In Großbottwar (Kreis Ludwigsburg) haben sich auf dem Rathaus Adebare niedergelassen. Darauf wartet die Kommune seit Jahrzehnten. Und es scheint etwas mit den Bürgern zu machen.
Es dürfte kaum eine Stadt geben, die so sehnlich auf die Rückkehr des Storchs gewartet hat wie Großbottwar. Immerhin trägt die Kommune den prächtigen Vogel sogar im Wappen. Es wurde in den vergangenen Jahren nichts unversucht gelassen, um den Tieren die Wiederansiedlung schmackhaft zu machen. Auf der Gemarkung wurden Nester montiert, außerdem Kalk daneben verspritzt – als Fake-Kot und Lockmittel nach dem Motto: schaut her, hier tummeln sich Artgenossen von euch. All das hat aber nicht gefruchtet – bis zu diesem Frühjahr. Ende März hat sich tatsächlich ein Paar auf dem Rathausdach niedergelassen.
Der Bürgermeister Ralf Zimmermann weiß sogar noch das genaue Datum. Exakt am 27. März hätten die Adebare das Nest in Beschlag genommen, sagt er. Das Datum hat der Rathauschef auch deshalb parat, weil sich genau ein Jahr zuvor ebenfalls ein Storchen-Tandem an selber Stelle das Quartier angeschaut habe – ehe es doch wieder weiterzog.
Die Vögel stürzen sich schnell in den Nestbau
Dieses Mal sind die Störche gekommen, um zu bleiben. „Sie haben auch relativ zügig angefangen, Nistmaterial zu sammeln und zu klappern“, berichtet Zimmermann. Auf dem Dach war zwar eine Grundvorrichtung aus Ringen für ein Nest installiert, die Detailarbeit mussten dann aber die Vögel selbst leisten.
Inzwischen deutet viel darauf hin, dass die Störche brüten. „Einer bleibt immer im Nest und duckt sich runter. Der andere ist entweder da oder fliegt herum“, sagt der Bürgermeister. „Es wäre natürlich der Jackpot, wenn es Junge geben würde“, fügt er hinzu. Die Begeisterung ist ihm dabei deutlich anzuhören.
Die Anwesenheit des Wappentiers scheint auch das Gemüt der Bürger aufzuhellen. „Man merkt, es ist eine positive Grundstimmung. Man freut sich, dass die Störche hier sind“, hat Zimmermann beobachtet. Kinder und Erwachsene schauten vom Marktplatz aus nach oben, um die Vögel zu beobachten. „Im Rathausteam freuen sich auch alle. Das ist Gesprächsthema. Es heißt dann zum Beispiel: hast du die Störche heute auch schon gesehen und gehört, wie sie klappern“, berichtet Zimmermann.
Sorge wegen zwei Nilgänsen
Spannend anzuschauen sei es auch, wenn es zu Begegnungen mit Artgenossen oder anderen Vögeln komme. Unlängst sei ein ganzer Tross von Störchen durch die Stadt gezogen, habe dabei unter anderem auf der katholischen Kirche Station gemacht und mehrfach dem Paar auf dem Rathausdach einen Besuch abgestattet. Sorgen habe er sich gemacht, als sich zwei Nilgänse dem Nest näherten, sagt Zimmermann. Er fürchtete, das Storchenpaar könnte verjagt werden. Doch die Nilgänse seien schließlich weitergeflogen.
Unklar ist, ob die Großbottwarer Störche beringt sind, worüber man ihre Herkunft herausfinden könnte. Das sei bislang auf keinem Foto zu erkennen gewesen, sagt Zimmermann. Und gezielt nähern wolle man sich den Tieren nicht, um sie nicht zu stören. Wenn die Brutsaison vorbei ist, wolle man aber wahrscheinlich im Herbst oder Winter am Dach eine Webcam anbringen lassen, damit hoffentlich bei einer Rückkehr der Störche im nächsten Jahr alle das gefiederte Treiben hautnah und live verfolgen können.