Harriet Tubman auf einer historischen Fotografie und auf dem Cover der Foto: dpa/Us Library Of Congress, Verlag Nagel & Kimche

Unter dem Decknamen Moses führte sie Hunderte Sklaven in die Freiheit. Jetzt blickt die Romanbiografie „Harriet Tubman“ in ein bewegtes Leben.

Stuttgart - Auf einer US-Briefmarke war das Porträt von Harriet Tubman schon 1978 zu finden. Doch eine Afroamerikanerin, die aus der Versklavung floh und Hunderte Gleichgesinnte in die Freiheit führte, auf einem 20-Dollar-Schein? Das war Präsident Trump zu viel. Er bremste das Projekt. Nachfolger Joe Biden will den Vorschlag einer neunjährigen Schülerin, der bereits aus dem Jahr 2014 stammt, nun umsetzen. Schließlich hat er versprochen, den Beitrag von Frauen und Schwarzen zur US-Gesellschaft stärker zu würdigen.

 

Während die Sklavenbefreierin in den USA heute eine schwarze Ikone ist, wartet sie in Deutschland noch auf ihre Entdeckung auch außerhalb von Porträtsammlungen über außergewöhnliche Frauen. Die nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienene Romanbiografie der afroamerikanischen Autorin Ann Petry, die im Original bereits 1955 unter dem Titel „The girl called Moses“ (Das Mädchen namens Moses) herauskam, könnte das ändern. Petry erzählt enorm spannend davon, wie Harriet Tubman mit Hilfe der Organisation Underground Railroad Sklaven zu Fuß auf geheimen Routen von Maryland in die Nordstaaten der USA brachte. Vor allem Quäker und deutsche Farmer boten den Geflüchteten Unterschlupf, eine Mahlzeit, manchmal Transporte mit Fuhrwerken und Booten. Moses war Harriets Deckname, auf ihre Gefangennahme waren bis zu 60 000 Dollar Belohnung ausgelobt. Bis nach Kanada musste sich Tubman mit ihren Trupps am Ende durchschlagen, nachdem 1850 der Fugitive Slave Act die Nordstaaten dazu angehalten hatte, entlaufene Sklaven ihren Besitzern zurückzugeben.

Wer half den Geflüchteten unterwegs?

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Dass auch an der Ostküste Sklaven ausgebeutet wurden? Wie Menschen als Ware behandelt wurden, die man vermieten, zurückfordern, verkaufen konnte? Das eigentlich für junge Leser geschrieben Buch gibt Einblicke in ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte. Vor allem aber gelingt Petry ein sehr lebendiges Porträt: Der Traum, frei zu sein, treibt Harriet schon als Mädchen in die Natur. Später riskiert sie ihr Leben, um sich und andere zu befreien.

Viel Material aus erster Hand

Aber ihr Freiheitsdrang machte diese starke Frau auch einsam. Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs, in dem sie sich als Kundschafterin und Krankenschwester engagierte, lebte Tubman bis zu ihrem Tod 1913 verarmt in Auburn im Norden. Eine Lehrerin dort unterstützte sie mit der Herausgabe des Buchs „Scenes in the Life of Harriet Tubman“. Dieser Quelle verdankt Ann Petry viel Stoff aus erster Hand.

Neben der bei Nagel & Kimche erschienen Romanbiografie liegen zwei Bilderbücher über die Sklavenbefreierin vor: Maria Isabel Sanchez Vegara erzählt für Kinder ab vier Jahren in „Harriet Tubman“ (Insel-Verlag) aus deren Leben; Fleur Daugey und Olivier Charpentier nehmen in „Freiheit!“ die Heldin als Anlass, um alle ab zehn Jahren in die Geschichte der Sklaverei in den USA einzuführen. 2024 soll Tubman endlich Andrew Jackson auf dem 20-Dollar-Schein ablösen. Es hätte sie gefreut: Dieser US-Präsident war selbst Sklavenhalter.

Harriet Tubman, Ann Petry, Nagel &Kimche, 176 Seiten, 16 Euro

Bibliografisches

Buch
Ann Petry: Harriet Tubman. Aus dem Englischen von Hella Reese. Verlag Nagel & Kimche. 220 Seiten. 16 Euro. Ab 11