In Zukunft wird der Bürgermeister Dirk Schaible nur noch alle zwei Jahre das Bierfass für das Freiberger Bürgerfest anstechen. Foto: Werner Kuhnle

Das Bürgerfest soll es in Zukunft aus Kostengründen nur noch alle zwei Jahre geben. Als Ersatz experimentiert die Stadt mit dem Konzept eines Festwirts, der Streetfood nach Freiberg bringen will.

Freiberg/Neckar - Im kommenden Jahr wird es in Freiberg kein Bürgerfest geben. Der Gemeinderat hat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause mit großer Mehrheit beschlossen, die Traditionsveranstaltung künftig nur noch alle zwei Jahre auszurichten. Als Ersatz soll es als Test auf dem Marktplatz ein Streetfood-Festival eines privaten Anbieters geben. „Das Konzept klingt interessant“, sagt der Bürgermeister Dirk Schaible. Die Menschen reisten mehr um die Welt, daher wäre es gut, „Speisen jenseits der Roten Wurst anzubieten“.

Leicht getan hat sich der Gemeinderat mit der Entscheidung nicht. Vor allem die Vereine beklagen, dass durch den Wegfall von Bürgerfesten Einnahmen verloren gehen. Doch auch die Stadt begründet die Entscheidung mit ihren Finanzen: Zuletzt zahlte Freiberg pro Jahr 120 000 Euro für die Veranstaltung im Stadtzentrum – einen Betrag, den man angesichts anstehender Grundschulsanierungen und dem millionenschweren Neubau der Oscar-Paret-Schule lieber woanders investieren möchte. „Wir laufen sonst in Gefahr, unsere Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllen zu können“, sagt Schaible. Dass es eine Reaktion auf die Niederlage beim Bürgerentscheid zur Zukunft der drei Grundschulen ist, weist Schaible zurück: „Da besteht kein Zusammenhang.“

Auch andere Feste mussten eingestellt werden

Das Bürgerfest ist nicht das erste Traditionsfest, das dem Rotstift zum Opfer fällt. Das Geisinger Göckelesfest, das jahrzehntelang vom dortigen Kleintierzüchterverein organisiert und 2011 an einen professionellen Festwirt verpachtet wurde, gibt es seit ein paar Jahren auch nicht mehr, weil es für den Veranstalter durch behördliche Auflagen sowie den Mindestlohn unwirtschaftlich geworden war. Auch andere kommerzielle Initiativen wie das Weindorf oder der Bier-Walk wurden nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Und Feste der Teilorte Freibergs, die traditionell von den dortigen Vereinen ausgerichtet wurden, mussten aufgrund fehlenden Engagements beziehungsweise schwindender Mitgliederzahlen eingestampft werden.

Damit ist das Rettichfest das einzige verbliebende große, jährliche Fest mit Festzelten in Freiberg. „Bei uns funktioniert es noch“, sagt Bernd Kroll, der Vorsitzende des Musikvereins Freiberg, der das Fest organisiert. Vor allem ein großer Kreis ehrenamtlicher Helfer, auch jenseits des Vereins, würde das Fest jedes Jahr möglich machen. Für den Musikverein ist Wegfall des Bürgerfests in jedem zweiten Jahr kein Problem, da er sich ohnehin nie mit einem Stand beteiligt hat. „Aber für alle anderen ist es extrem schade“, sagt Kroll.

Kann Streetfood ähnlich locken wie ortsansässige Vereine?

Inwiefern sich das Streetfood-Fest in Freiberg etablieren kann – es ist zunächst einmalig für 2018 angesetzt – müsse man abwarten, findet Kroll. Er persönlich könne sich jedoch nicht vorstellen, dass ein privater Veranstalter eine ähnliche Zahl an Besuchern mobilisieren könne wie die ortsansässigen Vereine.

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