Bücherei in Stuttgart-Riedenberg Warum die Literaturliebhaber nicht aufgeben wollen

Von Caroline Holowiecki 

Seit 2015 gibt es die Bücherei im Alten Schulhaus in Stuttgart-Riedenberg, so richtig in Schwung kommt die Ausleihe aber nicht. Drei Ehrenamtliche erzählen, was sie dennoch antreibt.

Maria Roser, Bernd Hoffmann und Monika Leistner (v.l.) sind engagiert dabei.Foto: Holowiecki

Riedenberg - Kaum hat die Bücherei am Mittwochabend die Tür geöffnet, ist Helmut Müller schon da. Der Urlaub ist vorbei, der 71-Jährige braucht neuen Lesestoff. Schnellen Schrittes erklimmt er die Treppe ins Obergeschoss, hat schon im Reinkommen den Namen des Autors auf den Lippen, von dem er mehr lesen will: Andrea Camilleri. Viel Zeit hat Helmut Müller nicht, das Abendessen macht sich nicht von allein. Umso geschickter, dass der Riedenberger es nicht weit hat. „Fantastisch, ganz toll“, ruft er quasi schon im Gehen. „Ich bin ein Verfechter“, sagt er über die ehrenamtliche Bücherei an der Schemppstraße. Dabei hatte er die kleine Einrichtung bis vor wenigen Wochen überhaupt nicht auf dem Schirm. Und damit geht es Helmut Müller wie so vielen im Bezirk.

Wollen die Leute lieber elektronische Medien?

Seit etwas mehr als drei Jahren ist die ehrenamtlich geführte Bibliothek in Riedenberg im Alten Schulhaus beheimatet. Angefangen hatte Bernd Hoffmann, der Leiter, einst mit einer Garagenbücherei in Sillenbuch, dann aber hatte die Stadt das Gebäude von 1826 zur Verfügung gestellt. Geöffnet ist mittwochs von 17 bis 19 Uhr sowie samstags von 14 bis 17 Uhr. Bald 8000 Bücher warten auf Wissensdurstige. Heimatkunde, Politik, Reiseführer, Lebenshilfe, Biografien, unzählige Romane und Kinderbücher. Alles Spenden, aber bei Weitem nicht nur alte Schinken.

So richtig in Schwung kommen will die Ausleihe dennoch nicht. Keine 160 Leih­ausweise hat das Viererteam seit Mai 2015 ausgegeben. Zwischen drei und fünf Kunden kommen pro Öffnungstag. „Am vergangenen Samstag waren acht Besucher da, das ist ganz außergewöhnlich“, berichtet Maria Roser, eine Ehrenamtliche. Die Klientel ist 60 plus, vor allem bei den Kindern gibt es trotz eines üppigen Angebotes ein Loch. Bernd Hoffmann bekennt: „Die Resonanz könnte besser sein.“ Warum es nicht funkt? Womöglich hätten viele ihre Medien lieber neu oder elektronisch. Immerhin gibt es in Sillenbuch eine gut laufende Buchhandlung. Auch sei die Bibliothek noch zu wenig bekannt. Bernd Hoffmann glaubt: „Wenn die Leute wissen würden, was es gibt, würden sie kommen.“

Verschiedene Ideen sollen mehr Leute anlocken

Das Team betont: Verzagt ist es nicht. „Ich finde es nicht frustrierend“, stellt Bernd Hoffmann klar, vielmehr fühle er sich herausgefordert, sich immer neue Wege zu überlegen, die Menschen zu erreichen, „das ist mein Antrieb“. Enttäuscht sei er nur an Tagen, an denen gar keiner komme. Auch Maria Roser will von einem Opfer, das sie bringt, nichts wissen. „Es macht doch Spaß, wenn man einem Leser etwas empfiehlt und er kommt nach vier Wochen wieder und sagt: Das war toll.“ Monika Leistner nickt eifrig. „Das ist unsere Bestätigung“, sagt sie. Sie bringt sich auch als Lesepatin an der Schule im Langen Morgen in Heumaden und an der Pestalozzischule in Vaihingen ein, „mir ist es ein echtes Anliegen, dass die Menschen mehr kennenlernen als das Handy“.

Bernd Hoffmann hat eine Homepage aufgebaut, außerdem sollen Veranstaltungen, etwa Lesungen, mehr Leute anlocken. Immerhin gibt es im Untergeschoss einen Aufenthaltsraum. „Es wäre schön, wenn es einen Stadtteil-Treffpunkt geben könnte“, findet Maria Roser. Aber dazu müssten die Leute die Bücherei erst finden. Dem Trio schwebt daher „ein Eyecatcher“ vor, ein Schild oder eine Werbeanlage vor der Haustür, um auf sich aufmerksam zu machen. Damit noch mehr Menschen aus der Umgebung profitieren. So wie Bernd Hoffmann, Maria Roser und Monika Leistner selbst. Sie sind wahre Lesefans. Monika Leistner benutzt das Wort „Menschwerdung“ und lächelt. „Hier komme ich mit Literatur in Verbindung, die ich nicht kenne. Ich sehe es als Geschenk.“