Das Bürgerhospital Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Fassaden sollen erhalten bleiben, das Erscheinungsbild der Fenster auch. Neue Balkone sind unerwünscht am Hauptbau des alten Bürgerhospitals. Diese Denkmalschutzauflagen erschweren den Umbau in bezahlbare Wohnungen, meint das städtische Wohnungsunternehmen SWSG.

Stuttgart - Das frei werdende Gelände des Bürgerhospitals im Stuttgarter Norden ist ein wichtiger Baustein im Plan der Stadtverwaltung, mehr bezahlbare Wohnungen auf den Markt zu bringen. Die Vorzeichen dafür haben sich aber verschlechtert.

Helmuth Caesar, Technischer Geschäftsführer des städtischen Wohnungsunternehmens SWSG, hat nach Informationen unserer Zeitung Bedenken angemeldet. Und zwar wegen der absehbaren Auflagen der Denkmalschützer für die Nutzung des bisherigen Hauptgebäudes, das Ende 2015 frei werden dürfte. Dann soll das Bürgerhospital umziehen. Dieses Vorhaben steht im Zusammenhang mit der Neuordnung des städtischen Klinikums und der Konzentration auf weniger Standorte.

Genug für 117 oder sogar 145 Wohnungen

Im Auftrag der Stadt hat Caesar die Möglichkeiten für Wohnungen im Hauptbau geprüft. In nichtöffentlicher Sitzung des Umwelt- und Technik-Ausschusses legte er das Ergebnis vor. In mehreren Varianten hatte er die Nutzung durchgespielt. Dabei ergab sich, dass in dem Bau aus dem Jahr 1959 mit sechs vollwertigen Obergeschossen und einem Dachgeschoss entweder 8600 oder 9164 Quadratmeter Wohnfläche denkbar sind. Genug für 117 oder sogar 145 Wohnungen unterschiedlicher Größe – samt Penthouse-Wohnung mit Dachterrasse. Mal hat Caesar mit Loggien geplant, mal mit Balkonen. Bei einer Variante auch mit einer Kindertagesstätte im Gartengeschoss.

Das Problem ist nur: Nach seinem Befund müssen die Denkmalschützer sich noch flexibel zeigen, wenn aus dem Projekt was werden soll. Nur dann sei es umsetzbar. Wie er den Stadträten berichtete, wünsche das Landesdenkmalamt aber die Erhaltung der gefliesten Fassade und lehne das Anbringen von Balkonen ab. Das würde bedeuten, dass eine Wärmedämmung an der Außenfassade nicht möglich wäre. Damit könne man auch nicht den Effizienzhausstandard 100 erreichen, der für eine Förderung nach dem Landeswohnraum-Förderungsgesetz erreicht werden muss. Zumindest nicht mit vertretbarem wirtschaftlichem Aufwand.

Abgesehen davon pocht der Denkmalschutz laut Caesars Papier, das unserer Zeitung vorliegt, auch auf die Erhaltung der vergleichsweise großzügigen Flure, des zentralen Treppenhauses und der Dachaufbauten mit dem Charme der 50er Jahre.

Einen Abriss will offenbar niemand fordern

Was nun?, lautete daher die Frage im Ausschuss. Einen Abriss will offenbar niemand fordern. Zumindest noch nicht. Ein Antrag könnte sich wahrscheinlich auch nicht darauf stützen, dass die Erhaltung unzumutbare wirtschaftliche Nachteile für die Stadt bedeutet, meinte Alexander Kotz (CDU) auf Anfrage. Zumal man sich in dem Gebäude auch ein Hotel mit anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zumindest theoretisch vorstellen könnte. Der Erhaltung des Gebäudes kann Kotz etwas abgewinnen.

Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD) hat Entschlossenheit demonstriert, diese Erhaltung hinzubekommen. Das sei spannender, soll er sinngemäß gesagt haben, als wenn das Gebäude verschwinde und am Ende wie in anderen Fällen in Architektenentwürfen einige Punkthäuser auf das Gelände verteilt würden. Martin Körner, Fraktionschef der SPD, will ebenfalls die Erhaltung weiterverfolgen. Jetzt müsse man halt, wie üblich, mit dem Denkmalschutz verhandeln. Auch Studentenwohnungen könne er sich in dem Gebäude vorstellen.

Darauf oder auf neue Wohnformen wie Senioren-Wohngemeinschaften dürften sich die Überlegungen bald stärker konzentrieren. Das haben auch die Grünen angeregt, wenn klassische Wohnungen nicht möglich sind und Sozialmietwohnungen auch nicht. Letztere seien wichtig, sagte Christoph Ozasek (Die Linke), aber wenn es nicht gehe, „dann ist es halt so“.

Neben dem Hauptgebäude wird sich auch was tun, wenn das Hospital weggezogen ist. Auf dem gesamten Areal wurden bisher 600 Wohnungen angestrebt. Die Frage ist, wie das Hauptgebäude hineinpasst. „Es wird sein Umfeld stark bestimmen“, sagte ein Mitarbeiter im Rathaus, „daher werden in der Diskussion noch Gegensätze aufeinanderprallen.“ Eine Marschrichtung der Gesamtverwaltung unter OB Fritz Kuhn (Grüne) gibt es noch nicht. Die Fraktionen wollen das Thema am 30. Juni wieder aufrufen. Der Zeitdruck ist mäßig: Zunächst werden im Gebäude Flüchtlinge wohl untergebracht.

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