Besonders hat die Bürger das Thema Lastwagenverkehr von und zu den geplanten Gebäuden des Modeunternehmens interessiert. Foto: Jens Noll

Boss baut in Bonlanden ein neues Verteilerzentrum. Die Bürger haben Angst vor einer Zunahme des Lastwagenverkehrs – gegen die Ansiedlung an sich sind sie aber nicht.

Bernhausen - Es blieb relativ ruhig am Dienstagabend in der Filharmonie. Einen Protest gegen den Wunsch der Firma Hugo Boss, in Bonlanden ein Distributionszentrum zu bauen, gab es nicht.

Es zeichnete sich bei der Informationsveranstaltung jedoch schon früh ab, dass mögliche Verkehrsprobleme die Bürger am meisten bewegen. Als der kaufmännische Projektleiter von Boss, Rainer Schmid, über die Zahl der Lastwagen berichtete, die Waren bringen oder abholen werden, grätschte eine Anwohnerin der Hornbergstraße dazwischen. Sie befürchtete, dass die prognostizierten 40 Fahrzeuge pro Tag auch durch ihre Straße fahren werden. Dies schloss jedoch Bürgermeister Dieter Lentz aus. Die Pfosten, die in der Hornbergstraße eine Durchfahrt verhindern, würden stehen bleiben, sagte er.

Zweifel an der Zahl der Lastwagen

Später, als die rund 100 Bürger, die in die Filharmonie gekommen waren, offiziell das Wort erhielten, meldete sich auch die Sprecherin der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen (BVS), Angelika Müller, zu Wort. Sie bezweifelte, dass es bei 40 Lastwagen pro Tag bleibe und wollte wissen, wo die Transportfahrzeuge lang fahren. Die Zahl stimme, antwortete Ralf Schneider, Logistik-Direktor bei Hugo Boss. Die Lastwagen würden optimal beladen, erklärte er und sprach von „konsolidierten Komplettladungen“. Die Frage nach den Fahrwegen beantwortete er jedoch nicht. Deshalb hakte Renate Mc Card von der BVS nach. „Wo fahren die Lastwagen?“, wollte sie wissen. Sie seien hauptsächlich in Richtung Autobahn und Flughafen unterwegs, sagte Boss-Finanzvorstand Mark Langer.

„Dann muss den Spediteuren vorgegeben werden, dass sie nicht durch Straßen fahren, die für Lastwagen gesperrt sind“, sagte die Sielmingerin. „Die entsprechende Vorgabe wollen wir machen“, beteuerte Langer. Woraufhin Mc Card sagte: „Hugo Boss ist wunderbar, wenn der Verkehr nicht bei uns durchgeht.“ „Wir haben ein großes Interesse, dass die Lastwagen nicht durch die Ortschaften fahren“, fügte Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker hinzu.

Christian Hoberg von der Neuapostolischen Kirche wollte wissen, wie die Gottesdienstbesucher, die aus Richtung Harthausen kommen, künftig zur Kirche gelangen sollen. Hintergrund ist, dass die Straße, die durch das Gewerbegebiet Affelter führt, gekappt wird. Ein Teil dieser Straße soll Baugrund werden. Bürgermeister Lentz bot als Ausweichstrecke die Raiffeisenstraße samt Verbindung zur Hohe Straße an.

Mitarbeiter werden übernommen

Dies wiederum rief den Geschäftsführer der Firma Gutperle, Bernd Schmid, auf den Plan. Dem Unternehmen gehört die Verbindungsstraße zwischen Raiffeisen- und Hohe Straße. „Das ist eine Privatstraße“, sagte Schmid. Deshalb sei es nicht selbstverständlich, dass dort jedermann fahren dürfe. „De facto ist das aber eine öffentliche Straße“, antwortete Lentz. Man könne jedoch darüber reden, ob die Stadt Kosten der Straßenunterhaltung übernehme.

Obwohl das Thema Verkehr die Veranstaltung bestimmte, wurden auch andere Fragen gestellt. Karlernst Schmeißer wollte wissen, wie viele Arbeitsplätze in dem Verteilerzentrum geschaffen werden und ob diese tarifgebunden sind. Man werde in Bonlanden 500 tarifgebundene Arbeitsplätze anbieten, erklärte Boss-Logistik-Direktor Ralf Schneider. Die 300 Leute, die bisher in diesem Bereich an anderen Standorten tätig sind, würden übernommen.

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