Ein verschwommener Blick:Die Budo-Abteilung des SV Fellbach wartet auf die Rückkehr in den Trainingsbetrieb. Foto: /Baumann

SVF-Abteilungsleiterin Martina Bobert verzeichnet in der Corona-Pandemie einen Mitgliederrückgang von elf Prozent. Einige Kampfsport-Teams kommen dabei noch glimpflich davon.

Fellbach - Als Martina Bobert im vergangenen Frühjahr zum Heimaturlaub in Hamburg war, hat sie in einem Park etliche Personen in Karateanzügen gesehen. Sie haben im Freien trainiert, das war ja beim ersten Lockdown in dieser Corona-Pandemie in manchen Bundesländern möglich. Auch die Sportler der Budo-Abteilung des SV Fellbach hätten im Max-Graser-Stadion trainieren können, allerdings verzichtete die Abteilungsleiterin Martina Bobert auf diese Option, weil die Teilnehmerzahl begrenzt war und sie Athleten hätte ausschließen müssen.

Ein Mitgliederverlust von elf Prozent

Gut ein Jahr später gelten erneut strenge Maßnahmen, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Gut ein Jahr später kann Martina Bobert aber auch schon von den Auswirkungen des unsichtbaren Gegners auf ihre Abteilung mit den Sportarten Judo, Karate, Jiu Jitsu, Kendo und Taekwondo berichten. Ein Blick auf die Mitgliederzahlen zeigt es deutlich: Waren es zum Jahresabschluss 2019 noch 504 Mitglieder, so sind es heute noch 450 Freunde des Kampfsports – das bedeutet einen Verlust von elf Prozent. Zur Einordnung: Zum 1. Januar 2021 hat der Gesamtverein SV Fellbach 4557 Mitglieder registriert, im Jahr zuvor waren es 4895, mithin 338 oder sieben Prozent mehr.

Dabei kommen die Judoka des SV Fellbach noch einigermaßen glimpflich durch die Krise. Sie haben zwar 32 Mitglieder verloren, aber immerhin 28 gewonnen. Ursächlich hierfür ist sicherlich das Engagement der Übungsleiter, die bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres, als ein gemeinsames Training in der Halle nicht mehr möglich war, den Sportlern ein Online-Training ermöglicht haben. Christian Ellinger und sein Team haben zunächst eine Judo-Safari für Kinder organisiert, Ende des Jahres dann – während des neuerlichen Lockdowns – eine Weihnachtsaktion gestartet, bei der alle jugendlichen Mitglieder eine Überraschung im Briefkasten vorfanden. „Hey, uns gibt’s noch“, sagte Christian Ellinger zum Zweck dieser Aktion. Denn tatsächlich ist das Training schon seit Längerem nicht mehr möglich, auch weil mittlerweile die Jugendtrainer fehlen. Bei den Kleinsten war das Interesse groß, im Herbst des vergangenen Jahres gab es gar eine Warteliste, doch nun ist alles anders.

Die Budo-Abteilung des SVF ist mehr als nur Judo

Erst kürzlich hat Martina Bobert vom Verband einen Fragebogen bekommen, auf dem sie beschreiben sollte, wie die Abteilung in der Corona-Pandemie zurechtkommt. Das hätte die Abteilungsleiterin bei einem Abendessen besprechen können, denn ihr Ehemann Martin Bobert ist der Präsident des Württembergischen Judo-Verbands (WJV) und zugleich auch Mitglied bei den SVF-Judoka.

Doch die Budo-Abteilung des SV Fellbach ist mehr als nur Judo. Zu ihr zählen sowohl die weiteren japanischen Kampfsport-Arten Karate, Jiu Jitsu und Kendo als auch die koreanische Kampfkunst Taekwondo. Deren Teamleiter Cem Karaca hat jüngst gut ein Drittel der Mitglieder verloren. Nach 18 Austritten und zwei Zugängen zählt er jetzt 33 Mitglieder. Die Verantwortlich planen für sie nun ein Online-Training. Bei den Karateka finden diese Übungseinheiten im digitalen Netz bereits statt. Der Teamleiter Sebastian Lutz und sein Stellvertreter Tibor Lukas, beide auch Jugendtrainer, bieten für die Kinder ein wöchentliches Training an. Für gewöhnlich treffen sie sich in der Halle des Sportzentrums Loop, doch coronabedingt müssen auch sie sich mit der Kommunikation im Internet begnügen. 75 Mitglieder zählt ihr Team, das zuletzt sieben Zugänge und 14 Abgänge zu verzeichnen hatte. Zwei Mitglieder mehr noch hat das Team von Jiu-Jitsu, das von Rainer Struensee geleitet wird. Zurzeit ruht diese vom japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung, es finden keine Online-Kurse statt. Die Teamleiter Genta Kozaki und Patty Stopp bieten beim Kendo, dem japanischen Schwertkampf, indes Übungseinheiten an. Sie haben in dieser Corona-Krise ein Viertel ihrer Mitglieder verloren, stehen jetzt bei 55 Kämpfern.

Rund die Hälfte der Abteilung sind Judoka

Rund die Hälfte der Budo-Abteilung des SV Fellbach sind jedoch Judoka (228). Für alle wünscht Martina Bobert sich eine schnelle Rückkehr in die Trainingshallen und dann auch in den Wettkampfsport: „Ich hoffe, dass wir im März mit Hygienemaßnahmen wieder was machen können. Dann kommen wir mit unserer Abteilung in diesem Jahr wahrscheinlich wieder raus aus der Krise.“ Es ist eine Mischung aus Hoffnung und Realitätssinn.

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