Hildrizhausens Noch-Bürgermeister Matthias Schöck (l.) posiert mit seinem designierten Nachfolger Jan Thoma und dessen Frau Carlotta. Foto: Stefanie Schlecht

Was macht ein frisch gewählter Bürgermeister kurz nach seinem Wahlsieg? Er geht zurück zur Arbeit – wo seine Kollegen schon mit einer Konfettikanone warten.

So ganz ist die Realität noch nicht eingesunken bei dem frisch gewählten Bürgermeister Hildrizhausens, Jan Thoma. Der 32-Jährige ist am Sonntag mit überwältigenden 94,2 Prozent im ersten Wahlgang zum Schultes der 3600 Einwohner zählenden Schönbuchgemeinde gewählt worden. Seine Gegenkandidatin Isabella Weinhardt mit 5,1 Prozent hatte er dabei deutlich hinter sich gelassen.

 

Nach der Feier im Schönbuchsaal und einem privaten Zusammensein mit Freunden, seinen Eltern, seiner Großmutter und seiner Frau Carlotta kehrte für Thoma am nächsten Morgen aber direkt wieder der Alltag ein. „Ich bin am Montag wieder nach Bergisch-Gladbach gefahren, weil ich am Dienstag dort wieder meinen Dienst antreten musste“, sagt er. Vorher habe er aber noch in Hildrizhausen seine Wahlplakate abgehängt, ein seltsamer Spagat.

Jan Thoma: „Ich musste niemandem von meinem Wahlsieg erzählen“

„So richtig habe ich noch keine Zeit zum Nachdenken gehabt“, gibt er zu. Hunderte private Nachrichten und ebenso viele berufliche E-Mails hätten ihn bei seiner Rückkehr in Nordrhein-Westfalen erwartet. Was ihn überrascht habe: „Ich musste niemandem von meinem Wahlsieg erzählen. Alle haben es selbstständig herausgefunden und wussten es schon, bevor ich mein Handy wieder in der Hand hatte.“ In Bergisch-Gladbach hätten ihn seine Kollegen im Büro gar mit einer Konfettikanone empfangen, um den Erfolg zu feiern, berichtet er.

Das, was er am meisten gehört habe, sei der Ausdruck ,ein lachendes und ein weinendes Auge‘, erklärt Thoma. Er habe in der Stadtverwaltung Bergisch-Gladbachs einen guten Ruf genossen, ihm seien viele Kollegen ans Herz gewachsen.

Kündigen muss Thoma seine bisherige Stelle übrigens nicht. „Ich bin Beamter und wenn ich eine neue Ernennungsurkunde bekomme, ist die alte sofort hinfällig“, sagt er. Sein direkter Vorgesetzter habe als einer der Ersten von Thomas Kandidatur für das Bürgermeisteramt in seiner alten Heimat gewusst. „Ich mache darum schon seit Längerem eine Übergabe, obwohl immer klar war, dass es vielleicht umsonst ist, falls ich nicht gewinne“, sagt Thoma. Sein Vorgesetzter habe ihn sehr unterstützt, „auch wenn ich mal ein langes Wochenende brauchte für den Wahlkampf. Es gab ganz viel Entgegenkommen.“

Pflichtenheft des neuen Bürgermeisters Hildrizhausens ist gefüllt

In den kommenden Wochen will sich Jan Thoma jetzt darauf konzentrieren, eine saubere Übergabe für sein bisheriges Sachgebiet hinzubekommen. Dann, sagt er, werde er – mutmaßlich wenige Wochen vor seinem Amtsantritt im August – nach Hildrizhausen zurückkehren, um die Gelegenheit zu haben, dem scheidenden Bürgermeister Matthias Schöck eine Zeit lang über die Schulter zu schauen. „Er hat das so lange gemacht, ich könnte wahrscheinlich Jahre bei ihm arbeiten und wüsste immer noch nicht alles, was er sich angeeignet hat“, sagt der 32-Jährige.

Jan Thoma kehrt nach dem Wahlsieg in seine alte Heimat Hildrizhausen zurück. Foto: Stefanie Schlecht

Für den designierten Bürgermeister gibt es einige Themen, die er nach seinem Start im Rathaus direkt angehen will. „Ganz oben steht beispielsweise der Gemeindeentwicklungsplan“, sagt er. Es sei schön, den bis 2030 geltenden Plan anzuschauen, „weil man da quasi überall Häkchen machen kann. Aber wir brauchen auch neue Ziele.“

Ein weiterer Punkt, den er sich weit vorn ins Pflichtenheft geschrieben hat, ist das angedachte Gewerbegebiet, an dem auch Schöck jahrelang gearbeitet hatte. Er sei zuversichtlich, dass in einigen Jahren Bewegung in das Thema kommen werde.

Bereits im Wahlkampf hatte Thoma angeregt, mehr für die Ehrenamtlichen in der Gemeinde tun zu wollen. „Ich habe gemerkt, dass sich viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, nicht mehr Geld wünschen – wie es etwa die Ehrenamtskarte verspricht – sondern dass sie sich echte Wertschätzung wünschen“, sagt Thoma. Er plane daher, eine Ehrenamtsfeier mitsamt Ehrung von Menschen, die sich besonders engagierten, ins Leben zu rufen. „Ich habe nämlich das Gefühl, dass die Organisation von Festen und die Vereinsarbeit insgesamt oft auf ganz wenigen Schultern verteilt ist.“

Sowohl auf allgemein ehrenamtlich Engagierte, als auch Sportler solle die Veranstaltung schauen. „Es wäre toll, wenn sich da auch die Vereine vorstellen könnten“, sagt er. So würden Zugezogene erfahren, welche Angebote es gebe und könnten darüber hinaus gleich Kontakte knüpfen. „Ich finde es immer sehr schade, wenn mir jemand sagt, er habe nicht in die Dorfgemeinschaft gefunden“, so Thoma.

Bürgermeisterwahl Hildrizhausen

Dauer
Der Bürgermeister wird in Hildrizhausen für eine Dauer von acht Jahren gewählt. Die Amtszeit des aktuell amtierenden Bürgermeisters Matthias Schöck läuft noch bis Freitag, 31. Juli.

Amtsinhaber
Matthias Schöck ist seit 2002 Bürgermeister Hildrizhausens. Mit 27 Jahren wurde er erstmals in das Amt gewählt und hatte es seitdem ununterbrochen inne. Bei der Wahl am vergangenen Sonntag war er nicht mehr angetreten.