Für drei Tage hat die syrische Armee eine einseitige Waffenruhe für das vom Bürgerkrieg geplagte Land ausgerufen. Foto: AFP

Die muslimische Welt feiert das Ende des Fastenmonats Ramadan. In Syrien soll eine Feuerpause dem Menschen etwas Ruhe bringen. Allerdings ist es eine einseitige Maßnahme der Regierung.

Damaskus - Die syrische Armee hat einseitig einen dreitägigen Waffenstillstand für das gesamte Land angekündigt. Sie soll nach Angaben syrischer Staatsmedien bereits am Mittwochmittag begonnen haben und wohl bis zum Freitag andauern. Das Oberkommando der Streitkräfte teilte mit, für die Dauer von 72 Stunden werde ein „Regime der Ruhe“ umgesetzt.

Die Ankündigung fällt mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan zusammen, das Muslime in aller Welt derzeit feiern. Eine Reaktion der Aufständischen in Syrien gab es zunächst nicht. Es blieb auch offen, ob Gruppen ausgenommen sind, die von der syrischen Regierung als Terroristen betrachtet werden.

Offen blieb zunächst, ob es Ausnahmen von der Waffenruhe geben sollte, etwa für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder die islamistische Al-Nusra-Front, die als syrischer Ableger des Al-Kaida-Netzwerks gilt. Ob sich die Rebellen an die Feuerpause halten würden, war ebenso unklar. Noch am Morgen stand ein von den Rebellen gehaltenes Viertel im Osten der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo unter heftigem Artilleriebeschuss. Ein Zivilist wurde nach Angaben von Einwohnern und Menschenrechtsaktivisten getötet.

US-Außenminister: Feuerpause soll in anhaltende Waffenruhe umgewandelt werden

Währenddessen besuchte Assad demonstrativ eine Moschee in Homs, um sich an den Gebeten zum Ende des Ramadan zu beteiligen. Sein Besuch wurde vom Staatsfernsehen live übertragen. Die ehemals weitgehend von Rebellen kontrollierte drittgrößte Stadt steht seit Mai 2014 wieder weitgehend unter der Kontrolle von Damaskus.

US-Außenminister John Kerry begrüßte die Feuerpause zum Ende des Fastenmonats, dem Eid al-Fitr. Er hoffe, sie werde von allen Seiten eingehalten, erklärte Kerry. Er fügte hinzu, er arbeite gemeinsam mit Russland und anderen Parteien daran, die Feuerpause in einen langfristigen Waffenstillstand umzuwandeln.

Nach Einschätzung politischer Beobachter wird die Gewalt weitergehen, solange es keine ernsthaften Bemühungen gibt, den politischen Prozess wieder anzukurbeln. Der Bürgerkrieg in Syrien begann im Frühjahr 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Assad, die jedoch niedergeschlagen wurden. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg mit unzähligen lokalen, regionalen und internationalen Akteuren. Mehr als 280.000 Menschen wurden seither getötet. Mehrere Millionen Syrer flohen ins Ausland oder sind im eigenen Land auf der Flucht.

Waffenruhe könnte Hilfslieferungen zu belagerten Orten ermöglichen

In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. Unterschiedlichste Rebellengruppen kämpfen gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad und auch gegeneinander. Ein Teil des Landes wird von der Terrormiliz Islamischer Staat beherrscht.

Zuletzt hatten Russland und die USA im Februar eine Waffenruhe vermittelt. Sie führte zu einem deutlichen Rückgang der Kampfhandlungen, wurde in der Folge aber wiederholt von den Kriegsparteien gebrochen. Auch die Bemühungen der vergangenen Monate, die Bürgerkriegsparteien für Friedensgespräche an einen Tisch zu bringen, scheiterten. Einzelne Gruppen wie der IS oder der Al-Kaida-Ableger Nusra-Front waren dabei von vorneherein ausgenommen. Vor allem im Norden des Landes wurde weiter heftig gekämpft. Anfang Mai gab es dort befristete und örtlich begrenzte Waffenstillstände.

Eine landesweite und von allen Parteien eingehaltene Feuerpause gilt als Voraussetzung für eine politische Lösung des langwierigen Konflikts. Mitte Mai versuchten Diplomaten erneut, eine solche voranzubringen. Kurzfristig geht es auch darum, Hilfslieferungen zu belagerten Orten zu ermöglichen, wo Menschen nach Darstellung der Vereinten Nationen vor dem Hungertod stehen könnten. Langfristig soll die Beilegung des Konflikts auch dazu führen, dass weniger Menschen aus Syrien fliehen müssen.