Seit Anfang Dezember hat die neue Renninger Bürgermeisterin Melanie Hettmer viele lange Abende in ihrem Büro verbracht. Foto: Simon Granville

Melanie Hettmer leitet seit einem Monat die Amtsgeschäfte im Renninger Rathaus. Die neue Bürgermeisterin hat die Feuertaufe im Gemeinderat überstanden – und ist im Amt angekommen. Sie hat nicht nur ein Pfund, mit dem sie wuchern kann und will.

Die Abende im Renninger Rathaus sind derzeit lang für Melanie Hettmer. Seit Anfang Dezember im Amt, muss sich die neue Bürgermeisterin der Rankbachstadt während des laufenden Tagesgeschäfts in viele neue Themen einarbeiten. Doch lange Arbeitstage sind für die 47-Jährige nichts Neues: „Ob zuletzt im Kultusministerium oder auch in den Verwaltungen in Sindelfingen und Ludwigsburg: Ich habe immer viel und lange gearbeitet und bin das eigentlich gar nicht anders gewohnt“, betont Hettmer schmunzelnd.

 

Auch zwischen den Jahren blieb das Licht im Büro der Bürgermeisterin bis in die späten Abendstunden eingeschaltet. Nach den Weihnachtsfeiertagen, die Melanie Hettmer im Kreis der Familie verbracht hat, ging es direkt zurück an den Schreibtisch im Rathaus. Denn sie weiß: „Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bietet sich gut an, um sich vertiefter und mit weniger Ablenkungen den Dokumenten widmen zu können. Auch das habe ich schon immer gerne so gemacht.“

Feuertaufe bestanden

Das Amt als Bürgermeisterin erlebt sie bislang „so, wie ich es mir vorgestellt habe“, berichtet Hettmer. Neben einem tollen Team im Rathaus, das sie sehr herzlich aufgenommen habe, könne sie in Sachfragen vor allem auf die Expertise des langjährigen Ersten Beigeordneten Peter Müller zählen.

In einer intensiven Gemeinderatssitzung vor den Weihnachtsferien hat Melanie Hettmer ihre Feuertaufe sozusagen bestanden. Den dort vorgebrachten Haushaltsplan haben zwar Peter Müller und sein Team erstellt, da die Hauptarbeit hierfür vor ihrem Amtsbeginn zu erledigen gewesen ist. „Es ist aber trotzdem mein Anspruch, dass ich thematisch da schon genauso drin und genauso sprachfähig bin“, schildert Hettmer. „Das Einarbeiten in den umfangreichen Entwurf war sehr zeitintensiv. Ich musste da die eine oder andere Nachtschicht einlegen.“ Schließlich galt es für die neue Bürgermeisterin eine Haushaltsrede zu halten, bei der es trotz Themenvielfalt wichtig war, die Uhr im Blick zu behalten. Denn es sei wichtig, „auf den Punkt zu kommen“. Dass Gemeinderatssitzungen nicht die 22-Uhr-Marke überschreiten sollen, war außerdem in der Amtszeit von Vorgänger Wolfgang Faißt ein ungeschriebenes Gesetz. „Es ist uns auch gelungen, vor 22 Uhr fertig zu werden. Wobei wir ja schon eine Stunde früher, um 18 Uhr, angefangen haben“, wendet Hettmer lachend ein.

Klima des Vertrauens

Gut und konstruktiv hat das neue Stadtoberhaupt die Arbeit im Gemeinderat bislang erlebt. „Aus anderen Kommunen und Städten kenne ich das auch anders“, weiß die neue Bürgermeisterin das gute Miteinander des Gremiums zu schätzen. Da parteipolitische Interessen nicht im Vordergrund stünden, verliere man die eigentlichen Themen nicht aus dem Fokus. Dass in Renningen vieles, wie beispielsweise die Kinderbetreuung, so gut organisiert ist, sei auch Verdienst des Gemeinderats. „Es herrscht ein tolles Vertrauensverhältnis im Gremium“, schildert Hettmer, nachdem sie ihre erste Sitzung geleitet hat. Natürlich werde in der Sache oft engagiert diskutiert, aber dabei auch nie vergessen, dass man sich um einen Konsens bemüht.

„Ich habe wahrlich keinen Scherbenhaufen übernommen“, sagt Hettmer über die gute Arbeit, die in der Verwaltung geleistet wird. Leider werde das in der Öffentlichkeit manchmal gar nicht so wahrgenommen. Von Außen erscheine vieles anders, als es tatsächlich im Inneren der Verwaltung abläuft. Im Wahlkampf habe sie sich mit Versprechungen auch deshalb zurückgehalten, weil es wichtig sei, erst mal den Blick hinter die Kulissen zu werfen und Abläufe zu verstehen, bevor man vorschnell urteilt.

„Wenn Sachen nicht gut laufen, schauen wir uns die selbstverständlich an und ändern dann auch etwas“, betont Hettmer. „Es ist mir aber wichtig, mich vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stellen, die tagtäglich eine ungemein wichtige Arbeit leisten.“ So gut sich die Sozialen Medien auch eigneten, um Transparenz zu schaffen, so ärgerlich sei es, wenn einzelne, aber laute Stimmen die Arbeit der Verwaltung – oft auch aus Unkenntnis - schlechtreden.

Klimathemen und Jugend

Direkt in ihrer ersten Woche im Amt hat Melanie Hettmer den Lenkungskreis Klima wieder ins Leben gerufen. In diesem Gremium, das sich aus Mitgliedern der Verwaltung, Vertretern aus Gemeinde- und Jugendgemeinderat und dem AK Klima zusammensetzt, wurde einst das Klimaschutzkonzept erarbeitet. Nun sollen Klimafragen hier wieder regelmäßig vertieft besprochen werden. Auch externe Experten werde man gelegentlich einladen. „Mir ist wichtig, dass wir da jetzt ins Tun kommen“, betont Hettmer.

Wichtig ist ihr auch die Jugend. Daher hat sie sich trotz vollen Terminplans im Februar ein Zeitfenster freigehalten, um dann mit dem Jugendgemeinderat an einer zweitägigen Klausurtagung teilzunehmen: „Dass Jugendliche an demokratischen Prozessen teilhaben und ihre Lebenswelt mitgestalten können, ist mir ein großes Anliegen.“