Über das Greut wandert kalte Luft ins Neckartal. Foto: Horst Rudel/Archiv

Bürger einer Initiative kritisieren die Bebauung des Greut. Ihnen geht es um das Leben in der Stadt in Zeiten des Klimawandels.

Esslingen - Die Initiative „Rettet das Greut“ läuft Sturm. Nachdem der Vorentwurf für den Bebauungsplan auf dem Tisch liegt, findet der Zusammenschluss der Bürger im Esslinger Stadtteil Serach, es würden alle berechtigten Umweltbedenken vom Tisch gefegt.

Was ist das Greut? Das Greut ist ein Landstück im Norden Esslingens entlang der Alexanderstraße und dem Gollenholzweg. Es ist geprägt durch Streuobstwiesen und viel Grün. Dort will die Stadt rund 70 Wohnungen für etwa 200 Menschen errichten.

Wo sind die Interessen? Die Stadtverwaltung will das Greut aus zwei Gründen bebauen: einerseits verdient sie an der Entwicklung der Flächen Geld, anderseits braucht Esslingen dringend Wohnraum. Der Investor will das Gelände ebenfalls bebauen, er hatte das Gelände damals aus einer Konkursmasse billig erhalten. Jetzt könnte er den Grund teuerer weiter verkaufen.

Die Nachbarn und die Anwohner im Greut wollen den Grüngürtel erhalten. Die Streuobstwiesen bedeuten für sie mehr Lebensqualität durch Naherholung. Der Bürgerausschuss Innenstadt möchte das Greut ebenfalls erhalten. Durch die Klimaveränderung wird es mehr und mehr Hitzetage in der Innenstadt geben. Das Greut gilt als Kaltluftschneise, die hilft, solche Hitzetage zu verringern.

Was ist eine Kaltluftschneise? Weil der Schurwald auf der Höhe liegt, ist es dort kälter als im Tal. Einerseits durch den niedrigeren Luftdruck, andererseits durch die Tatsache, dass der Schurwald ein Naturraum ist. Diese kalte Luft von den Schurwaldhöhen fließt in den Morgenstunden ins Tal, durch die einfache physikalische Tatsache, dass kalte Luft schwerer ist als warme. Damit verringert sie die Tageshitze unten in der Stadt. Diese kalte Luft wandert aber direkt am Boden entlang. Stehen dort Häuser, wird der Strom gestoppt. Was sagen die Gutachten? Schon einmal hatte die Stadt versucht, das Greut zu bebauen, das war in den 80er- Jahren gewesen. Damals scheiterte das Unterfangen, weil festgestellt wurde, wie wichtig das Greut für eine Versorgung der Stadt mit kalter Luft ist. Für die jetzt geplante Bebauung gibt es ein neues Gutachten. Darin wird beschrieben, dass die Bebauung den Kaltluftstrom in nur ganz geringem Ausmaße störe. Die Bürgerinitiative hat ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das diese Ergebnisse anzweifelt, auch mit dem Argument, dass das städtische Gutachten von falschen Voraussetzungen ausgehe. Wie steht es um den Naturschutz?Die Bürgerinitiative „Rettet das Greut“ sorgt sich nicht nur um den Zufluss von kalter Luft, sondern auch um eine „erhebliche Versiegelung des Bodens, Verlust von Lebensräumen von Brutvögeln, Fledermäuse und Zauneidechsen, erhebliche Inanspruchnahme von Landschaft mit hoher Strukturvielfalt und Schönheit.“ Wie lauten die Beschlüsse? Die Stadt hat im Jahr 2016 ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht. Darin werden die Träger öffentlicher Belange wie etwa der Naturschutz, die Wasserwirtschaft und die Anwohner gehört, und deren Argumente bewertet. Jetzt ist ein Bebauungsplanvorentwurf entstanden, in den die neuen Erkenntnisse mit einfließen. Wenn der Satzungsbeschluss gefallen ist, dann können die Bagger anrücken. Wie stehen die Chancen? Die Mehrheit des Esslinger Gemeinderates will das Greut bebauen, deswegen sind auch die diesbezüglichen Beschlüsse zum Bebauungsplan gefallen. Die meisten Experten gehen nicht davon aus, dass sich eine Bebauung verhindern lässt. Durch die Tätigkeit der Initiative wird sie aber möglicherweise verzögert.

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