Der mögliche Bau einer Landeserstaufnahmestelle (Lea) auf dem Schanzacker bewegt die Gemüter. Foto: Werner Kuhnle

Der Arbeitskreis Frauen der Bürgerinitiative gegen die Landeserstaufnahmestelle auf dem Schanzacker bei Ludwigsburg hat einen Workshop zur Gewaltprävention veranstaltet. Kritiker finden das problematisch.

Rund 50 Frauen und Männer sitzen am Sonntagnachmittag in der Kelter in Tamm. Sie wollen lernen, wie sie gefährliche Situationen im Alltag einschätzen und diesen entgehen können, wann sie einschreiten sollen, um Gewalt zu beenden – und wann sie lieber abhauen sollten. Es gibt Kaffee und Kuchen, während Klaus Calcara von der Initiative Gewaltprävention Baden-Württemberg über Grundlagen informiert und praktische Situationen durchspielt.

 

Die neueste Aktion des Arbeitskreises Frauen der Bürgerinitiative gegen den Bau einer Lea auf dem Schanzacker (GGLTA) hat sich am Sonntag erneut auf das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum fokussiert – ein heikles, hochemotionales Thema. Kritiker mahnen: Durch solche Aktionen können Zugewanderte pauschal vorverurteilt werden.

Im Publikum sitzen am Sonntag Senioren wie Moni, deren erwachsener Sohn vor kurzem von einer Gruppe Männer beklaut wurde. Es sind aber auch Jugendliche zum Präventionskurs gekommen, wie Dilara und Melinda. Sie würden sich in Tamm, Asperg und Ludwigsburg sicher fühlen, auch an ihrer Schule gebe es wenig Probleme mit Gewalt, sagen sie. Dennoch erhoffen sie sich mehr Infos, wie man in brenzlichen Situationen reagieren sollte. Ein junges Pärchen, das laut eigener Aussage neben dem Schanzacker wohnt, unterstützt die Bürgerinitiative seit Jahren und findet es gut, dass neben dem Naturschutz auch das Thema Sicherheit angesprochen wird.

Der Vortrag ist derweil simpel gehalten. Klaus Calcara, der auch im Württembergischen Judo-Verband aktiv ist, erklärt zu Beginn, was Aggression ausmacht und welche Phasen diese durchläuft. Er zeigt Kriminalstatistiken, ohne Wertung oder Einordnung, und geht auf das Thema selektive Wahrnehmung von Gefahrensituationen ein. Zivilcourage sei wichtig, aber niemand sollte sich selbst in Gefahr bringen – „bei einem Messer Rückwärtsgang einlegen“, so die Botschaft.

AK Asyl mit Bedenken

Vor dem Workshop kamen kritische Stimmen an dem Angebot auf. Der Arbeitskreis Asyl Ludwigsburg und die Liga der Wohlfahrtsverbände äußerten Bedenken, dass ein Gewaltpräventionskurs im Kontext des Kampfes gegen die Landeserstaufnahmestelle (Lea) subjektive Ängste und Vorurteile schüren könnte. Die Einladung zur Veranstaltung suggeriere, dass man sich angesichts der Lea-Planung wappnen müsste, sagt Monika Schittenhelm, AK Asyl-Mitglied und Grünen-Stadträtin in Ludwigsburg. Er erkenne da eine Stimmungsmache gegen Geflüchtete, sagt Martin Strecker, Vorsitzender der Liga der Wohlfahrtsverbände im Kreis.

Die Bürgerinitiative bekommt immer wieder Gegenwind. Foto: Simon Granville

Das alles sei nicht die Absicht des Workshops, entgegnet der AK Frauen der Bürgerinitiative. Die Bürgerbefragung im September habe ergeben, dass das Thema Sicherheit die Menschen umtreibt. Der Workshop sei ein niedrigschwelliges Angebot für Bürger, um Situationen im Alltag besser einzuschätzen. Es gehe nicht um Gefahren durch Migration oder durch eine mögliche Lea, sondern um Gefahren im Allgemeinen.

Thomas Walker ist Sprecher der Bürgerinitiative, er nennt die Veranstaltung eine Gratwanderung. „Es ist ein Thema, das bewegt, und wir wollen etwas dazu anbieten.“ Gleichzeitig wäge man alle Aktionen rund um das Thema Sicherheit ab, da man nicht in den Verdacht geraten will, Ängste und Vorurteile schüren zu wollen – man wolle nicht den Zuspruch aus der Mitte der Gesellschaft verlieren.

Nicht die erste Kritik am AK Frauen

Die Kritik am Umgang der Bürgerinitiative mit dem Thema Sicherheit und Gewalt ist nicht neu. Besonders in den Reden des Arbeitskreises Frauen der Bürgerinitiative werde mit Ressentiments und Hetze gearbeitet, Geflüchteten werde pauschal frauenfeindliches Verhalten zugeschrieben, kritisierte der AK Asyl Ludwigsburg Ende 2023. Auch aus der Bevölkerung, von Stadträten und Bürgermeistern, war in der Vergangenheit immer wieder zu hören, dass einige Aussagen der Bürgerinitiative übel aufstoßen.

Der Arbeitskreis Frauen der Bürgerinitiative erklärte sich in der Vergangenheit: Aussagen würden teils bewusst zugespitzt werden, um den Bedenken der Bürger, vor allem der Frauen, eine Stimme zu geben. Das habe nichts mit Rechtsradikalismus zu tun, so der AK Frauen.