Mario Dittmann glänzte mit detailliertem Wissen über die Probleme Gemmrigheims, Swantje Hammer überzeugte durch Nahbarkeit. Foto: Werner Kuhnle

Beim Wahlduell der Bürgermeisterkandidaten positionierten sich Swantje Hammer und Mario Dittmann auffällig unterschiedlich. Eine Wahlkampftaktik scheint dabei besser anzukommen.

Die fast 5000 Einwohner von Gemmrigheim haben am 26. April die Wahl zwischen zwei ganz unterschiedlichen Bewerbern auf den Bürgermeisterposten. Die Marbacher Stadträtin Swantje Hammer und der Affalterbacher Hauptamtsleiter Mario Dittmann überzeugten die mehreren Hundert Zuhörer in der Wasenhalle am Freitag auf jeweils eigene Weise – wobei bei einer nicht repräsentativen Umfrage im Anschluss an die Veranstaltung Dittmanns Wahlkampfauftritt etwas mehr Zuspruch erhielt.

 

Mario Dittmann, Sohn eines Handwerkers, hat eine klassische Verwaltungskarriere durchlaufen: Ausbildung bei der Stadt Ilsfeld, Studium an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg und Hauptamtspositionen in Beilstein und Affalterbach. Genau auf diese fachliche Expertise setzte der 25-Jährige bei seiner Vorstellung.

Swantje Hammer, Mario Dittmann und der amtierende Bürgermeister Jörg Frauhammer – der sich nicht mehr zur Wahl stellt. Foto: Werner Kuhnle

Dittmann glänzte mit detailliertem Wissen über die Herausforderungen der Gemeinde Gemmrigheim und präsentierte für Themen wie Schulsanierung, Wohnungsbau, die Finanznot durch schwächelnde Gewerbesteuer sowie den Katastrophenschutz mehr oder weniger konkrete Ansätze. Besonders gut kam beim Publikum an, dass er ankündigte, die Verwaltung effizienter und digitaler aufstellen zu wollen.

Auffällig war auch seine klare Ansage, nicht nur für eine Amtszeit antreten zu wollen – ein Punkt, der im Kontext des aktuellen Bürgermeisters Jörg Frauhammer, der nach einer Amtszeit auf eine Wiederwahl verzichtet, Gewicht bekommt. Zudem platzierte Dittmann wohl bewusst am Ende seiner Rede die Information, dass er im Falle seiner Wahl von Ilsfeld nach Gemmrigheim ziehen werde. Ein Detail, das vielen Gemmrigheimern wichtig ist – und das seine Konkurrentin so nicht bieten kann.

Hammer mit ganz anderem Schwerpunkt

Swantje Hammer, 45 Jahre alt und vierfache Mutter, setzt hier einen anderen Schwerpunkt. Die Marbacherin erklärte, sie werde sich erst dann konkret mit einem Umzug beschäftigen, wenn ihre zwei jüngsten Kinder im Teenageralter das Haus verlassen haben – „ich will sie nicht aus ihrem Umfeld herausreißen“. Die Diplom-Finanzwirtin und Stadträtin legte den Fokus ihrer Vorstellung auf die Bürgernähe und die Besonderheiten der Gemeinde. Immer wieder betonte sie, wie prägend das Vereinsleben und die Lebensfreude in Gemmrigheim seien.

Hammer positionierte sich als Kandidatin des offenen Ohres und unterstrich, dass sie ihr Amt auf Augenhöhe ausführen wolle. Punkten konnte sie insbesondere mit dem Verweis auf ihr Netzwerk in der Kreis- und Landespolitik, das sie nutzen möchte, um Gehör für die Anliegen Gemmrigheims zu schaffen. Dass sie mit ihrer Familie selbst einen kleinen Wengerter betreibt, wurde bei den Zuhörern der Gemeinde zwischen Weinbergen positiv aufgenommen

In Gesprächen mit rund 20 Gemmrigheimerinnen und Gemmrigheimern zeichnete sich ein differenziertes Stimmungsbild ab – mit einer leichten Tendenz zugunsten von Dittmann. Besonders seine Strategie, Probleme klar zu benennen und einzuordnen, wurde vielfach positiv hervorgehoben. „Auch wenn Frau Hammer sympathisch rüberkam, Dittmann hat den kompetenteren Eindruck gemacht“, sagte die Rentnerin Christel. „Bei den Problemen, die auf uns zukommen, brauchen wir einen Fachmann, der den Gemeinderat führen kann und die Verwaltung effizienter macht.“

Ähnlich äußerten sich mehrere Gesprächspartner, darunter auch die berufstätigen Benjamin und Kosta. „Dittmann wirkte griffiger und näher an den relevanten Themen für die Zukunft. Klar, die Einfühlsamkeit Hammers ist auch wichtig als Bürgermeisterin, aber angesichts der finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde braucht es jemanden mit operativer Erfahrung.“

Freude über zwei hochkarätige Kandidaten

Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass auch Hammer – speziell bei Frauen – punkten konnte. So sagte die Gemmrigheimerin Janine: „Hammer kam souveräner rüber, menschlicher. Und Dittmann ist mir doch noch ein bisschen zu jung für den Posten.“

Während die Meinungen zu den Kandidaten auseinandergehen, waren sich alle Gesprächspartner in einem Punkt einig: Als Gemmrigheimer kann man froh sein, eine echte Wahl zu haben – zwischen zwei Kandidaten mit ganz unterschiedlichen Stärken.