Nicht nur Bücher, auch Gaming-Angebote laufen in den Büchereien im Landkreis Esslingen gut. Doch die Teams wollen die Kinder und Jugendlichen damit nicht alleine lassen. Sie machen medienpädagogische Angebote.
Der sechsjährige Toni ist gefesselt von seinem Computerspiel. In der Gaming Zone der Stadtbücherei Ostfildern in Nellingen zieht sich der Kleine kurz zurück. Das dauert aber nicht lange, denn schon rennen die Jungen und Mädchen in den Spielraum. Das Finale von Mario Kart ist angesagt. „Das will niemand verpassen“, sagt Sybille Treiber-Killinger. Neugierig scharen sich alle um den Bildschirm. Die stellvertretende Büchereileiterin hat das Gaming-Angebot für Sechs- bis Zwölfjährige organisiert. „Gerade bei Computerspielen ist es wichtig, dass wir die Kinder und Jugendlichen medienpädagogisch begleiten.“
Darin sieht die Bibliothekarin eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe von Büchereien. Deshalb hat sie mit ihrem Team in den Sommerferien einen Mario-Kart-Nachmittag organisiert. In den sechs Ferienwochen läuft aber auch die Aktion „Mission Lesen“. Mehr als 70 Jungen und Mädchen lesen dabei drei oder mehr Bücher. Dazu beantworten sie dann Fragen. „Bei uns laufen alle Medien gut“, sagt Heike Schepp. Die Büchereileiterin möchte Kindern und Jugendlichen zwar mediale Horizonte öffnen, aber gleichzeitig Lust aufs Lesen machen. Das klappe prima, „denn die Ausleihzahlen in beiden Bereichen stimmen.“ Gerade die Tonie-Figuren, die bei den kleinen Kindern sehr gefragt sind, bauen aus ihrer Sicht Brücken zum guten, alten Buch. Viele Familien, die damit erst mal einsteigen, kommen dann wieder und stöbern in den Regalen nach Kinderbüchern für den Vorleseabend daheim.
Wichtig findet es Schepp, mit den Kindern und Jugendlichen auch über die Gefahren des Internets und seiner Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen. Dazu gehören Cyber-Mobbing, Spielsucht oder der Umgang mit Fake News. Mit den jungen Bibliothekarinnen Sophie Öktem und Eva Sonnabend entwickelt das Team viele Ideen. Auch bei den Klassenführungen kommen diese Themen immer wieder zu Sprache.
Die Kinder und Jugendlichen mit Games nicht alleine lassen
„Wir wollen die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit elektronischen Games nicht alleine lassen.“, sagt Heike Schepp. Deshalb gibt es in der Bücherei einen Raum, in dem die Schüler vom benachbarten Bildungscampus auf Sesseln und Sitzsäcken entspannen und spielen dürfen. „Wenn Fragen sind, dürfen sie jederzeit auf uns zukommen.“ Den Raum hat das Büchereiteam nach Wünschen der Jugendlichen geplant. „Es ist uns wichtig, dass die Gemeinschafts- und Realschüler wie auch die Gymnasiasten in unserer Bücherei einen Rückzugsort haben.“ Wenn sich die Jungs und Mädchen nur noch mit ihren Games in ihre Zimmer zuhause zurückziehen, sieht Schepp eine große Gefahr, dass sie immer mehr vereinsamen.
Dass es auch anders geht, zeigt die Bücherei mit dem Gaming-Event. Beim Mario-Kart-Turnier kommen die Kinder rasch ins Gespräch und tauschen Tipps aus. In einer Ecke basteln Sybille Treiber-Killinger und Eva Sonnabend Schlüsselanhänger aus Holz. Die bemalen die Kinder mit den Konterfeis einer der Comicfiguren aus dem Computerspiel Mario Kart. An einem anderen Tisch lernen die Kinder, wie man einen kleinen Roboter programmiert. Das ist gar nicht so einfach, stellen die meisten fest. Wenn man gemeinsam tüftelt, findet sich nach einiger Zeit aber doch eine Lösung. Nur braucht es Geduld. So schulen die Bibliothekarinnen spielerisch die soziale Kompetenz.
Gaming-Angebote haben in der Stadtbücherei Esslingen eine lange Tradition. „Die Einführung unserer Gaming-Angebote liegt in den 1990er Jahren, und begonnen haben wir mit CD-ROM-Spielen für den PC“, erinnert Esslingens Büchereichef Kevin Butler an die Anfänge. „Das Angebot kam sehr gut an und wir entschieden uns dazu, dieses weiter auszubauen.“ Mit den Jahren hat sich der Markt nach seinen Worten immer schneller entwickelt. „So kam es auch bei uns, dass neue Spielekonsolen kamen und eine andere ersetzten.“ Ihm ist wichtig, die Spielekonsolen der Esslinger Stadtbücherei weiterzuentwickeln und auf der Höhe der Zeit zu sein. Kevin Butler und sein Team verfolgen die aktuellen Spieletrends, richten sich beim Angebot nach den Wünschen ihrer Kundinnen und Kunden. „Die Etablierung unserer Gaming-Angebote verlief sehr gut und hat sich bei Kindern und Jugendlichen als Gaming-Ecke etabliert. Bevor es diese Gaming-Angebote gab, hat die Bücherei LAN-Partys für Jugendliche veranstaltet. Die Ausleihzahlen sind nach Butlers Worten sehr gut, sie seien sogar im Aufwind. Als Beispiel nennt er die Nintendo Switch. Da kletterten die Zahlen zwischen 2022 und 2024 um 21 Prozent, sagt der Bibliothekar. Bei der PS 5 war es nach seinen Worten noch mehr, zwischen 2022 und 2024 hatte sie 135 Prozent mehr Ausleihen zu verzeichnen. In den Oster- und Herbstferien gibt es in der Esslinger Stadtbücherei Gaming-Nachmittage, die sehr gut ankommen. „Wir möchten unser Gaming Angebot weiter ausbauen“, sagt Kevin Butler. „Und ich kann mir hier medienpädagogische Begleitangebote sehr gut vorstellen.“
Kinder und Jugendliche in den Bibliotheken
Akademie
Die Mini-Akademie ist ein Programm der Kinderbücherei in Esslingen. Es fasst Leseangebote zusammen. Damit werden Kinder von zwei bis zwölf Jahren angesprochen. Ziel ist es, das Kind lese- und medienpädagogisch umfassend zu fördern. Das Programm umfasst analoge und digitale Inhalte.
Mission Lesen
Wie 34 andere Büchereien im Regierungsbezirk beteiligt sich auch die Stadtbücherei Ostfildern an der Aktion „Heiß auf Lesen“ in den Sommerferien. In Ostfildern heißt das Angebot „Mission Lesen“. Dabei lesen die Jungen und Mädchen mindestens drei Bücher und beantworten dazu Fragen.
Medienpädagogik
Da Gaming in den Bibliotheken immer beliebter wird, erweitern auch die Ausbildungsgänge ihre medienpädagogische Lehre. „Es gibt immer mehr Fortbildungen in diesem Bereich“, sagt Sybille Treiber-Killinger von der Stadtbücherei Ostfildern. So werden Kinder und Jugendliche unterstützt.