Trostlos, zu wenig Platz und nicht mehr zeitgemäß: Das Bürgerzentrum soll modernisiert werden und ins Erdgeschoss an der Wilhelmstraße ziehen. Foto: factum/Bach

Eng, schwül, zu wenig Platz: Das Bürgerbüro der Barockstadt ist bisher eine Zumutung für die Bürger. Bis in fünf Jahren soll es ein modernes Zentrum geben – mit herzoglichem Treppenaufgang.

Ludwigsburg - Wer als Ludwigsburger Bürger etwas im Rathaus zu erledigen hat, wird meistens unfreundlich empfangen. Das liegt nicht am Verhalten der Mitarbeiter, ganz im Gegenteil. Es ist das Ambiente im Bürgerbüro, das abschreckend wirkt. Eingezwängt in einen engen Schlauch fristet die Anlaufstelle für städtische Dienstleistungen im ersten Stock an der Wilhelmstraße ein eher tristes Dasein.

Die Stadt selbst beschreibt die Zustände ziemlich schonungslos: Der Wartebereich quillt bereits nach wenigen Personen über. Vor allem im Sommer ist es drückend schwül in den Räumen. Gelüftet werden kann wegen Abgasen und Lärm der viel befahrenen Wilhelmstraße nicht.

Die engen Räume hinter den Schaltern teilen sich 18 Mitarbeiter, der Sozialraum platzt schon bei zehn Personen aus allen Nähten. „Ich schäme mich für die Zustände“, sagt der Freie-Wähler-Fraktionschef Reinhardt Weiss am Dienstag im Wirtschafts- und Verkehrsausschuss. Und der OB Werner Spec meint: „Wir brauchen zeitgemäße Räumlichkeiten.“ Auch am Schalterbereich der Ausländerbehörde sieht es ähnlich aus – zumal sich hier noch 20 000 Akten türmen.

Unhaltbare Zustände also für die gut 57 000 Kunden jährlich im Bürgerbüro. Ein weiteres Problem: das Standesamt ist getrennt in der Oberen Marktstraße untergebracht. Jahrelang wurde nach einer Lösung gesucht. Ein Neubau für das Bürgeramt wurde erwogen, eine Ausquartierung in die Obere Marktstraße oder gar eine Auslagerung in die Silcherschule. Nun findet sich eine Lösung nach dem Motto „Sieh, das Gute ist so nah“. Denn das neue Bürgeramt soll, kombiniert mit dem Standesamt, ins Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes in der Wilhelmstraße neben dem Rathaus ziehen. Die dort untergebrachten Computer und Server sollen ausgelagert werden.

Auch Trauungen können angemessen gestaltet werden

„Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe“, erklärte der Fachbereichsleiter Matthias Weißer. Denn so könnte der bisher verwaiste, historisch interessante Treppenaufgang Carl Eugen als repräsentativer Aufgang genutzt werden – bei Trauungen als Durchgang zum Ehrenhof. Das Bürgerbüro soll offener, weitläufiger, freundlich hell und barrierefrei sein. Sozusagen empfangen von Ludwigsburgs berühmtem Fürsten – das wäre der Barockstadt dann doch angemessener als der Gelsenkirchener Barock der jetzigen Räume. Schließlich ist man auf dem Weg zur Großstadt, da wirkt der Charme der 70er Jahre unpassend.

Im Ausschuss wurde dieses Konzept einstimmig gebilligt. Alle Fraktionen loben den Vorstoß. Allerdings interessieren sich die Räte natürlich brennend für die Kosten. „Für 3,50 Euro wird es nicht zu haben sein“, vermutet etwa Elke Kreiser (CDU). Und der FW-Sprecher Reinhardt Weiss mahnt ein Konzept für die gesamte Verwaltung an, und fragt: „Die Stadt hat das EnBW-Gebäude gekauft, sollte dort nicht ursprünglich die Verwaltung untergebracht werden?“

Die SPD-Sprecherin Margit Liepins legt Wert darauf, dass die Neubaupläne damit endgültig vom Tisch seien. Sie erinnert zudem an die lange Geschichte der Diskussion, schon 2013 wurden große Pläne geschmiedet, die sich dann aber nicht umsetzen ließen.

Nun kommt die für gut befundene Lösung allerdings nicht über Nacht – gut fünf Jahre dürften vergehen, bis alles umgebaut und umgezogen ist. Daher wird das Bürgeramt vorübergehend ausgelagert – und zwar in die Obere Marktstraße 4.

Übergangsquartier im Lotter-Gebäude

Dort werden ehemalige Ladenflächen der Firma Lotter zu Büroflächen umgebaut. Die Stadt könnte dort 70 Büroarbeitsplätze anmieten. Mindestens auf fünf Jahre soll der Mietvertrag laufen. Das stört manche Räte wie den FDP-Mann Jochen Eisele. Denn der Standort eignet sich gut für Gewerbe, und das soll nach seiner Vorstellung dort auch langfristig wieder einziehen: „Und die Verwaltung sollte nach dem Umbau wieder ausziehen.“

Die Weichen sind jedenfalls gestellt. Was das ganze kostet, dazu konnte man im Ratsausschuss noch keine Angabe manchen – denn bislang gibt es keine konkreten Pläne, sondern nur das Konzept und den Grundsatzbeschluss. Wohl erst in anderthalb Jahren könnte man mit dem ersten Bauabschnitt beginnen. Der Bürger muss sich also noch eine Zeit lang gedulden – und in engen, schwülen Räumen mit wenig Sitzmöglichkeiten der Dienstleistung harren.

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