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Zu wenige Gäste, zu hoher Verlust: Das Fünf-Sterne-Hotel Bühlerhöhe schließt.

Bühl/Stuttgart - Es gilt als eines der besten und schönsten Hotels in Deutschland: Die Bühlerhöhe hoch über Baden-Baden. Nun verliert das Tourismusland Baden-Württemberg eines seiner Vorzeigehäuser. Die Nobelherberge hat kein Geld mehr.

Konrad Adenauer war mehrmals dort, Nelson Mandela hat dort geschlafen, Kofi Annan auch, Bill Clinton hat die Aussicht hinunter ins Rheintal genossen, Ex-Tennis-Hero Boris Becker hat hier seine Hochzeit gefeiert, Firmenchefs aus aller Welt haben hier getagt und getafelt, im Jahr 2006 logierte hier oben die englische Fußball-Nationalmannschaft vor der WM in Deutschland. Sie alle und noch viele andere wohlhabende Gäste müssen die Adresse nun streichen. Ende August macht das Schlosshotel Bühlerhöhe zu.

Wie lange, das ist unklar. Fakt ist nur: Die spanische Gruppe NH Hotels trennt sich von der Luxusherberge hoch über Baden-Baden. "Das Hotel hat noch nie Gewinn gemacht", begründete Jan Hein Simons, NH-Chef für Deutschland, am Dienstag die Entscheidung. Man habe sich "im gegenseitigen Einvernehmen" mit dem Eigentümer auf die Vertragsauflösung geeinigt. Besitzer des Hotels ist SAP-Gründer und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Vermutungen, es habe wie in der Vergangenheit Unstimmigkeiten zwischen NH und Hopp um die Positionierung des Hotels gegeben, wies Simons zurück: "Wir hatten ein hervorragendes Verhältnis."

b>"Herber Verlust für Baden-Württemberg"Selbst für Insider kam der Schritt überraschend. "Die Bühlerhöhe ist und war ein Flaggschiff für die Hotellerie und Gastronomie in Baden-Württemberg. Wenn es nun schließt, ist das ein herber Verlust für Baden-Württemberg", sagte Wirtschaftsminister Ernst Pfister, Präsident des Tourismusverbandes, am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Auch in Baden-Baden war man über die Entscheidung der Betreiber verwundert. "Dieses Hotel war weltweit ein Markenname und damit ein Anziehungspunkt für den gesamten Schwarzwald", hieß es bei der Stadtverwaltung.

Details über die Gründe der Schließung wollte die HN-Hotelgruppe, die weltweit fast 400 Hotels mit rund 61.000 Betten betreibt, nicht nennen. Nur so viel: Nach der Schließung Ende August würden die Eigentümer des Hauses "neue Nutzungskonzepte prüfen und entwickeln". Simons betonte, die Bühlerhöhe habe schon immer Verluste gemacht, diese seien jetzt aber nicht mehr tragbar gewesen. Die Belegung des Hauses habe sich in den vergangenen Monaten zwar deutlich verbessert "und war besser als 2009". Aber, so Simons: "Besser bedeutet noch nicht, dass man Gewinn macht." Über die Höhe der Verluste wollte er keine Auskünfte geben.

Das Schlosshotel Bühlerhöhe liegt inmitten eines 18 Hektar großen Schlossparks an der nördlichen Schwarzwaldhochstraße und gehört zum Verbund der weltweiten besten Hotels ("The Leading hotels of the world"). Das prächtige barockartige Gebäude, das auf der Gemarkung von Bühl (Kreis Rastatt) liegt, wurde 1912 in rund 800 Meter Höhe als Offiziergenesungsheim errichtet. Später diente das Gebäude als Kurhaus, ehe es 1986 vom Industriellen Max Grundig gekauft, komplett renoviert und zum Luxushotel mit 77 Zimmern und 13 Suiten umgebaut wurde. Nach einigen Eigentümerwechseln gehört das Haus seit 1999 Dietmar Hopp.

Betrieb geht regulär weiter

NH-Deutschland-Chef Simons betonte am Dienstag, der Betrieb des Hotels gehe bis Ende August regulär weiter. "Bis dahin kann dort übernachtet werden." Ab 30. September sei das Engagement von NH auf der Bühlerhöhe aber beendet. Zusammen mit dem Betriebsrat werde jetzt ein Sozialplan für die 120 Mitarbeiter erstellt. Die Mitarbeiter hatten von der Entscheidung der Hotelgruppe erst wenige Stunden zuvor erfahren. Auch im Internet-Auftritt des Hotels deutete am Dienstag nichts auf die bevorstehende Schließung hin. Dort wird weiterhin für Hotelbuchungen ab Oktober geworben - das Deluxe-Doppelzimmer für 300 Euro pro Nacht, die Deluxe-Suite für 650 Euro pro Nacht. Gästen, die bereits für die Zeit ab Oktober gebucht haben, will man laut Simons nun "Alternativen anbieten".

Kaum war die Nachricht bekannt, gab es am Dienstag erste Reaktionen von Gästen. So schreibt ein treuer Besucher im Gästebuch des Hotels: "Mit großem Bedauern habe ich erfahren, dass das Haus geschlossen wird. Umso mehr als dass Ihr Haus für mich eines der letzten Grand Hotels in Deutschland ist, schmerzt mir das Herz beim Niedergang dieses außergewöhnlichen Hotels. Tradition und Liebhaberei zählen nicht mehr, die Wirtschaftlichkeit rückt an vorderste Stelle."

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