Sascha Reber arbeitet künftig im Landratsamt in Waiblingen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Schultes von Oppenweiler, Sascha Reber, scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt und arbeitet künftig beim Landratsamt in Waiblingen. Die Bürgermeisterwahl wird wohl im Januar stattfinden.

Oppenweiler - Sascha Reber, der bis dato krank geschriebene Bürgermeister von Oppenweiler, wird nicht ins Rathaus zurückkehren. Reber scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt. Das hat sein Stellvertreter, der Landtagsabgeordnete Wilfried Klenk, jetzt erklärt. Der Noch-Schultes wird am 23. Oktober eine neue Stelle im Landratsamt antreten, beim Amt für besondere Hilfen und Flüchtlinge.

Klenk geht davon aus, dass der neue Bürgermeister von Oppenweiler frühestens im Januar kommenden Jahres gewählt wird. Bis dieser sein Amt antrete, werde es aber sicherlich März werden. Bis dahin wird Klenk weiter die Geschicke der Murrtal-Gemeinde mit ihren rund 4200 Einwohnern lenken. Viele Kommunalpolitiker sagen, Klenk und die Gemeinderäte in Oppenweiler hätten die Monate ohne Bürgermeister gut gemeistert.

„Ich hatte ein Burn-out“

Reber hatte im Januar und Februar dieses Jahres für Wirbel gesorgt. Er hatte sich auf Facebook als Kämpfer gegen die AfD präsentiert und zu einer großen Anti-AfD-Veranstaltung in Oppenweiler eingeladen, die dann aber gar nicht stattfand (wir berichteten). Wenig später war der Bürgermeister in eine Stuttgarter Klinik eingeliefert worden. Er selbst hatte damals angegeben, sich gegen seinen Willen im Krankenhaus zu befinden. Der Grund für den Klinikaufenthalt, hieß es damals, sei Rebers „auffälliges Auftreten“ in der Öffentlichkeit“, das immer größere Ausmaße annehme. Beobachter spekulierten über eine psychische Erkrankung des 37 Jahre alten Rathauschefs, was dieser damals aber bestritt.

Reber, der 2014 zum Bürgermeister von Oppenweiler gewählt wurde, hatte sich bereits in der Vergangenheit ärztlich behandeln lassen müssen. Im Sommer 2015 hatte der Bürgermeister dann in einem langen Interview mit dieser Zeitung offen über seinen rund halbjährigen Ausfall nach seiner Wahl gesprochen. Er habe massive Schlafprobleme gehabt und keine Ruhe mehr gefunden, so der Schultes damals. Wie aus heiterem Himmel sei die Krankheit gekommen. „Ohne professionelle Hilfe kommt man da nicht heraus“, so Reber weiter. „Ich hatte ein Burn-out.“

In dem Zeitungsinterview vor gut zwei Jahren erklärte Reber weiter: Unmittelbar nach der Diagnose sei er zu schwach gewesen. Er habe zwar gewusst, dass es Gerüchte in der Kommune gebe. „Ich war aber nicht in der Lage aufzutreten und mich zu erklären, zu sagen: Ich bin psychisch krank. Ich musste die Krankheit erst annehmen.“

Perspektive zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben

In diesem Winter dürfte es ähnlich gewesen sein. Der Landrat erklärte im Februar, er habe nicht den Eindruck, „zu Reber durchzudringen“. Seither, sagt Richard Sigel jetzt auf Anfrage, habe er viele Gespräche mit Sascha Reber geführt. Den jetzt gefundenen Kompromiss bezeichnet der Kreischef als „richtig guten Weg“. Es sei kaum möglich, einen gewählten Bürgermeister gegen dessen Willen aus dem Amt zu bekommen. Der neue Posten beim Landratsamt gebe Reber eine Perspektive zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben.

Sascha Reber sagt auf telefonische Anfrage, dass er sehr zufrieden sei mit der jetzt gefundenen Lösung. „Eine Rückkehr auf die alte Stelle ist nicht möglich.“ Er werde zunächst im Rahmen seiner beruflichen Wiedereingliederung drei Stunden täglich arbeiten. Mittelfristig strebe er eine Vier-Tage-Woche an. Reber braucht ganz offenkundig mehr Zeit für sich – als Bürgermeister wäre er vermutlich überfordert. „Ich will doch gesund bleiben und keine weiteren Rückfälle erleiden“, sagt Reber. Er und seine Familie mit den drei kleinen Töchtern würden in Oppenweiler wohnen bleiben, denn „wir fühlen uns wohl“ in dem Ort.

Respekt – Martin Tschepe kommentiert

Das Resultat dieser monatelangen Gespräche ist eine wahre Meisterleistung der Kommunalpolitiker. Eine Meisterleistung der Damen und Herren Gemeinderäte in Oppenweiler, des stellvertretenden Bürgermeistes und des Landrats. Kaum jemand hätte Anfang dieses Jahres erwartet, dass der Bürgermeister von Oppenweiler, Sascha Reber, tatsächlich freiwillig aus dem Amt scheidet. Er ist beziehungsweise war schwer angeschlagen – was der Familienvater in der akuten Erkrankungsphase vor gut einem halben Jahr aber nicht so sehen konnte. Respekt vor dieser Entscheidung, Herr Reber.

Respekt aber auch vor der Art und Weise, wie die Kommunalpolitiker in Oppenweiler und in Waiblingen agiert haben. Alle zeigen viel Fingerspitzengefühl. Andernorts tut sich die Kommunalaufsicht oft unendlich schwer, wenn ein Bürgermeister ganz offenkundig nicht mehr kann, aber sein Amt nicht freiwillig aufgibt.

Sascha Reber will auch künftig mit seiner Familie in Oppenweiler wohnen. Er sagt, in dem Ort fühle er sich wohl. Auch das ist eine mutige Entscheidung.

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