Freut sich über die Wiederwahl: Thomas Schäfer bleibt Bürgermeister von Hemmingen. Im Bild sind seine Frau Nicole, Tochter Lina und seine erste Stellvertreterin Ute Freitag (von rechts) zu sehen. Foto: Simon Granville

Der neue Bürgermeister ist der alte: Thomas Schäfer ist am Sonntagabend mit eindeutiger Mehrheit wiedergewählt worden. Die Feierlaune wird allerdings nur von kurzer Dauer sein.

Die Sektgläser klingen im Vorzimmer des Bürgermeisters und die Glückwünsche werden ausgesprochen, da steht das vorläufige Ergebnis noch gar nicht fest. Stört niemanden. Denn dass die dritte Amtszeit gebongt ist, das war Hemmingens Bürgermeister sowie den Anwesenden von vornherein klar – war Thomas Schäfer (CDU) doch der einzige Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag.

 

Die spannende Frage war für den 43-jährigen Rathauschef vielmehr, mit welcher Wahlbeteiligung und mit welchem Stimmenanteil die Bürgerinnen und Bürger ihn im Amt bestätigen würden. Er holte 98,7 Prozent der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 29,8 Prozent. Er hoffe auf eine Wahlbeteiligung von „30 Prozent plus x“ hatte Thomas Schäfer im Interview mit unserer Zeitung gesagt.

Thomas Schäfer wurde im Rathaus schon sehnsüchtig erwartet

Und nun? Am Sonntagabend sagte der 43-Jährige: „Demokratie ist auch, dass gewählt wird, wenn es nur einen Kandidaten gibt.“ Er freue sich, dass sich trotz der „etwas langweiligen Ausgangssituation“ die Menschen ins Wahllokal bemüht hätten. Das sei für ihn das Zeichen, dass er in den vergangenen 16 Jahren nicht alles falsch gemacht habe. Im Gegenteil: „Wir haben in der Gemeinde einiges vorangebracht.“ Gleichwohl verlange ihm der Job viel ab. „Meine Frau sagt gern, sie sei alleinerziehend“, plauderte Thomas Schäfer aus dem Nähkästchen.

Im Rathaus verfolgte der Bürgermeister Thomas Schäfer die Wahlergebnisse. Foto: Simon Granville

Kurz nach 18.30 Uhr hatte der – von den Anwesenden schon sehnsüchtig erwartete Ehrengast – mit Frau und Kind das Rathaus betreten. Er sei noch in Ludwigsburg im Forum bei einem Konzert gewesen, bei dem seine Tochter mitgesungen habe, erzählte Thomas Schäfer. Unter den Gästen im Rathaus waren neben Verwaltungsmitarbeitern auch Gemeinderäte, Amtskollegen wie Michael Makurath (parteilos, Ditzingen), Nico Lauxmann (CDU, Kornwestheim) und Albrecht Dautel (parteilos, Bönnigheim) und der Landtagsabgeordnete Konrad Epple (CDU). Auch Schäfers Vorgänger Werner Nafz kam ins Rathaus – der 32 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde lenkte. Die Hälfte habe er nun geschafft, sagte Thomas Schäfer. Und auch, Werner Nafz habe sich nie eingemischt, sondern sei ihm ein stiller Ratgeber gewesen.

Diese Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen äußern Gemeinderäte

Von Gemeinderäten war zu hören, dass sie sich über Schäfers erneute Kandidatur – und Wiederwahl – freuten. Welche Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen sie haben? „Dass die Zusammenarbeit weiter so gut sein möge wie bisher“, sagte Walter Bauer, der Fraktionschef der CDU. Sabine Waldenmaier, die Chefin der Freien Wähler, nickte. „So gut und konstruktiv.“ Dass Thomas Schäfer keine Konkurrenz hatte, überrascht die beiden nicht. „Wenn jemand so fest im Sattel sitzt, ist es nicht verwunderlich, dass es keine weiteren Kandidaten gibt“, meint Walter Bauer.

Thomas Schäfers zweite Amtszeit endet am 11. März 2026.

Die Feierlaune wird in Hemmingen allerdings nur von kurzer Dauer sein: Bereits an diesem Dienstag (18 Uhr) schnüren Bürgermeister und Gemeinderat ein üppiges Sparpaket. Im Visier ist laut der Sitzungsagenda beispielsweise die Grund- und Gewerbesteuer, die Hunde- und Vergnügungssteuer, ebenso der Hemminger Familienpass und die Nutzung der Bücherei. Die Sparliste ist lang.

Bürgermeister: „Es ist notwendig, auf die Haushaltssituation zu reagieren“

Hintergrund ist die Geldnot der Gemeinde, die für kommendes Jahr mit einem Defizit von rund zehn Millionen Euro plant. Angesichts der leeren Kasse hat Hemmingen eine Haushaltssperre verhängt. Sie gilt zunächst bis März, bis der Gemeinderat den Haushalt für 2026 absegnet. Die Kommune darf jetzt nur noch das Nötigste ausgeben. „Es ist notwendig, auf die Haushaltssituation zu reagieren“, sagte Thomas Schäfer am Sonntagabend. Ute Freitag, die erste stellvertretende Bürgermeisterin, sprach mit Blick auf die Sitzung am Dienstagabend von „übel. Wir hätten uns vor Weihnachten etwas Schöneres gewünscht“. Der Gemeinde bleibe bloß, auf bessere Rahmenbedingungen zu hoffen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Sie sei froh, so Freitag, in diesen schwierigen Zeiten mit Thomas Schäfer „Beständigkeit und jemand Kompetentes an vorderster Front zu haben“.

Bei der letzten Wahl, im Dezember 2017, hatte sich Thomas Schäfer zum Ziel gesetzt, bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 30 Prozent dann 90 Prozent der Stimmen zu holen. Letztlich lag die Wahlbeteiligung bei 40,17 Prozent, und Thomas Schäfer wurde mit 96,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Anders als diesmal hatte er vor acht Jahren mit Fridi Miller und Ulrich Raisch zwei Mitbewerber.