Sascha Reber (beim Amtsantritt 2014) will seine Bürgermeisterkollegen gegen die AfD mobilisieren. Foto: Stoppel/dpa

Bürgermeister Sascha Reber ruft seine Kollegen dazu auf, gemeinsam gegen die AfD vorzugehen. Er ärgert sich vor allem über das Verhalten von AfD-Landtagsfraktionschef Jörg Meuthen, der sich offenbar nie in seinem Wahlkreis Backnang blicken lässt.

Oppenweiler - Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ist am Mittwoch durch den Rems-Murr-Kreis gereist, zusammen mit etlichen Kreistags- und Landtagsabgeordneten. Jörg Meuthen, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag und in diesen als Kandidat des Wahlkreises Backnang eingezogen, war nicht dabei. „Es ärgert mich, dass Herr Meuthen wiederholt Einladungen nicht wahrnimmt. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als dies als Desinteresse an den Kommunen und den Menschen in seinem Wahlkreis zu deuten“, schreibt Sascha Reber, parteiloser Bürgermeister von Oppenweiler. Er sei viel im Wahlkreis Backnang unterwegs, habe ihn aber niemals gesehen oder politisch wahrgenommen.

Die aktuelle Nichtteilnahme an einer Visite im Kreis nimmt Reber nun zum Anlass, um seine landesweit geplante Kampagne „Bürgermeister gegen die AfD“ zu starten. Über eine Teilnahme von Amtskollegen würde er sich freuen, schreibt er in einer Mail. Sie sollten den Menschen jeweils ihren eigenen persönlichen Eindruck von den gewählten Vertretern der AfD erklären. Letztendlich denke er dabei an die Bundestagswahl 2017: „Wir in Deutschland haben Besseres verdient, als die postfaktischen Argumente der Rechtspopulisten der AfD. Liebe Bürgermeister, geben wir Vollgas für unsere Freiheit und Demokratie“, schreibt er weiter.

„Der Professor aus Karlsruhe hat keine Ahnung von unserem Wahlkreis“

Welchen persönlichen Eindruck er selbst vom Landtagsabgeordneten Meuthen hat, damit hält Sascha Reber nicht hinter dem Berg: „Mit Verlaub, dieser Professor aus Karlsruhe hat doch keine Ahnung von den Bedürfnissen und Interessen seines Wahlvolkes in unserem Wahlkreis, da er weder hier lebt, hier arbeitet oder sich hier ehrenamtlich engagiert“, hat er in seinem Jahresrückblick für das örtliche Amtsblatt geschrieben.

Als Schande empfinde er es als Diplomverwaltungswirt, dass Meuthen Professor einer Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen sei. Für das Bundestagswahljahr wünsche er sich, dass die Bevölkerung in Oppenweiler vernünftig und verantwortungsvoll mit ihrer Stimme umgehe: „Man muss im Jahr 2017 in Deutschland nicht „rechts“ sein, um stolz auf seine Heimat sein zu dürfen“, schreibt Reber, der seit knapp drei Jahren Bürgermeister von Oppenweiler ist.

Eine Antwort der AfD fehlt bisher

Auf Facebook hat Sascha Reber nun auch ein Video veröffentlicht, das am Dienstagabend spontan nach einem gemeinsamen Kinobesuch entstanden sei. Darin sitzt er am Tisch mit drei Flüchtlingen aus Eritrea, die ebenfalls in Oppenweiler leben. Sie erzählen, dass sie seit zwei Jahren da sind, Deutsch lernen, eine Ausbildung anfangen oder Taxifahrer werden möchten. Sascha Reber verspricht zu helfen, damit einer der jungen Männer seinen deutschen Führerschein machen kann. Zeigen wolle er mit dem Film echte Informationen zu Flüchtlingen.

Dass sein Tonfall von Tag zu Tag härter und auch populistischer werde, so der Oppenweiler Bürgermeister, sei eine bewusste Entscheidung: „Ich möchte zeigen, dass es in Deutschland keinen Donald Trump geben wird und dass die Faschisten in diesem Land bereits seit vielen Jahren nichts mehr zu melden haben“, betont Sascha Reber, der die eigenen Beiträge auf Facebook auch mal mit „Bang Bang“ und „Feuer frei“ beendet. Die AfD habe sich auf Postings von ihm trotzdem noch immer nicht gemeldet.

Das Video findet man auch auf der Facebook-Seite der Rems-Murr-Redaktion (Rems-Murr-Report).

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