Radler müssen absteigen: Der Höhenpark am Killesberg ist Fußgängern vorbehalten. Dafür haben viele Radfahrer kein Verständnis. Foto: Eva Funke

Die Vorschläge für den Bürgerhaushalt zeigen, dass den Menschen zwischen Killesberg und Nordbahnhof eine Reduzierung des Verkehr und mehr Schutz und Pflege des Grüns wichtig ist.

Stuttgart - Rund 80 Vorschläge, die Stuttgarter im Bürgerhaushalt für eine lebenswertere Stadt gemacht haben, betreffen den Norden. Auf Platz 1 mit 35 Anregungen steht das Thema Verkehr, gefolgt von den Themen Grünflächen (12) und ÖPNV (8). Und nur noch an diesem Montag können die Vorschläge, mit „gut“ oder „weniger gut“ bewertet werden – allerdings nur noch online. Dann ist die Stadtverwaltung am Zug: Im Sommer werden die Wünsche auf ihre Machbarkeit hin geprüft und im Herbst im Gemeinderat diskutiert.

Die meisten Änderungswünsche beziehen sich auf den Bereich Killesberg. Um die Verkehrssituation dort zu verbessern und zu verhindern, dass bei Großveranstaltungen die Anwohnerstraßen zugeparkt werden, wird die Einführung eines Bewohnerparkausweises gefordert sowie mehr Kontrolle. Außerdem soll der Pkw-Verkehr durch eine bessere Anbindung an Bus und Bahn und durch Wiedereinführung des 10-Minuten-Takts bei der Stadtbahn eingeschränkt werden und die Buslinie 44 bis 20.30 Uhr im 10-Minuten-Takt und bis zum Betriebsschluss alle 15 Minuten fahren. „Abends wird man fast gezwungen, das Auto zu nutzen“, so die Begründung. Für die Strecke Killesberg–Hauptbahnhof wird das Kurzstreckenticket gefordert.

Fahrradfahren im Höhenpark erlauben oder weiterhin verbieten? Mit 18 Kommentaren (bis Redaktionsschluss) am meisten, aber auch am kontroversesten diskutiert wird der Vorschlag, das Radeln dort regelmäßig zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden. Die Gegner des Verbots liegen mit nur einer Stimme vorn. Ebenfalls den Höhenpark betrifft der Wunsch, die Wohnhäuser neben der Schwäbischen Weinstube zu sanieren statt verfallen zu lassen.

Weitere Wünsche für den Bereich Killesberg: den Bürgersteig zwischen der Straße Am Weißenhof und Oskar-Schlemmer-Straße durchgängig zu bauen, damit Passanten nicht an parkenden Autos entlang auf der Fahrbahn gehen müssen; und am Kochenhof ein Tempolimit sowie Tempokontrollen einzuführen, um vor allem nachts die Lärmbelästigung durch Raser zu reduzieren.

Die Vorschläge werden im herbst im Gemeinderat diskutiert

Verkehrsinseln, die mit Blumen für Wildbienen und Schmetterlingen bepflanzt sind: Auch das steht als Beitrag zum Umweltschutz in dem durch die Bauarbeiten für Stuttgart 21 stark belasteten Norden auf der Wunschliste. Um die Pflanzen kümmern sollen sich die Anwohner. Die Idee wurde ohne Gegenstimme vier mal mit „gut“ bewertet. Auf eine Aufwertung der Erholungsräume in der Stadt zielt der Vorschlag, die Wasserspiele am Egelsee, die „nur noch teilweise in Betrieb“ sind in Ordnung zu bringen und an allen Sitzgruppen Mülleimer aufzustellen und generell das grüne U besser in Schuss zu halten. Der Bereich Kultur bewegt sich mit vier Vorschlägen im Mittelfeld des Bürgerhaushalts. Eine Forderung ist der Erhalt des alten Lokschuppens auf dem Bahngelände am Rosensteinpark. Da das „große Gebäude aus dem 19. Jahrhundert“ im geplanten Rosensteinquartier am Rand des neuen Wohngebiets liegt, könne er „kulturelles Zentrum für die Bevölkerung mit Wirtschaften, Auftrittsmöglichkeiten, Räumen für Arbeitsgruppen und Proberäumen“, werden. Auch der Rückbau der Brenzkirche in ihren Originalzustand steht auf der Liste.

Erneut vorgeschlagen wird die Förderung von Elizis nostalgischem Jahrmarktstheater. Im vergangenen Bürgerhaushalt stand die Forderung auf Platz 1 der Bürgerwünsche. Und zwar mit Erfolg: Die Stadt subventioniert das Familienunternehmen mit 30 000 Euro pro Jahr. Der Wunsch nach einem kleinen Wochenmarkt erfüllt sich bereits im April: Am 26. des Monats um 11 Uhr ist Eröffnung an der Mittnachtstraße (die Innenstadtausgabe der Stuttgarter Zeitung und Nachrichten berichtete).

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