Zwölf Jahre lang war Reinhard Molt Technischer Beigeordneter in Remshalden, jetzt ist er der Rathauschef. Foto: Gottfried Stoppel

Am Dienstagabend ist Reinhard Molt offiziell als Bürgermeister von Remshalden ins Amt eingesetzt worden. Die Rahmenbedingungen für einen guten Start könnten schlechter sein – der ehemalige Baubürgermeister von Filderstadt kennt die Gemeinde gut aus seiner Zeit als Technischer Beigeordnete.

Remshalden - Reinhard Molt hat sich bewusst dafür entschieden, seine Bewerbung für das Amt des Bürgermeisters in Remshalden abzugeben. Er war glücklich über den klaren Sieg bei der Wahl am 6. Mai. Und trotzdem verlässt der 54-Jährige sein bisheriges Amt als Baubürgermeister von Filderstadt mit einem weinenden Auge. „Ich habe mich dort wohlgefühlt. Ich hatte eine tolle Mannschaft und tolle Themen“, sagt Reinhard Molt, der vergangene Woche noch einen Betriebsausflug dazu genutzt hat, um sich von vielen seiner Mitarbeiter und Kollegen zu verabschieden.

Größere Themenvielfalt, weniger Gehalt

Warum es ihn trotz seiner guten Erfahrungen in Filderstadt nach Remshalden gezogen hat? Finanzielle Gründe sicher nicht – Reinhard Molt wird als Bürgermeister von Remshalden weniger verdienen als vorher. „Aber das Gehalt war auch nicht meine Motivation. Ich freue mich, der Verwaltung vorzustehen, eine Stimme im Gemeinderat zu haben, Repräsentant nach außen zu sein“, erzählt Molt, den auch die größere Themenvielfalt reizt.

Das Einarbeiten in die Remshaldener Gegebenheiten dürfte ihm leicht fallen: Auch Filderstadt besteht aus fünf Teilorten. Und schließlich war Reinhard Molt vor seiner Zeit auf den Fildern zwölf Jahre lang Technischer Beigeordneter in Remshalden. „Es gibt noch bekannte Gesichter im Rathaus, trotzdem muss die Chemie neu entstehen“, sagt Molt. Auch in den umliegenden Kommunen oder im Landratsamt gab es seit seinem Weggang vor sechs Jahren einige personelle Veränderungen. „Deswegen bin ich froh, dass ich so kurz vor der Sommerpause anfange. Diese möchte ich nutzen, um auf Vereine, aber auch Nachbarbürgermeister zuzugehen“, erzählt Reinhard Molt.

Projekte wie Kindergartenausbau fortsetzen

Vorgefunden hat er in Remshalden nicht nur alte Bekannte, sondern auch eine Gemeinde, die sich positiv entwickelt hat. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Bürgerschaft wohlfühlt.“ Trotzdem gibt es für den verheirateten Vater von zwei erwachsenen Kindern einiges zu tun. Auf der Agenda stehen Projekte, die bereits unter seinem Vorgänger Stefan Breiter angeschoben wurden: Kindergärten müssen gebaut, die Fläche der ehemaligen Realschule entwickelt, die „Neue Mitte“ vorangetrieben werden.

Darüber hinaus hat Reinhard Molt auch noch andere Schwerpunkte im Kopf, die ihm wichtig sind. Das Thema Flüchtlinge zum Beispiel, mit dem er in Filderstadt zunächst über die Unterbringung in Berührung gekommen ist. „Ich habe gemerkt, dass unser demokratisches System an dieser Stelle eine offene Flanke hat. Wir müssen aufpassen, dass das nicht von anderen Kräften genutzt wird“, erzählt Molt. Aus kommunaler Sicht sei es wichtig, an der Integration dranzubleiben, „auch wenn diese ungleich schwieriger ist als nach dem Zweiten Weltkrieg, da die Vertriebenen aus dem eigenen Kulturkreis kamen.“ Remshalden sei gut aufgestellt, aber es sei wichtig, die Ehrenamtlichen bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu unterstützen.

Größerer Hochwasserschutz als mittelfristiges Ziel

Als Bürger von Lorch hat er vor kurzem am eigenen Leib erlebt, was ein Starkregen in wenigen Minuten anrichten kann. „Der Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema. Auch in Remshalden gibt es zum Beispiel den Lochbach, der teilweise verdolt ist und ein enges Bachbett hat. Da müssen wir mittel- und langfristig Rückhalteräume schaffen.“ Ansonsten möchte er leerstehende Gewerbeflächen beleben, aber auch Baulücken ausfindig machen. „Wir müssen es schaffen, die eigene Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen. Damit es andere Lösungen gibt, als wegzuziehen.“

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