Rund 250 Menschen haben den Bürgerdialog zur Nachnutzung der Helfenstein-Klinik besucht. In seinem Grußwort bedankt sich Landrat Edgar Wolff (auf dem Podium) für das Interesse. Foto: /Thomas Madel

Beim Bürgerdialog zur Frage, was auf die Helfenstein-Klinik in Geislingen nach der Schließung folgen soll, ist den Menschen eines wichtig: eine gute Gesundheitsversorgung.

Die Emotionen waren spürbar“, sagte Landrat Edgar Wolff am Ende des Bürgerdialogs zur Zukunft der Geislinger Helfenstein-Klinik. Vor ihm saßen 250 Zuhörer in der Autalhalle in Bad Überkingen, die sich über den Planungsstand zur Nachnutzung des Klinikgebäudes informierten. Hinter ihnen lagen knapp dreieinhalb Stunden, in denen Argumente zuweilen sehr lebhaft ausgetauscht wurden, und die eines deutlich zeigten: Der Schmerz über das Geislinger Klinik-Aus als stationärer Versorger sitzt bei vielen Menschen weiterhin tief.

 

Dem Landrat schien der Kragen zu platzen

Zu bemerken war dies beispielsweise, als sich Matthias Heim, Bürgermeister in Bad Überkingen, zu Wort meldete. Zur Nachnutzung des Klinikgebäudes betonte er: „Es muss keine gesundheitsnahen Angebote geben, wir wollen eine sehr gute medizinische Versorgung.“ Offenbar ist es ihm ein Dorn im Auge, dass in der Machbarkeitsstudie von Drees & Sommer, die an jenem Abend öffentlich vorgestellt wurde, von einer Mischnutzung die Rede ist. Zwar gelang es jener Studie schon vor Wochen, Aufsehen zu erregen, als von einem möglichen Einzug der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen die Rede war, doch Heim entgegnete dazu: „Ich bin froh und dankbar, dass es die Hochschule in Geislingen gibt, aber sie gehört nicht in diese Einrichtung.“ Wie berichtet, könnte die Hochschule die Bereiche Therapie, Gesundheit und Ernährung in dem Gebäude etablieren. In Anbetracht möglicher Wohnnutzungen und anderer Optionen erklärte ein Zuhörer aus Geislingen irritiert: „Ich wundere mich, dass es hier um solche Nachnutzungen geht, der Bürger will eine gute Gesundheitsversorgung.“

Emotional blieb es. Als Landrat Wolff sagte, dass bei ihm angekommen sei, „was Ihnen wichtig ist“, ging ein Raunen durch die Reihen, teilweise drang Gelächter zur Bühne vor – und dem Landrat schien der Kragen zu platzen: „Was erwarten Sie denn?“, fragte er aufgebracht, und betonte: „Es ist unser ernsthaftes Interesse, die Gesundheitsversorgung im gesamten Landkreis sicherzustellen.“ Es habe „triftige Gründe“ gegeben, die für eine Umwandlung des Geislinger Krankenhauses in ein ambulantes Gesundheitszentrum sprechen, so schmerzhaft dies sei. Dass es großes Unbehagen unter den Zuhörern gibt, stellte auch Moderator Joachim Beck heraus, einst Direktor der Evangelischen Akademie in Bad Boll. Der Umfang der Geislinger Notfallversorgung wird erst im nächsten Jahr eruiert, Ergebnis also offen. Ein Zuhörer aus Drackenstein kritisiert, dass er die Patientensicherheit in Gefahr sehe. Er habe den Eindruck, immer mehr Notarztwagen zu sehen. Ebenfalls erwähnte der Drackensteiner die längere Entfernung zur Klinik am Eichert. Doch Wolff erinnerte daran, dass die Notarztstandorte erhalten bleiben und dass der Bereichsausschuss des Rettungsdienstes ein Gutachten vorgelegt habe und in zusätzliche Rettungsfahrzeuge investieren werde. Der Bereichsausschuss hatte sich jedoch gegen einen weiteren Notarztstützpunkt ausgesprochen.

In Geislingen gibt es keine OP-Säle mehr

Ingo Hüttner, Medizinischer Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken und selbst ausgebildeter Notarzt, sah gerade die Patientensicherheit in der kleineren Helfenstein-Klinik angesichts vieler Schockraum-Abmeldungen gefährdet, während die Versorgung in der größeren Klinik am Eichert wegen größerer Teams stabiler sei. Einen Schockraum und stationäre OP-Säle gibt es in Geislingen heute nicht mehr. Auch wenn ein Notarzt länger zur Klinik brauche, werde der Patient auf dem Weg im Rettungswagen bereits behandelt, gibt Hüttner auf Nachfrage zu verstehen.

Landrat Wolff ging darauf ein, dass die schwerwiegenden Notfälle schon lange nicht mehr in Geislingen behandelt würden. Für Notfallsituationen wie den Schlaganfall ist das Christophsbad verantwortlich und für die Versorgung von Herzinfarkten braucht es einen Herz-Katheter-Messplatz, der sich aber in Göppingen befindet.

Ideen werden dem Kreistag vorgelegt

Ideen
 Beim Bürgerdialog schrieben die Teilnehmer viele Ideen auf Post-its, die jetzt ausgewertet werden. Laut Moderator Joachim Beck werden die Vorschläge am 11. November im Kreistag besprochen.

Herzklinik
Über die Kardiologie macht sich Ludwig Kraus Gedanken, Vorsitzender des Bürgerbündnisses für Gesundheitsversorgung. Was sei mit dem Interesse der Herzklinik Ulm für Räume in der Helfenstein-Klinik? Man habe mit ihr gesprochen, sagt der Medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, Ingo Hüttner. Man wolle das Angebot überprüfen und erneut auf die Ulmer zugehen.

Ärztehaus
Kuchens Bürgermeister Bernd Rößner fragte nach dem Ärztehaus: Viele Mediziner hätten sich dort wegen des Angebots in der Helfenstein-Klinik niedergelassen. Wenn die Mietverträge ausliefen, stehe man bald ohne Ärzte da? „Um das Ärztehaus muss man sich keine Sorgen machen“, sagte der Landrat Edgar Wolff.