Hans-Peter Heilemann (Zweiter von links) und seine Mitstreiter haben den Wendlinger Bürgergarten in eine grüne Oase verwandelt. Foto: kd

Mit dem Wendlinger Bürgergarten hat sich eine Brache in eineinhalb Jahren in ein kleines Paradies verwandelt – und auch das soziale Miteinander in der City gestärkt.

Erntezeit im Wendlinger Bürgergarten – mitten in der Stadt haben die Mitglieder der kleinen Initiative des örtlichen Bürgervereins eine grüne Oase geschaffen. Es wachsen Gemüse, Kräuter sowie diverse Blumen – und mit ein paar Blauglockenbäumen sind auch echte Klimahelden am Start.

 

In rund eineinhalb Jahren hat die Gruppe das bis dato brach liegende Grundstück in einen bunten Nutzgarten verwandelt. „Dieses Jahr hatten wir zehn verschiedene Sorten Tomaten“, berichtet Hans-Peter Heilemann stolz. Der 32-Jährige ist Mitinitiator des ersten „Urban-Gardening“-Projekts in Wendlingen und wohnt in direkter Nachbarschaft. Der ziemlich triste Anblick der etwa 500 Quadratmeter großen Brache habe ihn damals motiviert hier etwas auf die Beine zu stellen, erklärt er. Beim Bürgerverein stieß Heilemann auf offene Ohren, unter dessen Ägide das Projekt seitdem läuft.

Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein

Das Grundstück gehört der Stadt und soll irgendwann bebaut werden – bis dahin dürfen die Hobby-Gärtner es kostenfrei nutzen. Die Stadt stellte auch ein ausrangiertes Weihnachtsmarkthäuschen zu Verfügung, das die Initiative wieder herrichtete und seitdem als Geschirrhütte nutzt. „Eine Bebauung ist frühestens 2028 geplant“, sagt Heilemann – er und seine rund 14 Mitstreiter hoffen, dass sie noch so lange wie möglich im Bürgergarten herumwursteln dürfen. Das Team ist bunt gemischt, der Altersschnitt reicht von Anfang 30 bis ins Seniorenalter. Gekannt haben sich die Mitglieder der Initiative vorher nicht, doch das gemeinsame Gärtnern verbindet: „Es ist hier einfach was anderes wie im eigenen Garten alleine zu schaffen, fast wie eine kleine Kontaktbörse“, sagt eine der Hobbygärtnerinnen – auch wenn nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Denn gemäß der Grundidee des „Urban Gardening“, gibt es keine Flächen, die nur von einer bestimmten Person genutzt werden. „Wir bewirtschaften alles gemeinschaftlich“, bestätigt Heilemann.

Gemeinsam entscheiden, was, wo und wie angepflanzt wird

Auch die Ernte wird solidarisch geteilt – dieses Jahr gab es etwa exakt 1,3 Kilogramm Kartoffeln für jeden. „Sonst wäre es ja wie in einem Schrebergarten, das wollten wir nicht“, erklärt der Wendlinger. Das heißt aber auch, dass gemeinsam entschieden wird, was, wo und wie angepflanzt wird. Und da gingen die Meinungen in der Vergangenheit schon etwas auseinander, wie Heilemann offen zugibt: „Etwa die Frage, ob man an selber Stelle noch mal Tomatenpflanzen setzt oder nicht hat uns eine Weile beschäftigt.“ Deswegen wurde auf der jüngsten Organisationssitzung der Gartenfreunde eigens ein Pflanzkomitee gegründet. Das soll nun einen Plan aufstellen, wo über das gesamte Jahr hinweg was gepflanzt werden soll. Dabei ist man aber offen für Vorschläge, betonen die Komitee-Mitglieder.

Verbesserung des städtischen Mikroklimas

Gezogen werden die Pflanzen im Wendlinger Bürgergarten zumeist aus dem Samen, Experimentierfreudigkeit wird großgeschrieben. So kam es auch zu besagten Blauglockenbäumen, die als eine der am schnellsten wachsenden Bäume gelten. Man habe das einfach mal probieren wollen, lautet die Erklärung. Positiver Nebeneffekt: Der Blauglockenbaum ist zwar teils umstritten, hat aber eine hohe Toleranz gegenüber Dürre und Hitze, ist insektenfreundlich und gilt als enorm CO2-bindend. Damit erfüllt er eine zusätzliche Prämisse des Bürgergartens – denn letztlich geht es auch um die Verbesserung des städtischen Mikroklimas, die Schaffung von Lebensraum für Insekten und die Bindung von Treibhausgasen.