Bürgermeister Frank Otte (im Bild v.l. mit OB Klenk und Bürgermeister Ludwig) scheidet aller Voraussicht nach aus den Diensten der Stadt L.-E. vorzeitig aus Foto: Archiv Norbert J. Leven

Der Erste Bürgermeister Frank Otte hat seine Entscheidung getroffen. Er wird L.-E. den Rücken kehren.

Leinfelden-Echterdingen/Osnabrück - Die Entscheidung hat er am vergangenen Wochenende getroffen. „Ich werde mich in Osnabrück um die Stelle des Stadtbaurats bewerben“, sagte Frank Otte am Dienstag auf Nachfrage der Filder-Zeitung. Dort läuft wie berichtet die Neuausschreibung der Stelle an, die hierzulande der eines Technischen Beigeordneten entspricht. Schon im ersten Anlauf Mitte Februar war der Erste Bürgermeister von Leinfelden-Echterdingen in der niedersächsischen Großstadt der Favorit von SPD und Grünen gewesen. Allein: kurz vor dem Termin wurde die Wahl aus formalen Gründen abgeblasen.

Seitdem hat der 55-jährige Stellvertreter von Oberbürgermeister Roland Klenk einige Tausend Kilometer zwischen Leinfelden-Echterdingen und Norddeutschland zurückgelegt – auch um die Chancen einer zweiten, parallel laufenden Bewerbung zu sondieren. Nicht nur in Osnabrück, sondern auch in einer Großstadt an der Nordseeküste hatte Otte seine Bewerbung um den Posten eines Baudezernenten abgegeben. Auch dort lag Otte nach Informationen unserer Zeitung aussichtsreich im Rennen.

„Nach reiflicher Überlegung, auch mit meiner Lebenspartnerin, habe ich mich am Wochenende für Osnabrück entschieden“, sagte Otte am Dienstag. Der gebürtige Osnabrücker hatte bereits im Februar sein starkes Interesse an einer Rückkehr in seine Heimatstadt bekundet, auch weil sein Sohn dort lebt. Eine Warteschleife wurde jedoch unumgänglich. In Osnabrück wollten Kommunalpolitiker im Zusammenhang mit der Wahl keine Anfechtungsgründe liefern. Otte zum ursprünglichen Termin zu wählen, wäre angreifbar gewesen, weil er nicht über den in der damaligen Stellenausschreibung ausdrücklich geforderten Universitätsabschluss, sondern „nur“ über den einer Fachhochschule verfügt. Die neue Ausschreibung wurde nun um einen auch Ottes Qualifikationen entsprechenden Passus ergänzt.

Amtsinhaber scheidet aus

Der Erste Bürgermeister, dessen achtjährige Amtszeit in Leinfelden-Echterdingen eigentlich noch bis zum Herbst 2014 dauert, verfügt in Osnabrück allem Anschein nach über eine stabile Mehrheit. „An der Unterstützung durch die SPD und die Grünen hat sich nichts geändert“, sagte Otte. Die beiden Parteien bilden im Rat der drittgrößten niedersächsischen Stadt eine Koalition und verfügen über 26 von 50 Sitzen. Die CDU hat 18 Mandate, je zwei entfallen auf FDP und Linke, je eines auf Unabhängige Wähler und Piraten.

Einen Termin für die Wahl des Stadtbaurats in Osnabrück gibt es zurzeit noch nicht. Otte weiß nach eigenem Bekunden jedoch, dass der Posten wie ursprünglich geplant zum 1. Juni wieder besetzt werden soll. Amtsinhaber Wolfgang Griesert, wie Otte 55 Jahre alt, scheidet im Mai aus. Mit dem bisherigen Stadtbaurat könnte Otte unter Umständen trotzdem noch zu tun haben: wenn Griesert, inzwischen zum Kandidaten der CDU ernannt, die Oberbürgermeisterwahl in Osnabrück gewinnen sollte.

Kommentar

Eine glückliche Fügung

Für L.-E. kommt die Gelegenheit für einen Neuanfang in der Bauverwaltung früher als gedacht. Von Norbert J. Leven

Mit Mitte 50 durchzustarten, einen Neuanfang zu wagen – diese Entscheidung, die Leinfelden-Echterdingens Baubürgermeister Frank Otte mit dem beabsichtigten Wechsel nach Osnabrück für sich getroffen hat, nötigt Beobachtern der lokalen Politik zunächst einmal Respekt ab.

Der Entschluss zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein, er ist aber auch folgerichtig. Otte, gebürtig aus Osnabrück, und die Schwaben sind von der Mentalität her betrachtet nur rudimentär kompatibel. Das allein wäre freilich noch kein Grund, vor Ablauf der achtjährigen Wahlperiode den Absprung zu versuchen. Dafür gibt es andere, gewichtigere Gründe. Die liegen vor allem in dem unübersehbar immer stärker belasteten Verhältnis zwischen dem Rathauschef und seinem Stellvertreter. Beide haben sich seit der Ende 2009 bundesweit medial beachteten Ziegenstall-Affäre über die Arbeitsebene hinaus offensichtlich nur noch wenig zu sagen.

Hinzu gesellt sich bei den Gemeinderatsfraktionen eine latente Unzu­frie­denheit mit dem Baubürgermeister – auch im Lager von Grünen und Freien Wählern, aus dem sich 2008 seine Mehrheit maßgeblich rekrutiert hat. Otte mag erkannt haben, dass zurzeit eine Wiederwahl 2014 in L.-E. keineswegs als gesichert gelten konnte. Er hat deshalb aktiv nach Alternativen Ausschau gehalten. Dass er nun in seine Heimatstadt zurückkehren kann, erscheint für ihn – und für L.-E. – als eine glückliche Fügung des Schicksals.

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