In Morsleben in Sachsen-Anhalt sind bis 1998 schwach- und mittelradioaktive Abfälle endgelagert worden – jetzt wird deutschlandweit nach einem Endlager auch für hochradioaktive Abfälle gesucht. Foto: Janosch Gruschczyk

Auch in Baden-Württemberg wäre ein Atommüll-Endlager möglich: Bürger des Regierungsbezirks Karlsruhe hatten jetzt Gelegenheit, sich in der zweiten von vier digitalen Runden direkt bei den Organisatoren des Suchprozesses zu informieren.

Karlsruhe - Das Risiko von Erdbeben und die Gefahr von Terrorangriffen – das waren zwei zentrale Fragen, die die gut hundert Teilnehmer der zweiten von vier Informationsveranstaltungen im Land zur Atommüll-Endlagersuche bewegt haben. Diese digitalen Treffen, zu der das Umweltministerium und die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) eingeladen haben, sind nach Regierungsbezirken aufgeteilt – am Donnerstag war die Region um Karlsruhe und Mannheim an der Reihe. Wie schon beim ersten Mal für den Regierungsbezirk Freiburg blieben alle Fragen sachlich; grundsätzliche Kritik kam nicht auf.

 

In Baden-Württemberg kommen 47 Prozent der Landesfläche nach der ersten rein geologischen Betrachtung im Prinzip noch in Frage für ein Endlager – ausgeschlossen sind, etwa aufgrund seismischer oder vulkanischer Aktivität, bereits Südbaden, die Rheinebene, ein Streifen im nordwestlichen Teil des Landes zwischen Karlsruhe und Tauberbischofsheim, sowie der Bodensee und Teile Oberschwabens.

Standort soll eine Million Jahre sicher bleiben

Gebiete in der Nähe des Rheingrabens sind bisher noch im Rennen, aber Steffen Kanitz, der Geschäftsführer der BGE, betonte, dass man in einem nächsten Schritt auch die Randgebiete auf eine Gefährdung durch Erdbeben hin untersuchen werde – sie könnten dann schnell endgültig rausfallen. Eine terroristische Gefahr sieht Kanitz nicht: Man suche ja gerade einen Standort, der sämtliche Einwirkungen von außen abhalte. „Dabei denken wir selbst an Überschwemmungen oder Eiszeiten – da die Lagerstätte komplett verfüllt wird, kommt dort niemand mehr ran.“ Eine Million Jahre lang soll der Standort sicher bleiben, das ist das Ziel.

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Eine weitere Frage betraf den möglichen Widerstand der Bürger: Was mache man, wenn die Bevölkerung des ausgesuchten Standorts sich gegen das Endlager wehre? Kanitz verwies auf das rein wissenschaftliche und deshalb nachvollziehbare Vorgehen und auf den „sehr partizipativen Prozess“, bei dem die Bürgerinnen und Bürger immer wieder Mitsprachemöglichkeiten hätten: „Wir hoffen, dass sich dadurch Akzeptanz entwickelt.“ Er deutete aber an, dass die betroffene Region umfangreiche Zuwendungen erwarten könne, um sich sozial und ökonomisch zu entwickeln. „Diese Region soll am Ende nicht der Verlierer der Nation sein, sondern der Held der Nation“, so Steffen Kanitz.

Im Jahr 2031 soll die endgültige Entscheidung fallen

Gesucht wird ein Endlager für 10 500 Tonnen radioaktives Schwermetall; davon sei aber nur zehn Prozent hochradioaktiv. Die Energieversorger haben an den Staat 24 Milliarden Euro bezahlt; dafür hat dieser die Verantwortung übernommen. Oberirdisch, sagte Steffen Kanitz, sei eine Fläche in der Größe von sieben bis zehn Fußballfeldern notwendig. Die Standortentscheidung soll nach derzeitigem Stand 2031 fallen; 2050 könnte die Befüllung beginnen, die 40 Jahre lang dauert.

Am Dienstag, 26. Januar, um 18 Uhr stellen sich das Umweltministerium und die BGE den Fragen der Bürger des Regierungsbezirks Stuttgart; am Donnerstag, 28. Januar, zur gleichen Uhrzeit sind die Bürger des Regierungsbezirks Tübingen dran.