Steffen Döttinger freut sich über das Geschenk seiner Mitarbeiter: ein EM-Trikot mit der Nummer 24. Für 24 Amtsjahre. Foto: Werner Kuhnle

Steffen Döttinger will Impulse aus dem Wahlkampf aufnehmen. Im Herbst soll eine Jugendbeteiligung starten. Herausforderer Frank Zeller will dem Amtsinhaber auf die Finger schauen.

Als Steffen Döttinger um 20.54 Uhr das Affalterbacher Rathaus betritt,bleibt er fast schon zögernd an der Eingangstüre stehen. Die Anspannung ist ihm anzusehen. So richtig freuen über den Wahlsieg kann sich der 55-Jährige noch nicht. „Ich habe ganz schön gebibbert“, sagt er und lächelt. Es ist ein verhaltenes Lachen, leiser als sonst. Kurz darauf sagt er, er sei glücklich über den Sieg. „Schließlich muss man gegen einen qualifizierten Mitbewerber auch erst einmal gewinnen.“

 

Im Foyer tummeln sich schon mehr als 100 Gäste, darunter auch viele Kollegen. Thomas Winterhalter aus Steinheim, Torsten Bartzsch aus Murr, Jan Trost aus Marbach, Klaus Warthon aus Benningen und Altbürgermeister Siegfried Menner stehen zusammen. Auch sie haben gebibbert, nachdem Döttinger und sein Herausforderer zu Beginn noch Kopf an Kopf lagen.

Applaus für Wahlbeteiligung

Doch als nach und nach die Ergebnisse eintrudeln, zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Amtsinhaber es schaffen wird – und das ohne Stichwahl. Am Ende bekommt Steffen Döttinger 54,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Herausforderer Frank Zeller kann 40,99  Prozent auf sich verbuchen. Beim Dritten im Bunde, Rainer Häußermann, sind es 4,61 Prozent.

Als Hauptamtsleiter Mario Dittmann um kurz nach 21 Uhr das Ergebnis und vor allem die Wahlbeteiligung verkündet – eine halbe Stunde früher als prognostiziert – brandet Applaus im Foyer auf, denn sie liegt bei durchaus beachtlichen 75,56 Prozent.

Bevor der Wahlsieger das Mikrofon in die Hände bekommt, übergibt Mario Dittmann ihm noch ein Geschenk der Belegschaft. Es ist – passend zur anstehenden Europameisterschaft – ein Deutschlandtrikot, personalisiert mit der Nummer 24. Sie steht für die 24 Amtsjahre, die hinter Döttinger in Affalterbach liegen. Seine vierte Amtszeit wird auch seine letzte sein. Das hatte der 55-Jährige immer wieder betont.

Eine harte Wahl sei es gewesen, resümiert Steffen Döttinger, bevor er sich bei seinen Wählern, aber auch bei seinen Konkurrenten für einen „meist fairen“ Wahlkampf bedankt. Herausforderer Frank Zeller macht er die Zusage, dass dessen Ideen vielleicht nicht in allen Nuancen umgesetzt werden, aber sicherlich nicht verloren gehen. Zeller hatte im Wahlkampf vor allem mit den Themen Bürgerbeteiligung, gerade auch mit Blick auf die jungen Menschen im Ort, sowie Klimaschutz und Nutzung von Fotovoltaik gepunktet. Im Gespräch mit unserer Zeitung versichert Döttinger, dass im Herbst eine Jugendbeteiligung in Affalterbach aufs Gleis gesetzt wird: „Ich bin gespannt, was da dann rauskommt.“

Jugendbeteiligung kommt

Und auch das Themenfeld Fotovoltaik und Klimaschutz wolle er noch mehr in den Blick nehmen, versichert der Rathauschef. Wobei die Kommune in diesem Bereich in der Vergangenheit schon vieles gemacht, aber teilweise auch schlecht kommuniziert habe. „Der Wahlkampf hat da tolle Impulse gegeben“, sagt Döttinger.

Ziel verfehlt

Der Mitbewerber Frank Zeller hat sich erst nach dem Amtsinhaber zum Rathaus aufgemacht. Die Niederlage schmerzt. Als Mario Dittmann das Ergebnis verkündet, bleiben seine Hände in der Hosentasche. Erst als das Ergebnis von Rainer Häußermann genannt wird, klatscht er mit.

Es sei sein klares Ziel gewesen, den ersten Wahlgang zu gewinnen, sagt der Diplom-Verwaltungswirt bei der Polizei. „Und natürlich bin ich unglücklich, dass das nicht geklappt hat. Auch wenn es am Anfang gut ausgesehen hat, habe ich zu meiner Frau gesagt: Wenn ich Wolfsölden und Birkhau nicht gewinne, dann wird es nichts.“ Unglücklich sei er aber auch, weil er glaube, dass es einen Unterschied mache, wenn eine neue Person an der Spitze neue Ideen umsetze, oder wenn der Amtsinhaber die Ideen des anderen umsetze. „Ich hoffe, dass er zu seinem Wort steht und werde drauf schauen“, kündigt Zeller an. „Er muss jetzt auch liefern.“

Ältere nicht erreicht?

Er habe gewusst, dass es durchaus schwer werden würde, die ältere Generation und die konservativen Kräfte in der Kommune zu erreichen, sagt Frank Zeller. „Und die habe ich vermutlich nicht so erreicht, wie ich es hätte sollen“, analysiert der Zweitplatzierte sein Ergebnis.

Der Drittplatzierte Häußermann ist mit seinem Abschneiden hingegen zufrieden. „Ich kann gut damit leben“, sagt er. Der Wahlkampf sei extrem anstrengend gewesen, aber die Erfahrung wolle er nicht missen. Anstrengend waren die vergangenen Wochen auch für Steffen Döttinger. Nach dem Zittern und Bibbern stößt der 55-Jährige am späteren Abend erleichtert mit seinen Bürgermeister-Kollegen an. Und freut sich dann noch einmal sichtlich, als um kurz nach 21.30 Uhr auch noch Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht zu einem Besuch ins Affalterbacher Rathaus hereinschneit und ihm gratuliert.