Die Bürgermeister-Wahl in Rutesheim geht in die zweite Runde. Am 22. Februar steht die Stichwahl an. Wie beurteilen die beiden Kandidaten und ihre Unterstützer die Ausgangslage?
Unabhängig davon, wer die Bürgermeisterwahl in Rutesheim im ersten Wahlgang gewonnen hätte. Der Tenor am Sonntagabend im Sitzungssaal des Rathauses – etwa 100 Menschen waren anwesend - war eindeutig herauszuhören: Über eine definitive Entscheidung hätten sich so gut wie alle gefreut.
Doch weil es diese nicht gab, wird am 22. Februar eine Stichwahl folgen. „Für meine Mitarbeiter im Rathaus wird das ein sportliches Programm, zumal am 8. März auch noch die Landtagswahl folgt“, sagte der Erste Beigeordnete Martin Killinger.
Als am Sonntag kurz nach 18 Uhr die ersten Wahlbezirke ausgezählt waren, lag Tobias Pokrop schon deutlich vorne. Am Ende hat der amtierende Bürgermeister von Riederich im Kreis Reutlingen dann auch mit exakt 49 Prozent die meisten Stimmen geholt. Doch um die Nachfolge von Susanne Widmaier antreten zu können, hätte er die absolute Mehrheit, also mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, erreichen müssen.
Bettina Beck, die jetzige Finanzdezernentin des Kreises Ludwigsburg und frühere Kämmerei-Chefin von Leonberg, zog mit 30,8 Prozent der Stimmen in die Stichwahl gegen Pokrop ein. Alexander Fischer, der als Quereinsteiger durch seine unkonventionelle Art frischen Wind in den Wahlkampf gebracht hatte, kam auf beachtliche 19,9 Prozent der Stimmen.
Das Wahlergebnis im schnellen Überblick:
- Tobias Pokrop: 49,0 Prozent
- Bettina Beck: 30,8 Prozent
- Alexander Fischer: 19,9 Prozent
- Die Wahlbeteiligung betrug 58,3 Prozent.
Für Tobias Pokrop und Bettina Beck geht es damit also in die Verlängerung bis zur Stichwahl am 22. Februar. „Geben Sie nochmal alles, die 14 Tage gehen auch vorbei“, machte Susanne Widmaier, die amtierende Bürgermeisterin und Wahlvorsitzende, den beiden Kandidaten Mut.
Wolfgang Diehm war letztendlich froh, dass es einen zweiten Wahlgang geben wird. Seine Fraktion, die Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), hatte Bettina Beck offiziell im Wahlkampf unterstützt. „Für sie wird es jetzt natürlich schwer“, sagte der BWV-Fraktionsvorsitzende. Für unwahrscheinlich hält es Harald Schaber, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger Rutesheim (UBR), dass Bettina Beck im zweiten Wahlgang noch aufholen kann. Seine Partei hatte ebenfalls die Kandidatin unterstützt. Er gehe jetzt davon aus, dass Tobias Pokrop gewinnen werde. „Das wäre in Ordnung, uns ist das Klima im Rathaus wichtig, dass es weiterhin gut ist, und wenn Herr Pokrop gewinnt, wollen wir gut mit ihm zusammenarbeiten.“
Bürgermeister-Wahl in Rutesheim: So fallen die Reaktionen der Unterstützer aus
Die CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Almert – ihre Partei hatte Tobias Pokrop unterstützt - lobte den fairen Wahlkampf. „Ich hätte mit einem knapperen Ergebnis an der Spitze gerechnet und finde die fast 20 Prozent von Herrn Fischer beachtlich. Es ist eine demokratische Wahl und wir werden mit dem Sieger zusammenarbeiten, egal wer gewinnt.“
Auch die WIR-Gruppierung (Wir in Rutesheim) steht auf der Seite von Tobias Pokrop. „Es wäre schön gewesen, wenn es im ersten Anlauf geklappt hätte, ich bin aber optimistisch, dass er am 22. Februar gewinnt“, sagte der Vorsitzende Tobias Peter. Etwas Sorge bereite ihm der Zeitpunkt der Wahl. „Es werden einige im Skiurlaub sein, deshalb hoffe ich, dass in diesen Fällen die Möglichkeit der Briefwahl in Anspruch genommen wird.“
Bürgermeister-Wahl in Rutesheim: Bettina Beck gibt nicht klein bei gegen Tobias Pokrop
Die Klarheit des Ergebnisses im ersten Wahlgang hat den Grünen-Chef Fritz Schlicher überrascht. „Ich habe ein Kopf-an-Kopf-Rennen gesehen.“ Seine Fraktion hat bewusst keinen Kandidaten offiziell unterstützt, um Neutralität zu wahren. Genauso ist die SPD-Fraktion verfahren. „Wir hatten einen tollen Wahlkampf mit drei Kandidaten, die sich stark in der Persönlichkeit unterscheiden“, sagte Tommy Scheeff. Chancen für Bettina Beck sieht er nur noch, wenn sie alle bisherigen Wähler von Alexander Fischer für sich gewinnen kann. „Beide Kandidaten müssen jetzt dran bleiben und auch diejenigen aufrütteln, die schon gewählt haben.“
Und was sagen die beiden Kandidaten? „Die Dynamik ist auf meiner Seite. Alles ist noch offen“, gibt sich Bettina Beck kämpferisch. Für Tobias Pokrop ist es nicht der erste Wahlkampf: „Da sind meine Erfahrungen wertvoll, jetzt werde ich schauen, wie ich die nächsten zwei Wochen gestalte.“