Sieben Bürgermeister und die Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold (Mitte) saßen mit OB Fritz Kuhn (rechts) auf dem Podium. Foto: Julia Barnerßoi

Zahlreiche Bürger kamen in die Turn- und Versammlungshalle an der Albstraße und nutzen die Chance, der Stuttgarter Verwaltungsspitze Fragen zu stellen. Nicht auf alle bekamen sie jedoch Antworten.

Degerloch - Gerade als Oberbürgermeister Fritz Kuhn voller Inbrunst sein Argument ausführt, segelt hinter seinem Rücken die Flagge mit dem Stuttgarter Rössle im Wappen scheinbar symbolisch zu Boden. Die knapp 500 Besucher der Bürgerversammlung am vergangenen Montag konnten sich das Lachen nicht verkneifen – der OB, die sieben Bürgermeister und Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold waren zunächst verwirrt, nicht wissend, was hinter ihrem Rücken passiert ist. Als es ihnen klar wurde, scherzte der OB: „Das habt ihr gut inszeniert, es ändert mein Argument aber nicht.“

Es ging gerade um den Verkehr auf der Waldau. Einigen anwesenden Anwohnern und Mitgliedern des Bürgervereins Degerloch-Ost ist dieser und der Umgang der Stadt damit ein Dorn im Auge. OB Kuhn und Baubürgermeister Matthias Hahn versprachen, sich noch mal auf ein Gespräch mit den Kritikern einzulassen. Überhaupt erhitzte das Thema Verkehr in allen Variationen die Gemüter. Seine einleitenden Worte zu Beginn der Versammlung in der Turn- und Versammlungshalle an der Albstraße schloß OB Kuhn mit den Worten: „Sagen Sie uns die Meinung“. Das ließen sich die Bürger nicht zweimal sagen.

Kritik am Vollanschluss der Tränke an die B27

Beim Thema Vollanschluss des Gewerbegebiets Tränke an die B27 fühlen sich die Bürger von der Stadtverwaltung an der Nase herumgeführt. „Der Vollanschluss dient nicht der besseren Anbindung, sondern ist eine Gefahr für die Tränke“, sagte ein Bürger in seiner Wortmeldung. „Das ist ein reines Spekulationsgeschäft, um Grundstückspreise hochzutreiben“, schimpfte ein anderer. OB Kuhn, Baubürgermeister Hahn und Finanzbürgermeister Michael Föll verwiesen immer wieder darauf, dass der Vollanschluss nur mit gleichzeitigen Maßnahmen zur Vermeidung von mehr Schleichverkehr gebaut werde. Diese werden derzeit geprüft und im November im Bezirksbeirat vorgestellt. Trotz wiederholter Nachfragen wie diese Maßnahmen konkret aussehen, blieben die Vertreter der Stadtverwaltung den Bürgern die Antwort auf diese Frage am Ende schuldig.

Ein Kolumbarium für den Friedhof, Unterstützung für den Förderverein Hölzel-Haus, die Sicherung der Nahversorgung, ein Radweg für beide Seiten der Epplestraße oder Unterstützung beim Erhalt des Kindergartens an der Sprollstraße – auch die Bitten der Bürger an die Bürgermeister gingen nicht aus. Für Aufregung sorgte die schon so oft wiederholte, dass die Buslinie 70 wieder wie früher zu jeder Tageszeit am Haus auf der Waldau halten soll. Immer wieder hieß es von der Stuttgarter Straßenbahenen AG (SSB), dass dies nicht rentabel sei. Mit ihren Argumenten brachten die Bürger OB Kuhn dazu, zu versprechen: „Ich bin Aufsichtsrats-Vorsitzender der SSB. Ich werde das noch mal ansprechen.“

Nachverdichtung ist in Degerloch kaum möglich

Eine weniger positive Nachricht gab es von Matthias Hahn auf die Frage einer Bürgerin, ob es in Degerloch Möglichkeiten zur Nachverdichtung gebe, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Was die Nachverdichtung angeht, sind wir nicht gut dran“, antwortete der Baubürgermeister ehrlich. Es gebe keine größeren Flächen dafür.

Drei Schüler der Internationalen Schule schafften es, mit ihrem Nachhaken dem OB eine optimistische Aussage zu entlocken. Anfangs verwies Fritz Kuhn nur darauf, dass die Stadt bereits einiges für die Zukunft der Schule getan habe und der Ball nun beim Land liege. Nach der bewegenden Ansprache der Schüler berichtete er, dass er noch diese Woche mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprechen wolle und bereits mit dem Finanzminister gesprochen habe. Der Inhalt sei natürlich vertraulich, doch „ich habe den Eindruck, dass die Schule erhalten bleiben wird“, sagte Kuhn. In diesem Moment segelte jedenfalls keine weitere Flagge hinter seinem Rücken zu Boden.

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