Susanne Jakob ist die 13. (Ober-)Bürgermeisterin in der Region Stuttgart Foto: Peter Petsch

28 Jahre jung und weiblich: Damit erfüllt Susanne Jakob nicht das Klischee vom schwäbischen Bürgermeister. Dennoch ist sie in Holzmaden (Kreis Esslingen) jetzt auf Anhieb gegen vier Konkurrenten gewählt worden. Auf den Wahlkampf hatte sie sich eigentlich schon seit dem Studium vorbereitet.

Holzmaden - Mit ihrem strahlenden Lächeln und den hellblonden Haaren wirkt Susanne Jakob auf den ersten Blick tatsächlich nicht wie eine beinharte Verwaltungsfrau – aber sie ist eine. Verwaltungswissenschaften hat sie studiert, ihre Diplom-Arbeit über Affären, Intrigen und Skandale verfasst, „Kommunikation in Krisenzeiten“. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen im Bürgermeistersessel in Holzmaden, den sie zum 1. April einnimmt.

Susanne Jakob ist dann die 13. Frau an der Spitze einer kommunalen Verwaltung in der Region – und eine der Jüngsten. Wahrscheinlich aber auch eine der Zielstrebigsten. Mit 16 absolvierte sie ihr erstes Schülerpraktikum im Ministerium bei Annette Schavan, mit 21 trat sie in die CDU ein. „Im Studium habe ich mich besonders für Bürgermeisterwahlen interessiert.“ Dann schnupperte sie Landespolitik beim CDU-Landesverband in Hamburg und studierte für ihre Diplom-Arbeit akribisch die Wahlkampfauftritte von Bürgermeisteranwärtern. „Aber wenn man dann selbst einen Wahlkampf führt, ist es doch anders“, sagt Jakob und schmunzelt: „Wie beim Fußball, wenn man nur von außen sieht, was die andern falsch machen. . . “

Den größten Fehler – so jedenfalls behaupten Wahlkampfstrategen – habe sie schon mit ihrer frühen Bewerbung gemacht. Susanne Jakob sieht das völlig anders. „Wenn ich mich entschieden habe, zu kandieren, warum soll ich das nicht sagen?“ Wenn die Strategen behaupten, frühe Bewerber seien länger angreifbar, dann kontert sie: „Als erste Bewerberin bin ich überall die Erste. Bei der offizielle Vorstellung und auf der Liste. Und ich setze die Themen, die andern müssen nachtziehen.“

Ihr Wahlerfolg hat ihr Recht gegeben. Vor allem aber noch in einem weitere Punkt: „Am wichtigsten ist es, echt und authentisch zu sein.“ Das beherzige sie immer. „Man steht als Frau auch unter ganz besonderer Beobachtung“, stellt die designierte Bürgermeisterin fest. „Vor allem Frauen gucken bei einer jungen Frau aufs Äußere,“ hat sie festgestellt. Besonders darauf, wie sie ihr Haar trage, sei sie angesprochen worden.

Holzmaden hat sie sich nicht nur ausgesucht, weil es gleich ums Eck liegt. Bisher ist Jakob Ortsvorsteherin im Kirchheimer Stadtteil Nabern. „Ich mag die kleinen Gemeinden, die Nestwärme. Die Leute kriegen von kleinen Orten viel mehr zurück, sind schon in der Grundschule in einen Verein eingebunden und bis ins hohe Alter Teil der Gemeinschaft.“ Als positive Aspekte wertet sie auch, dass Holzmaden schuldenfrei ist und über das Museum weithin bekannt ist. Doch wie lange wird sie dort bleiben, bis der Ehrgeiz aufsteigt? „Mit heute 28 Jahren werde ich noch rund 40 Jahre arbeiten, ob davon alle in Holzmaden, weiß ich wirklich nicht.“

Fragen wie „trauen Sie sich das denn zu?“ oder „was wird, wenn Sie Kinder bekommen?“, hat Susanne Jakob auch gehört – aber nur aus der Bevölkerung, nicht aus dem Gemeinderat. Dass insgesamt das Interesse am Bürgermeisteramt zurückgeht und viele Gemeinden händeringend Bewerber suchen, kann sie auch verstehen: „Es ist eben ein Fulltime-Job, der morgens beim Brötchenholen anfängt.“ Man stehe in der Öffentlichkeit, auch oder besonders, wenn es einem privat einmal schlecht gehe.

Dass Holzmaden seine neue Verwaltungschefin einmal an die Wirtschaft verlieren könnte, scheint unwahrscheinlich: „Da wäre ich völlig unbrauchbar“, sagt Jakob lachend und ohne Umschweife. „Bei mir geht es nicht um Gewinnmaximierung, sondern um die Maximierung des Allgemeinwohls.“

So hat das vor 34 Jahren wohl auch Hans Heinzmann gesehen. Inzwischen ist er dennoch Geschäftsführer der Baugenossenschaft Böblingen. Damals aber wurde er gegen vier Mitbewerber völlig überraschend in Ehningen (Kreis Böblingen) zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt – mit 25 Jahren. „Ja, damals wurden meistens gestandene Fachleute im Alter zwischen 40 und 50 in das Amt gewählt“, erinnert er sich. Und tatsächlich hätten ihm Einzelne im Gemeinderat anfangs das Leben schwer gemacht und ihn auf die Probe gestellt, ob er Angriffen stand hält. Doch seinen heftigsten Widersacher schätzte er später als „konstruktiven Kritiker“. Heinzmann kehrte der Gemeinde erst nach 24 Jahren den Rücken.

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