Jan Trost ist gespannt, wie die anstehenden Verkehrsprojekte miteinander verzahnt werden. Foto: Werner Kuhnle

Der Bürgermeister von Marbach (Kreis Ludwigsburg) fragt sich, wie das Land zeitgleich an der Oehler- und der Kauflandkreuzung arbeiten will, ohne den Busverkehr auszuhebeln. Doch das ist nicht das einzige Problem, das er für die nahe Zukunft sieht.

Der Neubau eines Hallenbads ist seit einigen Tagen beschlossene Sache. Die Umsetzung wird den Marbacher Bürgermeister Jan Trost und sein Team die kommenden Monate auf Trab halten. Zumal 2025 noch andere wegweisende Themen geklärt oder besprochen werden sollen wie das weitere Vorgehen bei der viel befahrenen Oehlerkreuzung und die Zukunft der Energieversorgung. Und das bei einer extrem angespannten Haushaltslage. Trost spricht im Interview über all diese Dinge, die Handlungsfähigkeit der Stadt und anderes mehr.

 

Der Gemeinderat hat entschieden, im Lauerbäumle für alles in allem rund elf Millionen Euro ein neues Hallenbad zu bauen. Inklusive Abschreibungen wird mit einem jährlichen Abmangel von mehr als 700 000 Euro gerechnet. Ist die Stadt dann überhaupt noch handlungsfähig?

Die Sorge um unsere finanzielle Situation ist natürlich groß. Deshalb habe ich mich auch für die kleinere, letztlich auch beschlossene Lösung mit nur einem Becken starkgemacht. Sonst hätten wir andere wichtige Projekte wie die Sanierung der Grundschule in Marbach oder den Neubau eines Feuerwehrhauses in Rielingshausen finanziell gefährdet, die zu den Pflichtaufgaben gehören. Nichtsdestotrotz wird die finanzielle Lage immer schwieriger werden. Deshalb hoffe ich wie andere Kollegen, dass die neue Bundesregierung Maßnahmen ergreift, die die Wirtschaft endlich wieder in Schwung bringen.

Hat Marbach selbst auch Spielraum, die Einnahmeseite zu stärken, indem zum Beispiel weitere Unternehmen angesiedelt werden, um mehr Gewerbesteuer abzuschöpfen?

Wir sind optimistisch, dass die Firma Häffner bald mit dem Neubau in Marbach startet. Das Verfahren ist angestoßen. Das wären um die 100 Arbeitsplätze, die neu nach Marbach kommen. Beim geplanten gemeinsamen Gewerbegebiet mit Erdmannhausen sind wir indes vom Verband Region Stuttgart ausgebremst worden. Für die große Lösung, die wir nach wie vor anstreben, muss zunächst der Regionalplan geändert und eine Grünzäsur verschoben werden. Das dauert und ist sinnbildlich für die Überbürokratisierung in Deutschland. Ist das in trockenen Tüchern, sollen sich dort hochwertige Unternehmen ansiedeln.

Die Erweiterung von Hainbuch soll dort aber schon jetzt möglich gemacht werden.

Genau. Da drücken wir aufs Gaspedal. Im Optimalfall soll schon Ende 2025 planerisch ein Spatenstich möglich sein. Hainbuch hat einen gewissen Handlungsdruck. Die Präzision der Spannmittel, die Hainbuch herstellt, wird immer größer. Damit diese Hightechprodukte weiterhin hier produziert werden können, braucht der größte Arbeitgeber unserer Stadt frische räumliche Kapazitäten.

Jan Trost stellt klar, dass nicht in allen Marbacher Wohnvierteln ein Wärmenetz gebaut wird. Foto: Werner Kuhnle

Soll in naher Zukunft auch der Energie- und Technologiepark am Neckar erweitert werden?

Die Option hätten wir im Flächennutzungsplan. Unsere Priorität liegt aktuell aber klar auf der Entwicklung des gemeinsamen Gewerbegebiets mit Erdmannhausen.

Schon längst neu überplant war das Volksbank-Gelände, auf dem mehr als 20 Wohnungen plus eine moderne Filiale entstehen sollten. Dafür hätte aber eine alte Eiche weichen müssen, wogegen Teile der Bürgerschaft Sturm liefen, sodass die Bank am Ende die Reißleine zog. Bedauern Sie das noch?

Der sehr große hintere Bereich des Bestandsgebäudes steht seit dem Auszug von EgeTrans 2018 leer. Und ich finde es sehr bedauerlich, dass das Konzept der Volksbank nicht verwirklicht wurde. Das ist beste Innerortswohnlage, die Bushaltestelle befindet sich direkt vor der Tür, die Innenstadt ist fußläufig zu erreichen, ebenso Kindergärten und Schulen. Der Neubau hätte also einen großen Mehrwert gebracht – auch, weil der Platz teilweise entsiegelt worden wäre. Wir brauchen einfach mehr Wohnraum, ansonsten könnte es zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Wir hoffen nun, dass die Volksbank zumindest eine Nachnutzung für die leer stehenden Räume findet.

Sie haben den knappen Wohnraum angesprochen. Ähnlich bewegt die Menschen die Frage, wie es mit der Energieversorgung weitergeht. In Mannheim wird bekanntlich der Gashahn bald zugedreht. Müssen sich auch die Marbacher auf so ein Szenario einstellen?

Wir haben die neue Konzession für das Gasnetz gerade ausgeschrieben und gehen davon aus, dass sich zumindest die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim als Eigentümer des Netzes wieder darum bewerben werden. Aber die Perspektive für diesen fossilen Energieträger ist sicher eine andere als noch vor 20 oder 30 Jahren. Die Bedeutung wird nachlassen. Wir haben ja selbst unser Fernwärmenetz bis in die Marktstraße ausgebaut. Bisherige Gasgroßabnehmer wie unsere Verwaltungsgebäude hängen nun am Fernwärmenetz. Wir möchten zudem vorgezogen ein Wärmenetz für ein Quartier entwickeln, ehe der Gesamtfahrplan für die künftige Energieversorgung der Stadt Ende 2025 oder Anfang 2026 vorliegt.

Haben Sie dafür schon ein bestimmtes Quartier im Blick?

Das ist noch nicht entschieden, aber es wird sich um ein Gebiet handeln, das eng und kompakt bebaut ist wie eben die Altstadt oder das Hörnle.

Was antworten Sie also Bürgern, die eine alte Heizung haben und fragen, wie sie weiter vorgehen sollen?

Wir raten dazu abzuwarten, bis die Gesamtwärmeplanung vorliegt. Außerdem muss man ehrlich sein und sagen: In manchen Gebieten wird kein Wärmenetz kommen. Im Kirchenweinberg, wo viele Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser stehen, wird es sich beispielsweise mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht lohnen. Dort wird es auf individuelle Lösungen wie eine Wärmepumpe hinauslaufen. Alleine schon aus finanziellen Gründen werden aber auch in den geeigneten Vierteln nur nach und nach die Bagger anrücken. Für die ganze Stadt muss man bei den Baukosten ganz grob gesagt von einem Betrag im hohen zweistelligen Millionenbereich ausgehen, wenn man andere Kommunen als Vergleich heranzieht.

Wackelt angesichts der Geldnöte sogar die für das Jahr 2033 geplante Gartenschau?

Ich bin nach wie vor davon überzeugt davon, dass die Gartenschau einen Mehrwert für unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Stadt bringt. Gleichzeitig müssen wir genau prüfen und mit unserem Gemeinderat und unserem Partner Benningen abstimmen, was wir uns leisten können und was nicht.

Ob an der Oehlerkreuzung eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer gebaut wird, soll sich in diesem Jahr entscheiden. Foto: Archiv (KS-Images.de/Karsten Schmalz)

Wie kann die Oehlerkreuzung dann von Passanten überwunden werden? Ein Steg dürfte ebenfalls teuer werden.

Das müssen wir 2025 politisch diskutieren und entscheiden. Dabei spielt natürlich eine wesentliche Rolle, wie viel eine Brücke kosten würde und ob es dafür Zuschüsse gäbe und wie eine Unterführung ausgestaltet wäre und ob diese komplett vom Land finanziert würde. Uns läuft im Hinblick auf die Gartenschau langsam die Zeit davon. Das gilt auch für den anvisierten Neubau des Deutschen Literaturarchivs und den geplanten Park auf der Schillerhöhe.

Woran hakt es noch?

Wir warten sehnsüchtig darauf, dass der Architektenwettbewerb für den Neubau des DLA freigegeben wird. Bund und Land sind hier als Geldgeber beteiligt. Obendrauf kommt dann noch unser eigener Wettbewerb zur konkreten Gestaltung des Parks. Beides soll miteinander abgestimmt sein. Wir wollen eine Planung aus einem Guss. Die Zeit eilt. Es wäre nicht gut, wenn die Besucher der Gartenschau auf der Schillerhöhe auf eine Großbaustelle treffen würden.

Wenn der Beschluss gefallen ist, wie die Oehlerkreuzung überwunden werden soll, kann auch der Ausbau dieses Nadelöhrs starten. Das Land will in dem Zug auch den maroden Fahrbahnbelag im Bereich der Kauflandkreuzung richten lassen, was die Stadt schon lange fordert.

Uns ist allerdings völlig unklar, wie das logistisch funktionieren soll. Der Busbahnhof ist so zentral und wichtig, dass er dauernd erreichbar sein muss. Aber wie soll das gewährleistet sein, wenn in allen Zufahrtsrichtungen gebaut wird? Das könnte in einem völligen Verkehrschaos enden. Aus unserer Sicht kann man nicht beide Kreuzungen zeitgleich schließen. Wir haben zudem die Sorge, dass die für 2026 angekündigten monatelangen Sperrungen der Ortsdurchfahrt in Steinheim den Verkehrsfluss rund um Marbach zum Erliegen bringen würde.

Warum fürchten Sie das?

Wenn dieser Verkehrsweg durch Steinheim wegbricht, muss der gesamte Verkehr in Richtung Marbach über die Bergkelterkreuzung abgewickelt werden. Zumal 2026 obendrein die Brücke über die Murr zwischen dem Abzweig nach Benningen und der Einmündung zur Kläranlage neu gebaut werden soll. Hier soll zunächst eine neue Brücke errichtet werden, ehe die alte abgebrochen und dann eine zweite gebaut wird. Ich bin gespannt, wie das alles unter einen Hut gebracht werden soll. Auf der Straße sind sehr viele Fahrzeuge unterwegs.

Nach dem Bau der zweiten Brücke dürfte sich die Situation an dem Abzweig nach Benningen aber zumindest entspannen. Aktuell verzeichnet die Polizei dort viele Unfälle.

Wir hoffen, dass es dann besser wird, wenn die Strecke durch die beiden Brücken länger zweispurig bleibt. Zusätzlich würden wir uns aber wünschen, bis zur Bergkelterkreuzung wenigstens in einer Fahrtrichtung die Zweispurigkeit herzustellen. Dazu besteht die Möglichkeit. Man könnte die Fläche des Gehwegs entlang der Straße nutzen, auf dem ohnehin niemand läuft.

Besser fließen würde der Straßenverkehr wahrscheinlich auch, wenn die Bottwartalbahn als Alternative den Betrieb aufnehmen würde.

Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt. Für unsere Bürger wäre das super, sie könnten auf direktem Weg nach Stuttgart, Ludwigsburg, Backnang und nach Heilbronn gelangen, das wirtschaftlich prosperiert. Allerdings muss man die Umsetzung jetzt mit Nachdruck forcieren, sonst sind die Fördertöpfe leer. Und ich bin gespannt, ob alle Kommunen mit im Boot bleiben.

Haben Sie Zweifel?

Es geht um viel Geld und große logistische Herausforderungen innerorts in einigen Anliegergemeinden.

Um ziemlich viel Geld geht es auch bei einem neuen Gymnasium im Bottwartal, das die Stadt Marbach wünscht, bei dem sich aber die Nachbarkommunen bislang in Zurückhaltung üben.

Tatsache ist, dass sich der Handlungsdruck durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium weiter verschärft. Die Kapazitäten in unserem Gymnasium sind schon jetzt erschöpft. Das gilt ebenso für die Gymnasien in Beilstein und Freiberg. Es gibt in Marbach einen Gemeinderatsbeschluss, dass es keine Erweiterungen mehr geben wird, das wäre nicht zu finanzieren.

Das bedeutet?

Es müsste eine Kommune im Bottwartal in die Bresche springen – oder das Land greift über die Schülerlenkung ein. Zu unserem Leidwesen wurden deshalb zuletzt schon Kinder aus dem eng mit uns verbundenen Benningen abgewiesen. Das könnte in Zukunft auch anderen Umlandkommunen drohen. Die Begeisterung bei den Eltern ist dann wahrscheinlich überschaubar, wenn ihre Kinder nicht mehr nach Marbach oder Beilstein zur Schule gehen können und sie längere Wege in Kauf nehmen müssen.

Seit mehr als zehn Jahren Bürgermeister

Familienvater
 Jan Trost ist seit 2013 Bürgermeister von Marbach, war zuvor bei der Stadt Sachsenheim als Fachbereichsleiter Verwaltung tätig. Der 49-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.

Parteilos
 Der Diplom-Verwaltungswirt ist im benachbarten Steinheim aufgewachsen, hat am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium Abitur gemacht. Er sitzt für die Freien Wähler im Ludwigsburger Kreistag, ist aber parteilos.