Klarer Ausgang beim Bürgerentscheid: 54,4 Prozent der in Ehningen abgegebenen Stimmen entfallen auf die Rettung des Gebäudes im Ortskern, dessen Abriss schon beinahe besiegelt war.
Die Bürgerinnen und Bürger haben gesprochen: Mit 54,4 Prozent der Stimmen hat sich am Sonntag eine knappe Mehrheit für den Erhalt und die Sanierung des historischen Meissner-Hauses ausgesprochen. 45,6 Prozent votierten für den Abriss. Bei einer Wahlbeteiligung, die durch die zeitgleiche Landtagswahl begünstigt wurde, gaben insgesamt 4672 Bürger ihre Stimme ab. Damit endet ein monatelanger Streit um das Gebäude in der Königstraße 27, direkt neben dem Rathaus gelegen.
Der Gemeinderat hatte sich zuvor im Sommer 2025 zunächst mehrheitlich für einen Abriss ausgesprochen – vor allem aus Kostengründen. Doch eine Bürgerinitiative um die Vertrauenspersonen Hannelore Röhm und Jochen Werner sammelte 843 gültige Unterschriften und erzwang so den Bürgerentscheid. Bürgermeister Lukas Rosengrün (SPD) zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang: „Es freut mich, wie das Ergebnis ausgegangen ist. Es freut mich, dass wir eine Entscheidung getroffen haben“, sagte er am Sonntagabend.
Diese Entscheidung sei zuvor im Gemeinderat nicht getroffen worden. „Wir haben nun einen klaren Auftrag, wie wir weiter zu verfahren haben. Ich sehe darin eine Chance, unseren Ortskern zu stärken.“ Nun steht die Gemeinde vor erheblichen Herausforderungen. Nachdem die ursprünglich beauftragte Firma JaKo Baudenkmalpflege Insolvenz anmeldete, muss das Projekt neu ausgeschrieben werden. „Wir müssen einen Partner finden, der dieses herausfordernde Projekt umsetzen kann“, sagt Rosengrün.
Gemeinde ist auf Partner angewiesen
„Wichtig ist, dass wir einen Partner mit Expertise finden, um die Sanierung eines 200 Jahre alten Gebäudes inklusive Gewölbekeller umzusetzen. Das ist auch eine Aufgabe.“ Zudem müsse geklärt werden, wie das Projekt organisiert wird – über die kommunale Wohnungsbaugesellschaft oder direkt durch die Gemeinde. „Wir werden intensiv daran arbeiten, ein gutes Ergebnis zu erreichen für alle“, versprach der Bürgermeister.
Die Kostenschätzungen liegen bei rund drei Millionen Euro für die Sanierung, zuzüglich laufender Kosten von 40 000 Euro jährlich für die ersten zehn Jahre. „Dann müssen wir schauen, wie viel es tatsächlich kostet – wie viel wir über oder unter der Kostenschätzung liegen“, sagt Rosengrün. Parallel zur Ausschreibung soll ein Nutzungskonzept erstellt werden. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens hatten eine Mischnutzung mit Gastronomie, Praxisräumen und Büros vorgeschlagen.
„Das Konzept muss mit Leben und mit Mietern gefüllt werden“, betonte der Bürgermeister. „Eine tragende Säule sind die Mieteinnahmen aus dem Gebäude, was es von allen anderen Projekten unterscheidet. Wichtig ist, langfristige Mieter zu finden.“ Die Verwaltung ist durch das positive Votum nun für drei Jahre an den Erhaltungsbeschluss gebunden und will gemeinsam mit dem Gemeinderat zügig die notwendigen Schritte einleiten.
Bürgerinitiative ist überwältigt vom Zuspruch für das Meissner-Haus
Die Initiatoren der Bürgerinitiative Lebendige Ortsmitte Ehningen freuen sich freilich sehr über das Ergebnis des Bürgerentscheids. „Wir sind überwältigt von der großen Unterstützung und danken allen, die sich in den vergangenen Monaten engagiert und für den Erhalt des Meissner-Hauses gestimmt haben“, geben Hannelore Röhm und Jochen Werner, Vertrauenspersonen der Bürgerinitiative, in einer Pressemitteilung bekannt. Das Ergebnis zeige, wie wichtig den Menschen in Ehningen der Schutz ihres historischen Erbes und die Belebung der Ortsmitte seien.
Röhm und Werner sind überzeugt, dass die Sanierung des Meissner-Hauses nicht nur den historischen Charakter Ehningens bewahren, sondern auch neue Impulse für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im Ortskern setzen wird. „Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist ein Auftrag an die Gemeinde, die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen und die nächsten Schritte für die Umsetzung einzuleiten“, betont Röhm.
Die Bürgerinitiative will den künftigen Prozess eng begleiten und sich weiterhin für eine attraktive und lebenswerte Ortsmitte einsetzen. Ebenso laden sie auch alle Ehninger Bürgerinnen und Bürger ein, sich in das Projekt einzubringen.
Was könnte im Meissner-Haus entstehen?
Gebäude
Das Haus Königsstraße 27 prägt Ehningen bereits seit rund zwei Jahrhunderten. Es wurde 1834 vom Revierförster Häberlin erbaut, war einst Heimat der Weinhandlung Carl Meissner. Später war dort ein traditionsreiches Bekleidungsgeschäft. Unter dem Gebäude befindet sich einer der größten Gewölbekeller Ehningens.
Konzept
Die Firma Jako Baudenkmalpflege hat ein Sanierungs- und Nutzungskonzept für das Gebäude ausgearbeitet. Es sieht im Erdgeschoss und Gewölbekeller Angebote wie eine Weinhandlung oder eine Kaffeerösterei mit Tagesgastronomie vor als Treffpunkte für alle Generationen. Im Obergeschoss könnten Praxisräume für medizinische und therapeutische Dienstleistungen entstehen, in den Dachgeschossen moderne Büroräume.