- und Sanierungsprojekten werbenden Bürgermeister einen ihnen nur aus wenigen Begegnungen bekannten Herausforderer von außen an die Schaltstelle im Rathaus zu holen. Ist dieses Grübeln bereits Ausdruck einer Wechselstimmung, die einen Ort erfassen muss, um einen langjährigen Schultes abzuwählen? Das ist schwer zu sagen. Dem Autor dieser Zeilen ist bisher andererseits noch keiner begegnet, der deutlich gesagt hätte, dass er Benedikt Paulowitsch wählen wird und auch noch drei, vier weitere Wähler kennt. Einige solcher Statements wären aber Ausdruck eines spürbaren Aufbruchs zu einem Wechsel im Bürgermeisteramt gewesen.

Benedikt Paulowitsch, der 31-jährige Bewerber, hat andere Erfahrungen gemacht. „Von Wechselstimmung höre ich viel“, erzählt er über seine Bürgerkontakte. In allen Gemeinderatsfraktionen und in Vereinen habe er Fürsprecher gefunden. Auch Bürgermeister Stefan Altenberger hat aber viel Zuspruch erfahren: „Es wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre“, sagt er über seine Gespräche am Rand von Besuchen oder Sprechstunden. Er kann auf viele Unterstützer zählen.

Eine Prognose auf den Ausgang der Wahl kann es nicht geben

Eine Prognose auf den Ausgang der Wahl kann es deswegen nicht geben – mit einer Ausnahme. Das große Interesse der Bürger, von dem Benedikt Paulowitsch und Stefan Altenberger gleichermaßen berichten, dürfte zu einer hohen Wahlbeteiligung führen. Paulowitsch sieht gute Chancen, dass mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten ihren Stimmzettel abgeben werden. Schließlich bekunden viele Wähler, ihre Stimme schon per Briefwahl abgegeben zu haben. Eine hohe Wahlbeteiligung werde ihm nutzen, sagt Benedikt Paulowitsch voraus. Der Bürgermeister wiederum setzt seinen Amtsbonus ein, der ihn zu vielen Terminen führt: „Ich bin unterwegs bei den Bürgern wie immer. Nur etwas intensiver.“ Es bleibt spannend.

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