Gudrun Fuchs möchte die Besucher emotional an die Bücherei binden. Foto: Horst Rudel

Gudrun Fuchs, die Leiterin der Stadtbücherei, hat klare Vorstellungen davon, was sich ändern muss. Die weichen erheblich von der aktuellen Situation ihrer Einrichtung ab.

Esslingen - Der Punkt scheint tatsächlich erreicht: Offenbar hat sich in der Esslinger Kommunalpolitik nach vielen Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass man nicht nur in regelmäßigen Abständen den katastrophalen baulichen Zustand der Esslinger Stadtbücherei in der Heugasse 9 beklagen kann, sondern dass man nun wirklich etwas dafür tun muss, dass die wichtigste Bildungseinrichtung der Stadt mit täglich 800 bis 2000 Besuchern für die Zukunft gerüstet ist.

Zwar wird die Grundsatzentscheidung, wo die Stadtbücherei ihre Zukunft erleben kann, sich möglicherweise noch um ein oder zwei Monate verzögern. Denn der in dieser Woche überraschend ins Spiel gebrachte neue Standort Franziskanerkirche samt evangelischen Gemeindezentrum am Blarerplatz muss zunächst auf seine Tauglichkeit untersucht werden. Aber noch vor der Sommerpause soll in Esslingen Klarheit darüber herrschen, was mit der Bücherei geschieht. Ganz egal, ob es nun zu einem Neubau an der Kiesstraße, zur Verlagerung an den Blarerplatz oder ob es eine Komplettsanierung samt Erweiterung des aktuellen Standorts kommt: die Leiterin der Esslinger Stadtbücherei, Gudrun Fuchs, die Leiterin der Stadtbücherei, hat klare Vorstellungen davon, in welchen Bereichen dringend Handlungsbedarf besteht.

Eine Verdopplung der Fläche ist möglich

Da ist zunächst natürlich einmal die räumliche Situation. Momentan verfügt die Stadtbücherei über 1840 Quadratmeter öffentlich nutzbare Fläche. In einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2013 haben die Experten festgestellt, dass sich bei einer Einbeziehung des Nachbargebäudes Heugasse 11 die Größe auf 3700 Quadratmeter erhöhen ließe. Selbst das entspräche noch nicht den Vorstellungen, die Fachverbände für eine ideale Bücherei vorschlagen – das Spektrum reicht für Esslingen von 4600 bis 5400 Quadratmeter. Die Reutlinger Bibliothek etwa hat 6400 Quadratmeter Nutzfläche, Ulm sogar 6670 Quadratmeter. Die denkbare Verdopplung würde die Situation in der Heugasse aber deutlich entspannen.

„Die Größe ist natürlich wichtig, aber sie ist nicht alles“, betont Gudrun Fuchs. Wichtig sei es auch, den unterschiedlichen und wachsenden Bedürfnissen der Nutzer Rechnung zu tragen. Die Stadtbücherei sei längst kein Ort mehr, zu dem man nur gehe, um Bücher auszuleihen. Sie habe sich immer mehr zum Lern- und Aufenthaltsort für Kinder, Jugendliche aber auch ältere Menschen entwickelt.

Die Romanleser kommen im Moment zu kurz

Dem trage man mit zahlreichen Angeboten – von der Schülersprechstunde, über Workshops und pädagogische Beiprogramme bis zu Vorlesereihen Rechnung. Auch müsse eine moderne Bibliothek Räume bereitstellen, in denen sich Schulklassen, Jugend- aber auch Kindergartengruppen austauschen könnten, in denen es also zwangsläufig eine höhere Lärmbelästigung gebe. Wichtig sei es aber auch, Situationen zu schaffen, in denen die Nutzer ungestört lernen oder sich informieren können. Diese Räume gebe es in Esslingen aktuell nicht: Fuchs: „Die Romanleser kommen momentan bei uns eindeutig zu kurz.“

Schon heute seien die 175 Sitzmöglichkeiten, die die Bücherei vorhalte, oft belegt. Fuchs: „Realistisch betrachtet brauchen wir 300 bis 350 Arbeitsplätze.“ Die allein reichen aber auch nicht aus, um den Anforderungen gerecht zu werden. Moderne Büchereien verfügten über eine Vielzahl mobiler digitaler Lesegeräte, die man ausleihen und mit denen man sich frei in der Bibliothek bewegen könne. Auch hier gebe es erheblichen Nachrüstungsbedarf – von den elektrischen Leitungen in dem denkmalgeschützten Pfleghof ganz zu schweigen.

Eine Lanze für den bestehenden Standort

Trotz all dieser Probleme bricht Gudrun Fuchs eine Lanze für den bestehenden Standort. Der Entwicklung des Bebenhäuser Pfleghofs seien zwar wegen des Denkmalschutzes gewisse Grenzen gesetzt. Er besitze aber eine ganz besondere Atmosphäre. Esslingen brauche keine seelenlose Bücherei, sondern einen Ort, an den die Besucher eine hohe emotionale Bindung hätten. Die sei in der Heugasse ohne Zweifel vorhanden. Ein Wunsch der Leiterin lässt sich in der Heugasse allerdings nicht verwirklichen: Denn ein Veranstaltungssaal mit 300 Sitzplätzen, den die Stadtbücherei gut für ihre Lesungen während der Lesart gebrauchen könnte, lässt sich an dieser Stelle nicht verwirklichen.

Bei allen Planungen, so Gudrun Fuchs, müsse man darauf achten, dass man nicht nur ideale Bedingungen für den Ist-Zustand schaffe. Sie fordert vielmehr ein Höchstmaß an Flexibilität im Raumprogramm. Denn die Ansprüche an eine moderne Bibliothek wandelten sich ständig – und schließlich plane man jetzt eine Bibliothek, die auch in 20 Jahren noch attraktiv sein solle. Wie viel zusätzliches Personal man brauche, hänge maßgeblich davon ab, wie die Bibliothek gestaltet werde. Je mehr zusammenhängende Fläche man habe, desto weniger Personal brauche man. Konkrete Zahlen könne sie deshalb für die Zukunft nicht liefern. Aktuell gibt es in der Esslinger Stadtbücherei 25 Stellen.

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