Das neue Schloss soll sich künftig für Bürger öffnen – die Frage ist, wie weit. Foto: dpa

Mit der Überschrift „Bürgerschloss“ hat das Land ein Fass aufgemacht. Der Bezirksbeirat Mitte will, dass es beim Umbau des Neuen Schlosses nicht bei einer hohlen Phrase bleibt.

Stuttgart - Sechs Euro fünfzig und ein Null-Komma-Eins-Liter-Weingläschen. Diese Befürchtung hat der Bezirksbeirat Mitte am Montag im Rathaus geäußert, als eine Abgesandtschaft des Landes die Pläne zum Umbau des Neuen Schlosses präsentierte, mit der schmeichelnden Überschrift: Bürgerschloss. Dort, wo heute Finanz-, Wirtschafts- und Staatsministerium untergebracht sind und üblicherweise hohe Staatsgäste empfangen werden, soll also ein Platz für Bürger entstehen. Stimmt auch – zum Teil.

„Der Schlossplatz ist der einzige Platz in Süddeutschland mit europäischer Qualität, er würde sich auch in London oder in Paris ins Stadtbild einfügen“, sagte Roland Wenk von der Landesgesellschaft Vermögen und Bau, die für den Umbau des neuen Schlosses, das dem Land Baden-Württemberg gehört, zuständig ist.

Kein Wunder, dass die Bezirksbeiräte nach solchen Ansagen mit harten Bandagen diskutierten, inwieweit Weltstadtflair und Bürgernähe miteinander vereinbar sind. Genauer: Wie Teile im Mitteltrakt des Gebäudes für alle geöffnet werden können, inklusive Gastro, wie es in den frühen Entwicklungsplänen des Schlossumbaus geschrieben steht.

Alle Entwürfe noch im Konjunktiv

An Vorschlägen dafür mangelte es nicht: „Könnte man die auf dem Ehrenhof parkenden Autos der Mitarbeiter der Ministerien denn nicht woanders unterbringen“, fragte etwa Wolfgang Kämmer von der Grünen-Fraktion. „Die Gastro muss erschwinglich sein. Und außerdem wäre es schön, wenn es Räume geben würde, die wir als Fraktion nutzen können“, sagte Matthias Vincon von der SPD. Jochen Dehmer von der FDP ging noch weiter und brachte den Vorschlag ins Spiel, dass die Ministerien doch gleich aus dem Schloss ausziehen könnten, um es komplett für die Bürger nutzbar zu machen.

Eine Idee, die Roland Wenk ins Reich der Träume verwies: „Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir bei den derzeitigen Preisen von Büroflächen in der Landeshauptstadt einen Umzug auf Steuergelder rechtfertigen sollten.“ Auch auf den Wunsch nach konkreten Zusagen, wie das sogenannte Bürgerschloss im Detail gestaltet sein könnte, folgte Ernüchterung.

Keine Aussagen zu den Kosten, fast alle Entwürfe noch im Konjunktiv. Grundsätzlich sehen die Pläne des Architekten Martin Sting vor, Platz zu gewinnen, indem die Technik in den Keller verlagert wird. Unterirdisch – könnte – auch die Gastro werden, die den Kantinenbetrieb im Obergeschoss des Mitteltrakts ersetzen würde.

Denkbar, dass die Gastro auch um einen Außenbereich im Akademiegarten hinter dem Schloss Richtung Charlottenplatz erweitert wird. Angedacht sind auch Veranstaltungen oder Ausstellungen im Erdgeschoss des Mitteltraktes. Zeitlich soll die Sanierung zwischen 2020 und 2022 in Angriff genommen werden. Klar scheint immerhin, dass die Umbaukosten komplett vom Land getragen werden.

Bezirksbeirat für Bürgerbeteiligung

Gegen Ende der Sitzung konnte Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle den Vertretern des Landes dann aber doch noch ein Versprechen inhaltlicher Natur abringen. So wurde der einstimmige Beschluss des Bezirksbeirats mit Wohlwollen aufgenommen, dass das Bürgerschloss – erstens – wirklich komme.

Das scheint insofern schon sehr wahrscheinlich, als dass das Neue Schloss in seiner 228-jährigen Geschichte zahlreiche Frischzellenkuren verpasst bekommen hatte. „Es sind viele Dinge verändert worden, heute sind die Räume des neuen Schlosses viel kleinteiliger als früher“, sagte Wenk. Das Land sei mit dem Denkmalschutz in engem Austausch, was die Baumaßnahmen angehe.

Zweitens steht in dem Beschluss des Bezirksbeirats, dass das Schloss über die neue Gastronomie von Bürgern hinaus genutzt werden soll und hierfür ein breites Bürgerbeteiligungsverfahren eingeleitet werde. Und drittens haben die Landesvertreter zugesichert, die Idee des autofreien Ehrenhofs an die zuständigen Dienststellen heranzutragen.

Nichtsdestotrotz: Ob das umgebaute Neue Schloss dem Namen Bürgerschloss gerecht wird, steht freilich noch in den Sternen. Einen Fuß haben die die Innen­stadtpolitiker aber immerhin in der Tür.

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