Mit Hilfe von Unterschriftenlisten sammelt die Initiative Stimmen für die Projekte. Foto: Bürkle

Eine Initiative setzt sich dafür ein, dass Vorschläge aus dem Bezirk im Bürgerhaushalt gut bewertet werden.

Sillenbuch - Das lange gewünschte Bürgerzentrum soll gebaut werden. Die Schüler der Grundschule Riedenberg, der Waldorfschule Silberwald und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums brauchen eine Sporthalle, der Jugendrat hätte gerne einen Skatepark, und der Waldheimverein möchte bei der Sanierung des Dachs am Clara-Zetkin-Haus unterstützt werden.

Diese vier Wünsche sind beileibe nicht die einzigen aus dem Stadtbezirk, die im Bürgerhaushalt formuliert wurden. Genauer gesagt haben die Sillenbucher in dem Online-Verfahren, bei dem die Bürger an der Vergabe städtischer Gelder beteiligt werden, gleich 47 Ideen ins Netz gestellt. Doch lässt sich eines sagen: Eine so gut organisierte Lobby wie die, die hinter besagten vier Vorschlägen steht, dürfte kaum ein anderes Projekt im Bürgerhaushalt haben.

Eine Sillenbucher Bürgerinitiative hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, jene vier Wünsche bei der Abstimmung im Bürgerhaushalt ganz nach vorn zu bringen. Schafft sie das, muss sich der Gemeinderat mit den Wünschen beschäftigen. Somit steigen die Chancen, dass sie bei den eigentlichen Haushaltsberatungen im Herbst berücksichtigt werden.

Engagierte Bürger bringen sich ein

Die engagierten Bürger, die vom Organisator Michael Fuchs vertreten werden, haben viel Arbeit in ihre Sache gesteckt. Unter anderem haben sie mit Hilfe der städtischen Moderatoren, die die Internetseite pflegen, erreicht, dass ein Dutzend verschiedener Vorschläge zum Bürgerzentrum zu einem einzigen zusammengefasst wurde. Der steht nun unter der Nummer 2910 zur Abstimmung. „Die Zusammenarbeit mit den Moderatoren hat gut geklappt“, sagt Fuchs. Weniger erfreulich sei gewesen, dass die Moderatoren bis zum Schluss der Vorschlagsphase Änderungen an den Vorschlägen vorgenommen hätten. So sei der Initiative kaum Zeit für weitere Vorbereitungen geblieben, sagt Fuchs.

Denn die Gruppe hat vier Flugblätter mit Unterschriftenlisten in verschiedenen Farben gedruckt, eins für jeden Vorschlag. Die bunten Zettel werden an Schulen, in Geschäften und im Bezirksrathaus ausgelegt. Wer will, kann sich dort eintragen und so für die Projekte abstimmen. Hernach sammelt die Bürgerinitiative die Listen wieder ein und gibt sie bis zum 5. April an die Stadt weiter. „Auf diesem Weg möchten wir auch die Bürger erreichen, die nicht online abstimmen können“, sagt Fuchs. Der Organisator hat vor allem ein Ziel vor Augen: „Wir wollen einen möglichst großen Kreis von Interessierten ansprechen.“ Dass nur 1,5 Prozent der Stuttgarter beim vergangenen Bürgerhaushalt abgestimmt haben, hält er für einen „Offenbarungseid“ – „das muss sich ändern.“

Den Sillenbucher Bezirksbeirat hat die Initiative um einen Zuschuss in Höhe von 250 Euro für die Druckkosten der Flugblätter gebeten. Allerdings bewilligte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung am Mittwoch auf Anregung der CDU nur 150 Euro – mit der Begründung, man wolle lediglich den Vorschlag für das Bürgerzentrum und die Sporthalle unterstützen. Michael Fuchs nimmt die Entscheidung hin. Trotzdem ist für ihn klar: „Man kann bürgerschaftliches Engagement auch anders würdigen.“

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