Wirtschaftsförderung, Tourismus, Liegenschaften: Helena Österle bringt zwei Jahrzehnte Rathauserfahrung mit. Jetzt will sie den nächsten Schritt machen und Bürgermeister Ekkehard Fauth beerben.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Helena Österle blickt zuversichtlich lächelnd auf das Ziel – das Aidlinger Rathaus. Nur eines von vielen Fotos auf ihrer Homepage. Sie zeugen von Besuchen in Kindergärten, bei der Feuerwehr bis hin zum Schützenverein. Sie zeigen zudem Österles Willen, nicht nur an der Bürgermeisterwahl am 29. September teilzunehmen, sondern zu gewinnen.
„Ich hatte es mir schon länger überlegt, dass ich Bürgermeisterin werden möchte“, sagt Helena Österle. Tatsächlich scheint der Lebenslauf der 46-Jährigen sehr konsequent in diese eine Richtung zu weisen. Von Wirtschaftsförderung über Tourismus bis Liegenschaften: Die Diplom-Verwaltungswirtin legt mehr als zwanzig Jahre Rathauserfahrung in die Waagschale, vielfach in leitender Funktion. Derzeit leitet sie das Calwer Liegenschaftsamt und kümmert sich als Ortsvorsteherin um die Stadtteile Stammheim und Holzbronn.
Vor der Bewerbung bekundete sie zunächst einmal nur Interesse
In Aidlingen will sie jetzt den nächsten Schritt machen. Am 9. Juli war sie die Erste, die sich bei dieser Wahl aus der Deckung wagte. Zunächst gab sie allerdings nur bekannt, dass sie eine Kandidatur erwäge. Die eigentliche Bewerbung reichte sie drei Wochen später ein. „Ich brauchte ja zehn Unterstützerunterschriften“, erklärt sie, warum sie diesen ungewöhnlichen Weg gewählt hatte. Diese zehn Unterschriften musste sie sich erst erarbeiten. Schließlich kannte die Nagolderin praktisch niemanden in Aidlingen – und niemand kannte sie.
Das sollte sich schon bald ändern: Österle ließ sich von Bürgermeister Ekkehard Fauth beschreiben, was die 13 drängendsten Themen in Aidlingen sind – darunter die hohen Abwassergebühren, die Unterbringung von Geflüchteten, der umstrittene Kindergartenneubau in Dachtel, die Ortskernsanierung, Ganztagesbetreuung in Grundschulen und die medizinische Versorgung. Dann sprach sie mit den Gemeinderatsfraktionen. „Ich wurde sehr positiv aufgenommen“, berichtet sie. Insbesondere ihr Verwaltungshintergrund und ihr Fachwissen im Bereich Liegenschaften sei auf positives Feedback gestoßen.
Seitdem hat sie zahlreiche Gespräche geführt, Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen besucht, Feriengrußgarten mit Familienfoto auf dem Venusberg verteilt und Unterlagen gewälzt. Im Gegensatz zu ihrem Aidlinger Mitbewerber Marc Weidel, dessen Plakate im Ort seit Mitte Juli allgegenwärtig scheinen, hatte Österle bisher ganz bewusst eher zurückhaltend für sich geworben. „An Plakaten sieht man sich irgendwann satt“, findet sie.
Für die nun kommende heiße Phase im September hat sie sich Urlaub genommen und will sich voll und ganz auf den Wahlkampf konzentrieren. „Die Bürger mitnehmen“ und „Aidlingen aktiv gestalten“ formuliert sie dabei als einige ihrer Leitsätze. „Ich bin eher so ein Macher-Typ“, beschreibt sie sich selbst. „Themen durchbringen, die dann auch funktionieren“ – das seien für sie Erfolgserlebnisse.
Man hört ihr an, dass sie sich in viele Themen bereits intensiv eingearbeitet hat. Häufig klingt dabei ihre Expertise in Sachen Liegenschaften und Innerortsentwicklung an. Zwar seien die Gewerbeflächen in Aidlingen bereits ziemlich ausgereizt, aber dafür wolle sie auf Wohnbau setzen. „Das bedeutet mehr Anwohner, was sich wiederum positiv auf die Einnahmen auswirkt“, führt sie aus. Besonders am Herzen liegen ihr auch Themen wie die Ortskernsanierung oder das geplante medizinische Versorgungszentrum. Für das Ärztehaus brauche es mit Blick auf Aidlingens klamme Finanzlage allerdings zwingend einen Investor. „Das wird kein Spaziergang“, vermutet sie – zumal das Bauvorhaben ein Fragezeichen vor die Zukunft der Ortsbücherei setzt.
Helena Österle sieht in der Gemeinde aber auch viel Verbesserungspotenzial: Die Bürgerkommunikation und die Digitalisierung der Verwaltung stehen ganz oben auf ihrer Liste. „Für die Menschen erreichbar zu sein, ist das A und O“, formuliert sie eine Erkenntnis aus ihren beruflichen Stationen.
Ihre Berufserfahrung hört man auch heraus, wenn es darum geht, wie sie Gastronomie und Tourismus im Ort ankurbeln möchte. „Man könnte überlegen, ob man ein Hotel hierher bekommen kann“, stellt sie sich vor, wie vielleicht einmal Mercedes-Benz hier in der „Perle des Heckengäus“ Tagungen abhalte könnte. Im Kampf gegen Leerstände und Unternehmensabgänge sieht sie Nagold als Vorbild, wo man es nach der Landesgartenschau geschafft habe, die Stadt für Geschäfte und Gastronomie attraktiv zu halten.
Ein Umzug nach Aidlingen ist vorerst nicht geplant
Apropos Nagold: Würde sie ihren Wohnort aufgeben und nach Aidlingen ziehen? „Diese Frage wurde mir schon öfter gestellt“, sagt sie und verweist dann auf das Nagolder Eigenheim, in dem sie mit ihrer Familie seit elf Jahren lebe sowie auf die beruflichen und schulischen Bindungen. Sie tendiere eher zu einer kleinen Mietwohnung im Ort. Klar sei, dass sie bei Gemeinderatssitzungen oder anderen Terminen selbstverständlich im Ort bleiben werde, betont sie. „Manchmal ist ein bisschen Abstand auch gar nicht so schlecht“, findet sie, weil man dann nicht Gefahr laufe, sich vereinnahmen zu lassen.
Bürgermeisterwahl in Aidlingen
Termine
Am 30. November endet die dritte Amtszeit von Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth. Bei der Wahl am 29. September soll sich entscheiden, wer seine Nachfolge antritt. Die Kandidaten stellen sich am Samstag, 7. September, ab 10 Uhr beim Aidlinger Heckengäutag erstmals einem größren Publikum vor. Bereits am Freitag, 6. September, lädt der Handels- und Gewerbeverein ab 18.30 Uhr zu einem Austausch mit den Kandidierenden in der Alten Schule in Lehenweiler und am Freitag, 13. September, findet um 19 Uhr die offizielle Kandidatenvorstellung in der Sonnenberghalle statt.
Persönliches
Helena Österle ist seit April 2022 Leiterin der Abteilung Liegenschaften bei der Stadt Calw, außerdem ist sie die hauptamtliche Ortsvorsteherin der Stadtteile Stammheim und Holzbronn. Die 46-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder (Jahrgänge 2004 und 2008). Die Diplom-Verwaltungswirtin war von 2002 bis 2022 bei der Stadt Nagold in teils leitender Funktion in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Tourismus, Kultur und Liegenschaften tätig. Parallel dazu machte sie nebenberuflich ihren Master of Arts in Public Management an der Hochschule Kehl. Vor ihrem Wechsel nach Calw war sie Nagolds Wirtschaftsbeauftragte. Seit 2021 gehört Österle der CDU an.