Peter Jahn räumt seinen Schreibtisch noch nicht endgültig auf, aber im April 2018 ist endgültig Schluss. Foto: Horst Rudel

Nach 32 Jahren als Bürgermeister kandidiert Peter Jahn nicht mehr für eine fünfte Amtszeit. Für ihn sei im kommenden April der richtige Zeitpunkt dafür gekommen, einen Umbruch an der Spitze des Rathauses einzuläuten.

Denkendorf - Der Denkendorfer Bürgermeister Peter Jahn hört auf. Er hat angekündigt, im nächsten Jahr nicht mehr für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren. Es wäre seine fünfte gewesen, denn der 62-Jährige ist seit 32 Jahren der Verwaltungschef in der knapp 11 000 Einwohner zählenden Gemeinde. Amtsmüde sei er trotz dieser langen Zeit nicht, beteuert er. Im Gegenteil, er sei nach wie vor „höchst motiviert und leidenschaftlich“ bei der Sache. Aber er halte den richtigen Zeitpunkt für gekommen, jetzt einen Umbruch an der Spitze des Rathauses einzuläuten.

Damit endet im kommenden April eine Ära in Denkendorf. Mehr als sein halbes Leben war Peter Jahn, der im März seinen 63. Geburtstag feiert, dann der Bürgermeister der Kommune. Im Kreis Esslingen ist nur sein Großbettlinger Kollege Martin Fritz mit 35 Amtsjahren länger im Dienst.

„Ein gut bestelltes Haus“

In den vier Amtsperioden seit 1986 sei ihm sein Amt nicht nur Beruf, sondern auch Berufung gewesen, sagt Pter Jahn. Er trete im kommenden Frühjahr mit dem guten Gefühl ab, seinem Nachfolger „ein gut bestelltes Haus“ zu hinterlassen: etwa mit einer Nullverschuldung, ohne überaus steuerstark zu sein, und mit einer „erklecklichen Rücklage“, denn in seiner Ägide habe die Gemeinde „keinen Pfennig und keinen Cent“ an Krediten aufgenommen.

Dennoch seien in all den Jahren alle Herausforderungen angenommen und gestemmt worden. Als Beispiele nennt Peter Jahn unter anderem die Einrichtung eines Pflegestützpunkts, eine vorausschauende Altenhilfeplanung und hohe Investitionen in den Bereichen Bildung und Betreuung. Die Infrastruktur und Attraktivität in Denkendorf sei sukzessive ausgebaut und verbessert worden, in seiner Zeit habe sich die Einwohnerzahl stetig nach oben entwickelt – von 9000 bei seinem Amtsantritt „bewegen wir uns jetzt auf die 11 000 zu“. Sein Fazit steht fest: „Die Verwaltung, der Gemeinderat und ich weisen eine sehr gute Bilanz vor. Wir brauchen keinen Vergleich zu scheuen.“

Im Streben, die eigene Gemeinde voranzubringen, habe er auch das Große und Ganze im Filderraum stets im Blick behalten, sagt er. Er war am Lärmminderungsplan für die Flughafen-Anrainer beteiligt, stieß den Zweckverband Hochwasserschutz Körsch an und brachte sich als langjähriger Vorsitzender im Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF) ein – wenngleich sein Vorhaben, Letzteren als verbindliches Organ zu installieren, am Widerstand von Neuhausen und Leinfelden-Echterdingen gescheitert ist. Von seinem Engagement in überörtlichen Gremien habe letztlich auch die Arbeit für Denkendorf profitiert.

Nur einmal, im Jahr 2008, wollte der parteilose Peter Jahn beruflich fremdgehen. Er bewarb sich im Kreis Böblingen als Landrat, scheiterte bei der Wahl aber an Roland Bernhard, der seitdem dort im Chefsessel sitzt. Die Niederlage habe er seinerzeit „mit Gelassenheit genommen, ich habe die Hintergründe ja gekannt“, sagt er und deutet an, dass die Wahl damals von vornherein eine abgesprochene Sache war.

Peter Jahn lebt weiterhin in Denkendorf

Nach dieser „Erfahrung“ habe er sich wieder mit Herzblut seiner Arbeit als Denkendorfer Rathauschef gewidmet. Die habe ihn erfüllt. Und so hofft er nicht nur auf fähige Bewerber für seine Nachfolge, sondern er wirbt auch für das Amt an sich. Es sei die Vielfalt, die diesen Beruf „für mich so faszinierend macht“. Für diesen brenne er nach wie vor, weshalb es für ihn kein „Auslaufen lassen“ bis zum April gebe. „Wir gehen hier immer mit hoher Drehzahl an die Ziellinie ran.“

Danach will er den Motor jedoch etwas drosseln und sich eine „Bedenk- und Auszeit“ gönnen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er sich „in wohlüberlegter Dosierung“ einer anderen Aufgabe widme. Aber auch der Sport – Jahn ist leidenschaftlicher Jogger und Tennisspieler – und die Familie kämen dann auf ihre Kosten. Dass er weiterhin in Denkendorf leben wird, stehe für ihn außer Frage. Hier habe die Familie Wurzeln geschlagen, hier sei sie zuhause. Und schließlich wolle er „die Strukturen genießen, die ich selbst geschaffen habe“, sagt er mit einem Schmunzeln.

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